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Warum stellen Mikroversicherungen für Klienten ein wirksames Sicherheitsnetz dar?

Richard Leftley, Hauptgeschäftsführer und Präsident von MicroEnsure, die für Mikroversicherungen zuständige Tochterorganisation von Opportunity International, erläuterte während einer Telefonkonferenz mit Mitarbeitern von Opportunity International, welche Fortschritte sich bei MicroEnsure in den letzten Jahren eingestellt haben. Im Zuge dieser Konferenz stellte sich Leftley zudem Anruferfragen und berichtete über die zukünftige Ausrichtung der Organisation.

Richard Leftley

Leftley hob besonders die Rolle von Versicherungen als wichtiges Instrument für die Kunden von Opportunity International hervor, um sich gegen Verarmungsprozesse aufgrund von Schadensfällen, Todesfällen in der Familie oder Naturkatastrophen zu schützen. Ein Bedürfnis, das Leftley bereits in den Anfangsjahren von MicroEnsure in Gesprächen mit den Bewohnern vor Ort erkannte.

Leftley: "Als mich eine Frau fragte, wo wir denn wären, wenn ihr Kind erkranken oder ihr Eigentum durch einen Brand beschädigt werden würde, wusste ich, was wir zu tun haben. Im Jahr 2002 wurde zunächst viel Zeit mit den Kunden verbracht, um eine Einschätzung ihrer Bedürfnisse zu erreichen. Anfangs begannen wir mit HIV-relevanten Gesundheitsprodukten und weiteten dann unser Angebot auf Bestattungs- und Sachversicherungen aus. Schließlich führten wir eine Ernteversicherung ein. Zudem fanden wir heraus, dass die Bevölkerung auf Rückerstattungszahlungen innerhalb weniger Tage und Wochen angewiesen war, die lokalen Versicherungsunternehmen allerdings Monate und Jahre dafür brauchten. Einige boten darüber hinaus keine Krankenversicherung an. Deshalb wurde auch der Bereich Kundenaquise ausgeweitet, während zugleich die Zusammenarbeit mit den lokalen Versicherern fortgesetzt wurde. Heutzutage hat sich herausgestellt, dass Mobilfunkunternehmen die entscheidende Schlüsselrolle einnehmen. Wir kooperieren mit Firmen aus Asien und Afrika, wo täglich 5000 neue Handykunden hinzukommen. Wir bieten mittels dieser Firmen ein Produkt an, wodurch Menschen einen Teil der Versicherungsleistungen durch das einfache Benutzen ihrer Handys kostenlos erhalten. MicroEnsure hat mittlerweile 3.2 Mio. Versicherte und allein im Juli 2011 wurden 500.000 Neukunden registriert. Unsere Hoffnung ist es, bis zum Ende des Jahres die Marke von 4 Mio. Kunden zu übertreffen. Eine Herausforderung wird künftig sein, weiter innovative Produkte zu entwickeln."

Mobile Banking bei MicroEnsure

Auf eine Anruferfrage zur Mobiltelefonbasierten Versicherung, ob sie abhängig ist von der Gesprächszeit und dem Ausmaß der Nutzung durch den Kunden, antwortete Leftley: "Ja, wobei besonders das Vertrauen eine essentielle Rolle spielt. Wir haben festgestellt, dass Menschen in Armut weit mehr Mobilfunkunternehmen als Versicherern vertrauen. Untersuchungen der Mobilfunkanbieter, mit dem Ziel eine höhere Kundenbindung zu erreichen, ergaben, dass die Befragten insbesondere Versicherungen nachfragen.

Leftley: "Wir fragen ihn dann, ob er für einen kleinen Aufpreis seine gesamte Familie in die Versicherung aufnehmen möchte. Später fragen wir, ob er für monatlich einen US-Dollar eine Krankenversicherung abschliessen möchte. Wir haben realisiert, dass ein direktes Werben für Krankenversicherungen die Menschen verschreckt. Erst muss genügend Vertrauen bestehen. Ist dies aufgebaut und die Menschen merken, wie wertvoll eine Versicherung ist, werden sie sie kaufen."

Die Opportunity International-Mitarbeiterin Jennifer Mitrenga, kürzlich von einem Insight-Trip aus Tanzania zurückgekehrt, fragte Leftley nach weiteren Details über das dortige Krankenversicherungsprogramm von MicroEnsure. Leftley: "Das Produkt ging von unseren Klienten aus. Trotz der Beliebtheit der Lebensversicherung sagte einmal eine Frau zu mir: Wir sterben alle nur einmal, gehen aber jedes Jahr zwei- bis dreimal zum Arzt. Können Sie uns bei diesen Kosten helfen? In Indien bieten wir Krankenversicherungen für eine vierköpfige Familie für jährlich 10 US-Dollar an. Die Police deckt stationäre Behandlungen ab, funktioniert bargeldlos und jeder Versicherte besitzt eine ID-Karte. Um alle finanziellen Kosten und Prozeduren der Kunden kümmern wir uns. Die Wahl, um das Produkt zu testen, fiel deshalb auf Indien, da dort die operativen Bedingungen günstiger sind. Danach beschlossen wir in Afrika Krankenversicherungsprodukte einzuführen und begannen in Tanzania mit der Kilimanjaro Native Cooperative Union (KNCU) zusammenzuarbeiten. Dieser genossenschaftliche Verbund von Kaffeepflanzern mit mehreren hundert Mitgliedern erhielt ein Krankenversicherungsprodukt, welches alle Arztbesuche beinhaltete."

Leftley weiter: "Mit einem Netzwerk von Krankenhäusern haben wir Verträge abgeschlossen, bei denen die Krankenversicherung Gültigkeit besitzt. Bezüglich unserer Kunden besuchen wir sie zuhause und fertigen ihre ID-Karte samt Fingerabdrücken an. Eigentlich haben wir ein App für unser Mobilfunksystem heruntergeladen, welches mit einer Open Source Software arbeitet, und wir haben die Ausgaben dafür auf sieben US-Dollar begrenzen können. Momentan ist unser Ziel bis Ende des Jahres 2012 10.000 Familien in Tanzania zu erreichen. Zudem sind wir dabei ein neues Instrument aufzubauen, das MicroEnsure Labs, wodurch innovative Ideen und Konzepte entwickelt werden sollen."
Befragt über die Situation von MicroEnsure in fünf Jahren berichtete Leftley, dass das Kerngeschäft, Mobilfunk/Mikrofinanz, ausgegliedert werden soll.

Kundin mit Mobile-Banking Handy

Leftley: "Wir haben feststellen müssen, dass strategische Partnerschaften nötig sind, um den Mobilfunk-Bereich in unserem Geschäft zu stärken und auszuweiten. Momentan ist der einzige Eigentümer Opportunity. Wir erwarten auf bis zu 100 Millionen Klienten anzuwachsen. Weiter sieht Leftley Handlungsbedarf im Bereich Forschung und Entwicklung, um weitere wirkungsvolle Produkte den Kunden anbieten und die Vertriebswege verbessern zu können. Hierbei stehen vor allem der Mobilfunk-Bereich und das Internet im Vordergrund. Ähnlich dem Mobilfunk in den letzten Jahren wird auch das Internet in Afrika in den nächsten drei Jahren rasant expandieren. Aufgrund unserer Erfahrung wird der Aufbau eines Internet basierten Geschäftsmodells nur 12 Monate dauern. Dabei werden wir auf Hilfe angewiesen sein."

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