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Geschlechtsspezifische Unterschiede in Ruanda: Banken müssen die finanzielle Exklusion weiblicher Entrepreneure stoppen

Die wirtschaftliche Förderung von Frauen durch Mikrofinanzkredite wird der gesamten Nation zugutekommen und entscheidend dazu beitragen, die positive Entwicklung der finanziellen Inklusion in Ruanda weiter voranzubringen, berichtet folgender Beitrag auf theguardian.com.

Im Jahr 2008 hatten in Ruanda lediglich 21% der Bevölkerung Zugang zu Finanzdienstleistungen. Spareinlagen wurden informell und unsicher gehalten und der physische Zugang zu Bankfilialen stellte für den Großteil der ländlichen Bevölkerung eine Unmöglichkeit dar. Bis heute hat sich der Prozentsatz der Personen mit Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen verdoppelt, sodass Ruanda mittlerweile eines der höchsten Niveaus von finanzieller Inklusion in Ostafrika aufweist.

Der Hauptgrund für diese positive Entwicklung ist, dass die Regierung dem Thema der finanziellen Inklusion durchgreifend begegnet ist. Die finanzielle Inklusion wurde insbesondere durch Präsident Kagame vorangetrieben, der daran glaubt, dass diese am besten gefördert wird, indem das ökonomische Potential der Bevölkerung gestärkt wird. So startete im Jahr 2009 ein ambitioniertes Programm, um die Vergabe von Kleinkrediten an Kreditnehmergruppen zu fördern und in allen 416 Gebieten Ruandas Kreditgenossenschaften, besser bekannt als U-Saccos, zu etablieren. Ziel dieses Programms war es, den Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen, insbesondere Spareinlagen, zu geringen Kosten zur Verfügung zu stellen.

Der Erfolg mit U-Saccos stellt angesichts der Meinung der Autorin des genannten Artikels allerdings nur eine Seite der Fortschritte des Landes in Richtung vollständiger finanzieller Inklusion dar. Finanzielle Inklusion ist global und insbesondere in Ruanda noch immer eine zutiefst geschlechterspezifische Angelegenheit. Beispielsweise haben in Ruanda lediglich 35% der Frauen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Dies liegt zum einen daran, dass die Banken die weibliche Bevölkerung häufig nicht als ihre Zielgruppe ansehen und demnach keine speziell auf sie zugeschnittenen Produkte entwickeln. Zudem haben insbesondere Frauen häufig nicht das Wissen und die Fähigkeiten, Finanzprodukte in Anspruch zu nehmen.
 
Angesichts der Meinung der Autorin muss die Sichtweise der Banken über das weibliche Klientel verändert werden. Frauengeführte Unternehmen werden von den Bankangestellten der kenianischen Geschäftsbank beispielsweise häufig als riskant angesehen, da sie meist informeller Natur sind und es sich überwiegend um Mikrounternehmen handelt. Darüber hinaus haben Frauen in Ruanda ein schwächer ausgeprägtes Finanzwissen und eingeschränktere betriebswirtschaftliche Erfahrungen als Männer, sodass sich viele Banken dagegen sträuben den Frauen die für einen Kreditantrag erforderliche Dokumentation zu gewähren. Dementsprechend ist es entscheidend die Denkweisen solcher Banken zu verändern und sie dazu anzuregen Frauen als rentable Kunden anzusehen.

Das Projekt Skilling for Change der Cherie Blair Stiftung hat zum Ziel, die dauerhafte finanzielle Unabhängigkeit von Frauen in Ruanda zu fördern. Das Projekt bildet Frauen aus ländlichen Gebieten in Themen der Betriebswirtschaft und der Finanzwirtschaft aus und unterstützt sie bei sämtlichen Fragen. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass die Frauen Fähigkeiten und Selbstvertrauen erlangen und die Finanzdienstleistungen, wie die der kenianischen Geschäftsbank, nutzen können. Ausgestattet mit betriebswirtschaftlichen Kompetenzen erkennen die Bankangestellten folglich, dass die Frauen in finanziellen Themen gebildet genug sind, um die Servicedienstleistungen der Bank zu erhalten. So entwickelt die kenianische Geschäftsbank beispielsweise momentan ein Portfolio an mobilen Finanzprodukten, die Frauen den Zugang zu Spareinlagen und Krediten zu wesentlich geringeren Zinssätzen als bei Kreditgenossenschaften und Mikrofinanzinstituten ermöglichen.

Laut der Autorin wird die Unterstützung der Frauen beim Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen sowie beim Aufbau und Wachstum der Unternehmen schlussendlich der gesamten Nation zugutekommen, da Frauen – wie die Forschung zeigt – den Großteil ihres Einkommens in ihre Familien und Gemeinschaften reinvestieren. Die wirtschaftliche Ermächtigung von Frauen wird demnach entscheidend dafür sein, die Erfolge der finanziellen Inklusion in Ruanda weiter voranzutreiben.

 

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