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Rückbesinnung auf Ursprungsidee der Armutsbekämpfung ist nötig

Geschäftsführer der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation: Niclaus Bergmann

Der Geschäftsführer der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation, Niclaus Bergmann, welche auch Förderer des MikrofinanzWiki ist, bezeichnete die anhaltenden Probleme des Mikrofinanzsektors als „Identitätskrise“, bewertete das Konzept jedoch als nicht gescheitert. Seiner Meinung nach werden die im Sektor tätigen Organisationen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Bergmann betonte, dass dazu eine Rückbesinnung auf die Ursprungsidee der Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern nötig sei. So wie das Thema durch den Nobelpreisträger Yunus „hochgepusht“ worden sei, so werde es jetzt teilweise „runtergeschrieben“.

Er wies darauf hin, dass es unmöglich sei, sich ein einheitliches Urteil über Mikrofinanz zu bilden. Bergmann beschrieb, dass viele der Probleme des Sektors auf die Überbewertung der Mikrofinanz zurückzuführen seien. In den betroffenen Entwicklungsländern haben sich so hohe Erwartungen an die Wirkung der Mikrofinanz entwickelt, dass diese nicht haben erfüllt werden können. Auch das extrem schnelle Wachstum der Branche habe zum Entstehen neuer Risiken sowie zu organisatorischen Problemen geführt. Schließlich stelle die Ausdehnung der Mikrofinanz in manchen Regionen für die Staaten mittlerweile ein systemisches Risiko dar, das eine Reglementierung dieses Sektors unabdingbar mache.

Durch die Abberufung von Muhammad Yunus als Chef der Grameen-Bank und die Selbstmorde einiger Kreditnehmerinnen im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh wurde dem Ruf der Mikrofinanz beträchtlich geschadet. Die „Identitätskrise“ berge Konsequenzen für die Zukunft der Branche, die ohnehin im Umbruch sei so Bergmann. Heute werden neben Mikrokrediten vermehrt auch andere Finanzdienstleistungen für die ärmere Bevölkerung in den Entwicklungsländern angeboten, die genauso wichtig seien. Auch ist eine zunehmende Professionalisierung der Branche zu verzeichnen. Auch die Mikrofinanzinstitute mit sozialem Hintergrund müssten mittlerweile profitabel sein, um nicht nur von Spenden abhängig zu sein. Allerdings könne dies zu Interessenkonflikten. Er unterstreicht, dass eine Parallele von finanzieller und sozialer Rendite ebenso wichtig sei, wie eine Parallele von renditeorientierten Invenstoren und sozialen Spendern.

Bergmann ist dennoch überzeugt: Die Mikrofinanz wird diese und andere Krisen meistern, denn sie ist eine „der wichtigsten Instrumente in der Entwicklungszusammenarbeit.“
 

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