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Studie: Mikrofinanz kommt der ganzen Familie zugute

Dean Karlan und Jonathan Zinman untersuchen in ihrer Studie "Expanding Microenterprise Credit Access" die Wirkungen des Zugangs zu Mikrokrediten und kommen zu überraschenden Ergebnissen. In ihrer Studie setzen sie sich mit den folgenden sechs Arbeitshypothesen auseinander.

  1. Indem Mikrokredite an Menschen vergeben werden, die keinen Zugang zu konventionellen Krediten haben, wirken Mikrokredite einem 'Marktversagen' entgegen.

  2. Mikrokredite werden als Möglichkeit angesehen, dass Kreditnehmer ihre Geschäfte ausbauen und erweitern können.

  3. Fernerhin wird Kleinkrediten die Fähigkeit zugesprochen, die Lebensumstände und das Wohlbefinden der Kreditnehmer zu verbessern.

  4. Dies gilt im besonderen Maße auch für die weiblichen Klienten.

  5. Mikrokredite gelten als Ersatz für Versicherungen (Lebensversicherung, Krankenversicherung, etc.) und vorsorgliches Sparen.

  6. Die letzte untersuchte Hypothese besagt, dass Kleinkredite die informelle Risikoverteilung stärkt, d.h. Kreditnehmer erhalten leichter Zugang auch zu konventionellen Krediten.

Um diese Hypothesen zu testen, kooperierten die Autoren mit der First Macro Bank (FMB) in Manila.

Eine von Opportunity mit Mikrokrediten geförderte Trustbankgruppe

Die Ergebnisse zeigen, dass Mikrokredite einem 'Marktversagen' partiell entgegen wirken. Zudem genießen die Kreditnehmer einen besseren Zugang zu konventionellen Krediten. Dennoch stellen die Autoren fest, dass die Kredite nicht unbedingt der Geschäftserweiterung dienen.

Darüber hinaus sank die Zahl der Angestellten erstaunlicherweise geringfügig und die Geschäftstüchtigkeit nahm scheinbar ab. Zudem fanden die Forscher keinen Beleg für eine Verbesserung des Wohlbefindens der Kreditnehmer - nicht einmal bei den weiblichen Kreditnehmern. Stattdessen kompensieren die Kleinkredite fehlende Versicherungen und vorsorgliches Sparen.

Bringen Mikrokredite wirklich so wenig? In einem Kommentar meint Jonathan Morduch, dass all diese Ergebnisse der Bedeutung der Mikrofinanz überhaupt keinen Abbruch tun. Sie zeigten allein, dass die grundlegende Annahme, dass die Kredite zwangsläufig in den Ausbau des Geschäfts fließen, falsch ist. Stattdessen würden die Kredite vor allem dafür genutzt, Lebensmittel zu kaufen, Schulgebühren zu begleichen, andere Kredite abzubezahlen oder gesundheitliche Probleme abzufedern.

Deshalb sei es geboten, die revolutionäre Idee Muhammad Yunus' über den Pionier hinaus zu denken. All diese Ergebnisse besagten ja, dass die Kredite nicht nur dem eigentlichen Kreditnehmer und seinem Geschäft zugute kommen, sondern auch den Familien der Klienten. Für Morduch ist dies die eigentlich spektakuläre Idee der Mikrofinanz: Arme Menschen lernen, ihr Geld effektiv einzusetzen.

OID Vorstand Stephan Knüppel während eines Projektbesuches in Asien

„Die Studie zeigt, dass der Ansatz der sozialen Mikrofinanz richtig ist" , kommentierte Stefan Knüppel, CEO der gemeinnützigen Stiftung und MikrofinanzWiki-Förderer Opportunity International Deutschland, die Studie. Mikrofinanz geht heute weit über Mikrokredite hinaus. Sparmöglichkeiten, Mikroversicherungen, die Sicherung von Erfolgen und besonders begleitende Schulungen, die die Kompetenzen und Fähigkeiten der Klienten stärken, sind für den Weg aus der Armut nötig.

"Financial Inclusion ist das Schlagwort! Wir müssen die 2,7 Mrd. Menschen erreichen, die keinen Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen haben", so Stefan Knüppel weiter. „Denn effektives Geldmanagement ist besonders dann wichtig, wenn man nur wenig zur Verfügung hat."

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