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Grünes Licht für die Mikrofinanz: Drohende Überschuldung nun messbar

Mikrokredite sind in letzter Zeit in die Kritik geraten. Kreditnehmer seien immer öfter der Gefahr der Verschuldung ausgesetzt, weil Mikrobanken entweder die Lebenssituation ihrer Klienten nicht ausreichend prüfen oder mehrere Banken gleichzeitig Kredite an ein und diesselbe Person verleihen.

Gründerin des Centers for Microfinance: Annette Kraus (Foto: Uni Zürich)

Laut der Wirtschaftswissenschaftlerin Annette Kraus, der Gründerin des Centers of Microfinance der Universität Zürich, habe die Mikrofinanz der letzten Jahre jedoch zu einem positiv zu bewertenden Umdenken in der Branche geführt: Ziele und Praxis sozialer Vorhaben würden nun regelmäßiger überprüft.

Gemeinsam mit anderen Forschern des Instituts für Banking und Finance führte Krauss im Auftrag des Vermögensverwalters responsAbility eine Studie zur Entwicklung der nationalen Mikrofinanzmärkte  von 13 Ländern durch. Vierzehn Indikatoren sollen nun Aufschluss darüber geben, worauf die Wissenschaft bisher keine Antwort geben konnte: Wie lässt sich die Entwicklung der Mikrofinanzmärkte messen?

Vor allem sei die Marktdurchdringung von Mikrobanken ein ausschlaggebender Faktor, der zur Überschuldung beitrage: Je größer die Konkurrenz unter den Mikrofinanzinstitutionen, desto größer der Kampf um Kundschaft. Die Folge: Multiple borrowing – ein Kreditnehmer nimmt mehrere Kredite an verschiedenen Banken auf, während die Banken nicht hinterfragen, ob dieser bereits Finanzdienstleistungen von Konkurrenten bezieht. In den Fällen, in denen Klient und Abieter keinen engen Kontakt zueinander haben, habe die Überschuldung ebenfalls zugenommen.

Mit Hilfe der Ampelfarben Grün, Orange und Rot, wurden die untersuchten Länder verschiedenen Kategorien zugeteilt: In Bolivien sei z.B. alles im "grünen Bereich", während Ghana mit Orange, bereits Maßnahmen ergreifen müsse, um einer Überschuldungkrise entgegenzuwirken. In Kambodscha, in der die Ampel schon rot sei, werde durch den Aufbau eines nationalen Kreditbüros bereits versucht, die Überschuldungskrise zu bekämpfen.

Allgemein gibt Annette Krauss der Mikrofinanz jedoch grünes Licht: "Es ist ein neues Bewusstsein dafür entstanden, soziale Zielsetzungen und ihre Umsetzung regelmässig zu überprüfen". Somit seien die Mikrofinanzinstitute bereits auf dem richtigen Weg. Mehr Nachhaltigkeit sollen Angebote zum Mikrosparen und Mikroversicherungen bringen. Kredite allein reichten nicht aus, meint Krauss: Um der Armut dauerhaft entgegenwirken zu können, dürften z.B. auch Gesundheit und Bildung der Menschen nicht zu kurz kommen.

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