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Herausforderungen und Umsetzungsmöglichkeiten der finanziellen Inklusion in Afrika

Finanzielle Inklusion hat in der Region Sub-Sahara noch großen Nachholbedarf. Dies zeigt sich bereits in der Tatsache, dass 66 Prozent der dort lebenden Bevölkerung kein Bankkonto besitzen. Umso erstaunlicher ist es, dass diese Region weltweit führend im Bereich der mobilen Geldkonten ist. Bereits zwölf Prozent der Bevölkerung besitzen ein solches Konto. Diese Ausgangslage kann genutzt werden, um Finanzdienstleistungen an weitere Bevölkerungsschichten heranzutragen. Der erfolgreichen Umsetzung steht allerdings eine Vielzahl von Herausforderungen gegenüber wie der Beitrag auf www.theguardian.com berichtet:

  • Finanzielle Inklusion kann nur dann gelingen, wenn Finanzdienst- leistungen besser auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden und innovative Lösungsansätze im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang erörtert der Geschäftsführer der Ethiopian Agricultural Transformation Agency, dass 85% der äthiopischen Bevölkerung mit der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen und Finanzprodukte an diese spezifische Gegebenheit angepasst werden müssen.
     
  • Bedingt durch kulturelle und strukturelle Unterschiede stehen Finanzdienstleiser vor individuellen Herausforderungen. In diesem Kontext erläutert der Geschäftsführer eines Mikrofinanzinstituts in Marokko, dass Bankkunden nur ungern anderen Menschen mitteilen, dass sie Klienten eines Finanzdienstleisters sind. Dies hängt damit zusammen, dass Bankkunden oft als reich stigmatisiert werden und somit häufig aufgefordert werden, Mitmenschen Geld zu leihen. Diese Problematik ist nicht nur in Marokko existent, sondern stellt auch in anderen Ländern eine Hürde dar, der armen Bevölkerung den Mehrwert von Finanzdienstleistungen näherzubringen. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, ist es ratsam, kleine Filialen in ländlichen Gegenden zu eröffnen, die sich dieser Reputation entziehen können.
     
  • Eine weitere Herausforderung sehen die Experten in der Bereitstellung von Finanzdienstleistungen für Frauen. Um Frauen einen besseren Zugang bieten zu können, sollen Finanzdienstleister berücksichtigen, dass Frauen in der Regel von Personen beraten werden möchten, mit denen sie sich identifizieren können. Daher sollten Finanzinstitute ausreichend weibliche Beschäftigte einstellen, die sich insbesondere den Bedürfnissen der weiblichen Klienten annehmen können.
     
  • Das Programm Know Your Customer (KYC) stellt ebenfalls eine Hürde für finanzielle Inklusion dar. Ursprünglich implementiert, um Geldwäsche entgegenzuwirken, ist es in der Praxis eine Barriere für den Zugang zu Finanzleistungen. Das KYC-Programm verpflichtet Finanzinstitute, einen Beweis über Identität und Kontaktadresse der Klienten einzufordern. Für viele potenzielle Kunden ist dies allerdings ein großes Hindernis. Auch sind sich die Experten sicher, dass dieses Programm Geldwäsche nicht verhindert, da zahlreiche weitere Alternativen der Geldwäsche existieren. In diesem Kontext weist ein Experte darauf hin, dass personenbezogene Informationen bei der Registration der Sim-Karten erhoben werden und diese möglicherweise auch für das KYC-Programm verwendet werden können.
     
  • Die Experten empfehlen ebenfalls, dass die Öffnungszeiten der Finanzinstitute an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden sollten. Der Geschäftsführer der nigerianischen Diamond Bank erläutert in diesem Zusammenhang, dass unpassende Öffnungszeiten oft ein Hindernis für Klienten darstellen, da die Öffnungszeiten mit den Arbeitszeiten der Bevölkerung korrelieren.
     
  • Der Geschäftsführer der Nonprofit Organisation Opportunity International aus den Vereinigten Staaten wirft die Problematik auf, dass insbesondere der private Finanzsektor zu sehr auf die Kreditvergabe und zu wenig auf die Vergabe von Sparkonten fokussiert ist. Einen Maßstab von eins zu sieben, wie er bei Opportunity zugrunde liegt, hält er für sinnvoll. Dies bedeutet, dass auf einen Kreditnehmer sieben Kunden eines Sparkontos kommen. Beispielsweise sieht er in Ghana weiterhin eine sehr große Nachfrage nach dieser Art von Konten, obwohl Opportunity hier bereits 450.000 Sparkonten vergeben hat.
     
  • Bei all diesen Überlegungen behalten die Experten dabei stets im Hinterkopf, dass sich Finanzdienstleistungen nicht nur an ein paar tausend Menschen richten sollen, sondern mehrere hundert Millionen Menschen erreichen müssen. Finanzdienstleister sollen daher nicht primär ihre eigenen Ziele fördern, sondern Kooperationen aufgeschlossen gegenüber stehen. Die Experten wissen allerdings auch, dass der Erfolg der finanziellen Inklusion von dem Engagement der Regierungen abhängt. Beispielsweise müssen Prozesse digitalisiert werden und Unternehmen Plattformen geboten werden, um finanzielle Inklusion voranzubringen. 

Copyright des Bildes: Opportunity International

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