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Fachgespräch in Berlin: Ist die Kritik an der Mikrofinanz berechtigt?

Diskussionsrunde am 5. Juli im GIZ-Haus

In den letzten Jahren ist die vor kurzem noch heilige Kuh der Entwicklungspolitik, Mikrokredite, in die Kritik geraten. Berichte über die Kommerzialisierung der Branche, die Klienten bis in den Selbstmord treibt, und Zweifel an der Effektivität dieser Methode nagen am Image der Mikrofinanz. Diese Entwicklungen nahmen die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Oikocredit, Opportunity International Deutschland, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Bertelsmann Stiftung zum Anlass, namhafte Experten am 5. Juli nach Berlin in das GIZ-Haus zu einer Diskussionsrunde einzuladen. Thema des Abends: Hält Mikrofinanz, was sie verspricht? Den Mitschnitt des Fachgesprächs können Sie sich hier anhören.

Susanne Dorasil vom BMZ in der Diskussion beim Fachgespräch in Berlin

Natürlich seien Mikrokredite kein Allheilmittel gegen die Armut in der Welt, bestätigt Susanne Dorasil vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Allerdings, so Dr. Tilman Ehrbeck, Geschäftsführer des unabhängigen Politik- und Forschungsinstituts CGAP aus Washington D.C., sind noch immer 2,7 Milliarden Menschen ohne Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen. Ohne diesen Zugang sind die Aussichten auf eine Verbesserung der Lebensumstände praktisch gleich null.

Jedoch hilft nicht jedes Finanzprodukt gleich gut. Der soziale Kontext, in dem Mikrokredite vergeben werden, darf nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb tritt Wolfgang Bücker von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für einen verbesserten Schutz der Klienten ein. „Eine der Herausforderungen, vor denen wir stehen, ist die Regulierung der Banken und insbesondere die Aufsicht der Finanzinstitutionen", so Bücker.

Günther Kastner, Gründer und Geschäftsführer der Absolute Portfolio Management GmbH, forderte die Politik dazu auf, die Mikrofinanzbranche durch den Aufbau von Kreditbüros und Verbesserungen der Infrastruktur zu stärken, nur dann könne die Mikrofinanzbranche marktwirtschaftlich funktionieren.

Ben Simmes, Direktor Soziales Wirkungsmanagement beim Entwicklungsfinanzier Oikocredit erinnert: „Die Branche muss jetzt für eine bessere Balance zwischen finanziellem und sozialem Gewinn sorgen." Ausrichtungen von Mikrofinanzinstiutionen sollen überprüft werden, bevor Kredite verliehen werden. Zusätzlich setzt sich Oikocredit dafür ein, dass branchenweite Standards wie die Kundenschutzrichtlinien und die UN-Richtlinien für „Inclusive Finance“ flächendeckender eingeführt werden.

Opportunity-Vorstand Stefan Knüppel mit Dr. Stefan Empter, Bertelsmann, Leiter Wirtschaft und Soziales

Opportunity-Vorstand Stefan Knüppel betonte, der Klient und seine Bedürfnisse müssten stärker in den Mittelpunkt gestellt werden. Deswegen seien weitergehende Angebote wie Schulungen, mobile Banken oder auch Vertriebsgenossenschaften wichtig. „Das ist teuer und aufwendig. Viele Anbieter können sich das nicht leisten", erklärte Stefan Knüppel.

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