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Sorge um richtige Geldanlage – Privatanleger diskutierten in Bad Boll

ASKI-Geschäftsführer Rolando Victoria (Mitte), Manuela Waitzmann (Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg e.V.) und Dr. Dieter Heidtmann (Studienleiter der Ev. Akademie Bad Boll)

Mikrokredite galten lange Zeit als das entwicklungspolitische Mittel der Wahl. Für gute Erfolgsaussichten ist der soziale Anteil besonders wichtig. Rolando B. Victoria reiste um die halbe Welt, um am vergangenen Wochenende bei einer Mikrofinanz-Tagung in Bad Boll über die Arbeit mit Mikrokrediten in den Philippinen zu berichten.

„Für arme Menschen bedeutet ein kleiner Kredit sehr viel“, so Rolando B. Victoria, Geschäftsführer der philippinischen Mikrofinanz-institution Alalay sa Kaunlaran, Inc. (ASKI), die Oikocredit seit sechs Jahren mit Kapital versorgt. Auch einige andere Mitglieder der Mikrofinanzplattform Deutschland waren und sind Partner von ASKI, wie die Schmitz-Stiftungen oder Opportunity International Deutschland. Am vergangenen Wochenende hat Oikocredit den ASKI-Geschäftsführer zur Tagung „Wie wirksam sind Mikrokredite?“ in der Evangelischen Akademie in Bad Boll eingeladen. Die Frage, ob eine Geldanlage in Mikrokredite nach wie vor sinnvoll ist, was sie bewirkt und ob und wie sich das Konzept „Mikrofinanz“ weiterentwickelt hat, bewegte eine bunte Zuhörerschaft aus Studenten, entwicklungspolitisch Aktiven und Oikocredit-Anlegern.

Zurück zu mehr Realismus

Fast 40 Jahre Mikrofinanz hätten nicht nur positive Entwicklungen gebracht, so Prof. Dr. Adalbert Winkler vom MikrofinanzWiki-Förderer Frankfurt School of Finance and Management. In den letzten Jahren wären vor allem zunehmende Kommerzialisierung der Anbieter und gestiegene Überschuldungsraten bei den KreditnehmerInnen zu beobachten. Dennoch stellte Prof. Dr. Winkler am Ende seines Vortrages den Mikrokrediten ein gutes Zeugnis aus: „Schlecht war es, zu viel zu versprechen, nicht die Sache selbst“. Große Herausforderungen seien durch den teils hohen Wettbewerb entstanden.

Nur einige sind schuldig, aber alle verantwortlich

Deshalb sei vor allem Transparenz in der Branche das Gebot der Stunde, erläuterte Chuck Waterfield, Gründer von Microfinance Transparency. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten etwa 60 Teilnehmende seinen eloquenten Ausführungen zum umstrittenen Thema „Kostenstrukturen“ und „Zinsgestaltung“. Sehr anschaulich zeigte er, mit welch hohen Kosten Mikrofinanz verbunden ist, vor allem, wenn es sich um Kredite mit sehr kleinen Summen handelt.

Wirkung in der Praxis?

In interaktiven Workshops erläuterten Experten Wirkungsanalysen aus Tansania, Sierra Leone und Lateinamerika und machten deutlich, wie schwer es ist, belastbare Ergebnisse zu erheben. Daher ist die Einschätzung aus der Praxis umso wichtiger. Der 58-Jährige Rolando B. Victoria wählte seine Worte mit Bedacht. Die Nichtregierungsorganisation und Mikrofinanzinstitution ASKI habe er vor über 25 Jahren gegründet und ständig weiterentwickelt. Besonders wichtig sei ihm ein ganzheitlicher Ansatz bei der Betreuung der rund 120.000 ASKI-Kundinnen und Kunden. „Wir müssen zuhören, was die Menschen brauchen und unsere Angebote daran anpassen.“, erläuterte Victoria. So finanziert ASKI nicht nur Kreditprogramme für Süßkartoffelanbau und Schweinezucht, sondern hilft bei Bedarf auch philippinischen Gemeinden Hängebrücken zu bauen und stellt mobile Wasserpumpen zur Verfügung.

Soziale Mikrofinanz kostet Geld

Das hat natürlich auch seinen Preis. Bei ASKI werden die Kosten durch Darlehenszinsen und Zuschüsse über vielfältige Partnerschaften finanziert. Für die beeindruckende Bandbreite wurde ASKI letzten November mit dem Europäischen Mikrofinanzpreis ausgezeichnet, speziell auch für ihren besonderen Beitrag zur Ernährungssicherung in den Philippinen. Ob die arme Bevölkerung davon auch tatsächlich profitiert, untersucht die Organisation seit einigen Jahren über ein spezielles Programm zur sozialen Wirksamkeit. Fortschritte ließen sich feststellen. Doch gab der Oikocredit-Geschäftsführer David Woods zu bedenken, dass der Weg lang sei und es oft eine Generation brauche, sich aus der Armut zu befreien. Nichtsdestotrotz waren sich die Experten und Praktiker einig, dass auch eine stabilisierte Lebenssituation mit abgefederten Risiken ein Erfolg von Mikrofinanz sei und eine gute Ausgangsbasis darstelle für langfristige, positive Veränderungen.
 

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