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Soziale Wirksamkeit von Mikrofinanz in Nicaragua

Silvia Baur (3. von rechts) im Gespräch mit AnlegerInnen

„Wer bei der Kreditvergabe auf soziale Aspekte achtet, der profitiert langfristig auch finanziell“, sagt Silvia Baur, die auf der Mitgliederversammlung des Oikocredit-Förderkreises Baden-Württemberg von ihren Erfahrungen bei einem Praktikum im Oikocredit-Büro Nicaragua berichtete. Vor kurzem hat sie ihr Studium der internationalen Betriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn abgeschlossen. Ihre Abschlussarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sozialer und finanzieller Leistung von Mikrofinanzinstitutionen. Der  MikrofinanzWiki-Förderer Oikocredit sprach mit ihr über ihre Arbeit für Oikocredit in Nicaragua und die Ergebnisse ihrer Abschlussarbeit.

Oikocredit (OC): Frau Baur, Sie waren sieben Monate in Nicaragua und haben dort die soziale Wirksamkeit von Oikocredit-Projekten gemessen.Wie sind Sie vorgegangen?

Silvia Baur (SB): Ich habe Mikrofinanzinstitutionen (MFI) und Kooperativen besucht. In Gesprächen mit Management, Mitarbeitern und Kunden informierte ich mich über das Projekt und über ihre Vorgehensweise bei der Kreditvergabe. Zur Erfassung der sozialen Wirksamkeit von MFI setzt Oikocredit einen standardisierten Fragebogen ein. Schon vorab haben unsere Gesprächspartner den Fragebogen mit 70 Fragen bekommen. Dennoch ging ich bei den ein- bis zweitägigen Besuchen alle Fragen nochmals durch. Es wird zum Beispiel gefragt, wie klein die Kredite sind, die die MFI anbietet. Oder wie hoch der effektive Zinssatz ist und wonach er bestimmt wird. Wichtig sind auch die Fragen nach der Transparenz gegenüber Kunden.

OC: Ging das immer reibungslos?

SB: Nein, natürlich nicht. Allein die Fahrt zu den Projekten war teilweise recht abenteuerlich. Einmal fuhren wir 2,5 Stunden auf geteerter Straße, dann ging es weitere fünf Stunden über Stock und Stein, durch Bäche und um umgestürzte Bäume. Zudem musste ich die Auskünfte sorgfältig abwägen. Viele Manager dachten, sie müssten möglichst positiv abschneiden, da Oikocredit ein wichtiger Geldgeber ist. Dabei soll der Fragebogen vor allem Verbesserungen anstoßen.

OC: Die Daten, die Sie erhoben haben, waren auch Grundlage für Ihre Bachelor-Arbeit, die Sie für CERISE (ein von fünf französischen Nichtregierungsorganisationen gegründetes Komitee zum Austausch von Expertise und Informationen im Mikrofinanzsektor) in Paris geschrieben haben. Was ist das Ergebnis?

SB: Bei meinen 344 Datensätzen zeigte sich, dass sich soziales Engagement von MFI sowohl positiv als auch negativ auf das Finanzergebnis auswirken kann. Die Studie bestätigt, dass die individuelle Auswahl armer und benachteiligter Kunden sehr kostenintensiv und damit weniger rentabel ist. Auch Management-, Finanz- oder Gesundheitskurse und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Kunden stellen zusätzliche Kosten dar. Andererseits sind auch klare Synergien zu erkennen. Auf die speziellen Bedürfnisse der KreditnehmerInnen angepasste Dienstleistungen und ein verantwortungsbewusstes Personalmanagement bei der MFI selbst führen zu einer höheren Rückzahlungsquote und Kosteneffizienz.

OC: Das heißt, es kann sich aus finanziellen Gründen lohnen, in soziale Wirksamkeit zu investieren?

SB: Ja, der Schlüssel zu einem sowohl sozialen als auch finanziellen Erfolg liegt in einem geschickten Management, das es versteht, weniger rentable Aktivitäten mit finanziell lohnenden Aktivitäten zu verknüpfen.

OC: Oikocredit setzte von Anfang an nicht nur auf das Finanzielle, sondern vor allem auch auf das Soziale. Bei jeder Kreditvergabe wird geprüft, ob Menschen dank Krediten den Schritt aus der Armut machen können, Frauen werden gezielt gestärkt und die besonders Benachteiligten in ländlichen Gebieten gefördert. Somit ist doch die soziale Wirksamkeit von Krediten für Oikocredit nichts Neues.

SB: Das stimmt. Aber die soziale Wirksamkeit wird jetzt standardisiert. Mit entsprechenden Instrumenten, wie eben dem Fragebogen und der entsprechenden Auswertung lässt sich die soziale Wirksamkeit zudem messen. Sie wird damit objektiver und auch transparenter. Aus dem Grundgedanken der sozialen Wirksamkeit ist ein Grundsatz geworden.

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