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Weltbank: Auswirkungen der digitalen Revolution sind ernüchternd

Die Onlineplattform EPO geht in ihrem Artikel auf einen Bericht der Weltbank, dem World Development Report 2016: Digital Dividemds (zum Bericht) ein. Der Bericht beschreibt die Wirkung des Internets und der sogenannten „digitalen Revolution“. Dabei fällt das Fazit der Forscher ernüchternd aus: die Auswirkungen der digitalen Innovationen und des Internets sind weitaus geringer als angenommen. Denn die digitale Revolution bzw. das Internet verändere keine bestehenden wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Zustände. Glaubt man dem Bericht der Weltbank und dem Artikel von EPO, könne dies nicht geschehen. Auch Entwicklungs- und Schwellenländer könnten die aktuellen Disparitäten zu Industrieländern nicht aufholen.
Vor allem höheres Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätze und eine verbesserte Produktivität wurden als Folgen der positiven Entwicklungen der digitalen Technologien erwartet. Diese seien aber laut Weltbank in der Praxis fast nirgendwo eingetreten.

Digitalisierung unfair verteilt

Zwar haben digitale Innovationen in vielen Ländern dazu geführt, dass neue Geschäftsideen erst möglich wurden; diese nutzen und umsetzen würden jedoch oftmals nur Großunternehmen aus westlichen Industriestaaten. Die Digitalisierung würde die Ungleichheiten der Welt weiter begünstigen. Tendenziell wirtschaftlich schwächere Länder spürten die Auswirkungen weniger als Industrieländer.

Auch finanzielle Inklusion / Dienstleistungen betroffen – Situation der Frauen immer noch benachteiligt

Der Bericht geht auch auf die besondere Rolle der Frau ein. Frauen hätten es immer noch besonders schwer, an finanziellen Dienstleistungen und digitalen Angeboten teilzuhaben. In manchen Ländern wäre es Frauen verboten entsprechende Angebote zu nutzen, so dass auch finanzielle Inklusion schwer möglich ist. Dabei könnte das Internet eine große Rolle für finanzielle Inklusion spielen. Dadurch hätten Frauen die Chance Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden, sich mit anderen Frauen zu vernetzen und ihre Rechte zu stärken. Dass in dieser Hinsicht noch ein weiter Weg vor uns liegt, stellt die Weltbank heraus.

Indien als Vorreiter

Wie schon so oft ist auch Indien einer der Nutznießer der digitalen Revolution. Auch andere südasiatische Länder konnten durch das Internet ihre Infrastruktur erheblich verbessern und so die Lebensverhältnisse ganzer Regionen weiterentwickeln.
Dabei sind fast 60 Prozent der Weltbevölkerung von der digitalen Revolution ausgeschlossen. So viele Menschen nämlich besitzen keinen Zugang zum Internet und damit auch nicht zur digitalen Wirtschaft und deren Möglichkeiten. Immerhin: seit 2005 hat sich die Zahl der Internetnutzer verdreifacht.

Gründe dafür, dass nur ein Teil der Welt von der Digitalisierung profitieren kann, sieht die Weltbank zum einen in den hohen Disparitäten zwischen Arm und Reich. Nur wohlhabendere Bevölkerungsschichten könnten den Nutzen der digitalen Technologien erkennen und gebrauchen. Geringe Bildung in Entwicklungsländern sowie das politische Umfeld spielen ebenso eine Rolle. Gilt ein Land als korrupt und besitzt keine voll funktionsfähige Justiz haben es „Start-ups“ schwer, ihre Unternehmen und ihre Ideen mithilfe des Internets umzusetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln und die Entwicklung voranzutreiben. Außerdem haben Analphabeten - rund ein Fünftel der Weltbevölkerung kann nicht lesen oder schreiben - so gut wie keine Chance von der Digitalisierung zu profitieren.

Analog parallel zu digital

Die Botschaft der Studie: Analoge Entwicklungen sollten die Digitalisierung und digitale Innovationen unterstützen und ergänzen. Anderweitig würden die Auswirkungen dauerhaft unbefriedigend sein.

Insgesamt lässt sich nur ein mäßiges Fazit ziehen. Digitalisierung allein ist nicht der ausschlaggebende Faktor für Wirtschaftswachstum oder für die Weiterentwicklung von Ländern und Gesellschaften. Andere „analoge“ Aspekte spielen eine ebenso große Rolle.

Der Präsident der Weltbank sieht dennoch keinen Grund zur Sorge: „Digital technologies are transforming the worlds of business, work, and government. We must continue to connect everyone and leave no one behind because the cost of lost opportunities is enormous”, so Jim Yong Kim. Bedenken sind allerdings angebracht, wie der Chefökonom der Weltbank, Kaushik Basu, anmerkt: "It is an amazing transformation that today 40 percent of the world's population is connected by the internet. While these achievements are to be celebrated, this is also occasion to be mindful that we do not create a new underclass. With nearly 20 percent of the world's population unable to read and write, the spread of digital technologies alone is unlikely to spell the end of the global knowledge divide."

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