Mikrofinanz und MDG-Ziel 3

Mikrofinanz und MDG-Ziel 3

Beitragvon Katharina » Di 9. Aug 2011, 11:16

Frauen weisen besonders hohe Rückzahlungsraten auf und bilden damit die primäre Zielgruppe in den Projekten zur Armutsbekämpfung. Die Kreditnehmerinnen sollen durch erweiterten Zugang zu produktiven Ressourcen ein eigenes Einkommen erwirtschaften und dadurch die Lebensbedingungen der gesamten Familie verbessern. Man nimmt an, dass die Beteiligung von Frauen an wirtschaftlichen Tätigkeiten mit einer Aufwertung der Stellung der Frauen in Familie und Gesellschaft einhergeht. Im Rahmen der neuen Aufgaben sollen die Frauen an Unabhängigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Mitsprache gewinnen und ihre gesellschaftliche Position verbessern können.

Ein positiver Ansatz! Mittlerweile haben viele Studien jedoch gezeigt, dass der Zugang zu finanziellen Mitteln sowie eine eigene Beschäftigung bzw. wirtschaftliche Existenz nicht notwendigerweise zu größerer Selbstbestimmung der Frauen führen. Den Frauen bleibt häufig die eigentliche Kontrolle der Ressourcen trotz erweiterten Zugangs verwehrt!!!!

Ein großes Problem vieler Programme besteht darin, dass die Strategien auf die formalen Entscheidungsstrukturen und den Ressourcenzugang reduziert sind. Zwar kann eigenes wirtschaftliches Einkommen Entscheidungskompetenz, Autonomie und Selbstbewusstsein fördern, jedoch bei mangelnder Berücksichtigung der den lokalen Verhaltensweisen zugrundeliegenden normativen Vorstellungen eine psychische und physische Mehrfachbelastung für die Frau sowie weitere Probleme im sozialen Umfeld bedeuten!
Es gibt zum Beispiel traditionelle Rollenverteilungen, die nicht so einfach verändert werden können. Projekte, die eine Veränderung voraussetzen, müssen also mit weiteren Initiativen gekoppelt werden, z.B. mit Aufklärungskampagnen, Gesprächsgruppen etc. Die Frau existiert nicht ohne Mann, also muss dieser von der Sinnhaftigkeit des Projekts überzeugt bzw. miteinbezogen werden. Er muss möglicherweise mehr Verantwortung im Haushalt übernehmen, auf die Kinder aufpassen und soll dabei auf die Rolle als alleiniger Ernährer verzichten…-das wird nicht automatisch akzeptiert. (Und das ist ja bekanntlich kein genuin „fremdes“ Problem).

Programme können nicht gelingen und können sogar negative Auswirkungen haben, wenn die Handlungsmotive der Akteure nicht hinterfragt und in der Projektkonzeption lokale Normen und gesellschaftliche Strukturen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Es ist dringend notwendig die Kontextgebundenheit von Entwicklungsprojekten zu berücksichtigen, und dabei die Partizipation der Akteure zu fördern.

Das klingt selbstverständlich, bleibt aber ein zentrales Problem sehr vieler Entwicklungsprojekte…
Katharina
 
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Re: Mikrofinanz und MDG-Ziel 3

Beitragvon Kranki » So 13. Nov 2016, 20:44

Hört sich sehr interessant an
Kranki
 
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Re: Mikrofinanz und MDG-Ziel 3

Beitragvon Minisparschwein » Do 2. Mär 2017, 12:25

Ich wollte grade sagen, nur weil den Frauen der Kredit bewilligt wird, gibt es ja immer noch patriarchale Strukturen, die dafür sorgen, dass sie die letzten sind, die vom ökonomischen Gewinn profitieren.
ohne Luve, ohne mich !
Minisparschwein
 
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