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Nachbericht Tagung „Genossenschaften als Motoren von Entwicklung“

Können Genossenschaften einen besonderen Beitrag zur Entwicklungsarbeit leisten? Fördern Finanzgenossenschaften wirklich Entwicklung? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt der Auftakttagung „Genossenschaften als Motoren von Entwicklung“ zum UN-Jahr der Genossenschaften 2012, die Anfang Februar stattfand. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Evangelischen Akademie Bad Boll in Zusammenarbeit mit TransFair, der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und Oikocredit Deutschland.

„Hilfe zur Selbsthilfe ist ein Wert für sich“, sagte Dr. Ingrid Schmale vom Seminar für Genossenschaftswesen der Universität zu Köln. In ihrem Vortrag skizzierte sie, wie Genossenschaften wirtschaftlich, kulturell, sozial- und staatspolitisch wirken können. So erhöhen sie z.B. die volkswirtschaftliche Sparquote, sie erhalten selbständige Existenzen und fördern durch ihr Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“ demokratische Willensbildung. Das sorgt für Langlebigkeit. Während Aktiengesellschaften in der Regel nur 70 Jahre überdauern, bestehen kooperative Strukturen im Durchschnitt weit über 100 Jahre. Und sie schaffen Arbeitsplätze. In weltweit über 100 Ländern sind rund 100 Mio. Menschen in Genossenschaften beschäftigt. In Deutschland ist jeder Vierte Mitglied einer Genossenschaft. Gerade auch das Prinzip der freiheitlichen Selbstbestimmung führe zu Vielfalt und steigere das Sozialkapital einer Gesellschaft.

Ging Ledesma (Oikocredit International), Dr. Paul-Gerhard Armbruster (DGRV) und Dr. Florian Grohs (Oikocredit Dtl.) über ihre Erfahrungen mit Genossenschaften in der Entwicklungszusammenarbeit

Doch Genossenschaften sind keine Selbstläufer. Ging Ledesma, stellvertretende Leiterin für Soziales Wirkungsmanagement bei der internationalen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, kennt die Schwierigkeiten der Partnergenossenschaften in Entwicklungsländern: schlechtes Management, fehlende Loyalität der Mitglieder oder unzureichende Kontrollmechanismen. Nicht alle verfolgen wirklich einen sozialen Auftrag und haben Armutsbekämpfung zum Ziel. Will eine Genossenschaft ein Oikocredit-Darlehen nutzen, muss sie neben ihren sozialen Zielen ein überzeugendes Geschäftsmodell haben und nachweisen, dass sie solide gemanagt wird. Derzeit finanziert Oikocredit rund 300 Genossenschaften weltweit.

Carlos Vargas (Kaffeegenossenschaft CoopeTarrazu) und Cornelius Kok (Eksteenskuil Agricultural Co-operative) über die Herausforderungen in Costa Rica bzw. Südafrika

Ein positives Beispiel für genossenschaftliche Arbeit stellte Carlos Vargas, Finanzvorstand bei CoopeTarrazú, vor. CoopeTarrazú ist eine der erfolgreichsten costaricanischen Kaffeegenossenschaften sowie Partner von Oikocredit. Die Genossenschaft hat knapp 3.000 Mitglieder und ist der größte regionale Arbeitgeber. Neben der Vorfinanzierung und dem Vertrieb der Kaffeeernte betreibt CoopeTarrazú einen Baumarkt, zwei Tankstellen und zwei Supermärkte mit Sonderkonditionen für die Mitglieder. In Schulungen lernen diese, wie sie umweltfreundlich – wasser- und ressourcenschonend – arbeiten und die Qualität ihres Kaffees steigern können.

Wie Genossenschaften auch in Deutschland den gesellschaftlichen Wandel positiv beeinflussen können, wurde in einer der Arbeitsgruppen diskutiert. Außerdem prägten intensive Gespräche die Tagung, die sich um genossenschaftliche Perspektiven aus Finanzwirtschaft, Entwicklungspolitik und dem Fairen Handel drehten.

Am letzten der drei Veranstaltungstage wurde es mit der Frage „Was können wir tun?“ schließlich sehr konkret: die Teilnehmenden erarbeiteten Handlungsoptionen für jedermann, angefangen bei der Stärkung von Investitionen in Genossenschaften wie dwp oder Oikocredit bis zu einer radikalen Erhöhung des Marktanteils bei Fair Trade Produkten in Deutschland von derzeit 2% auf 20%.

Am Ende der Tagung bestand Konsens: Wo Genossenschaften idealistische Werte wie Gemeinwohl und weltweite Gerechtigkeit mit betriebswirtschaftlichen und sozialen Kompetenzen verbinden, bietet die kooperative Unternehmensform eine großartige Chance, zukunftsfähige Antworten auf die Herausforderungen einer globalisierten Ökonomie zu geben.

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