Mikrofinanzprojekt des Monats: Die Kooperative Daquilema in Ecuador

Mikrofinanzprojekt des Monats: Die Kooperative Daquilema in Ecuador

Organisation
Cooperativa de Ahorro y Crédito Fernando Daquilema Ltda
Projektname
Daquilema
Projektland
Ecuador
Projektbeschreibung
Die Cooperativa de Ahorro y Crédito “Fernando Daquilema” Ltda (Daquilema) ist eine soziale Spar- und Kreditgenossenschaft, die 1985 im ecuadorianischen Hochland in der Provinz Chimborazo gegründet wurde. Sie bietet Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen verschiedene Finanzprodukte an, die den Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern ermöglichen, ihren Lebensstandard zu verbessern. Dazu gehören Mikrokredite als Betriebskapital oder für Sachanlagen, Hypothekenkredite für Sozialwohnungen oder den Kauf von Grundstücken sowie Versicherungen.
Partner & Geber
Oikocredit
Laufzeit
k.A.

Bis heute sind in Ecuador Menschen indigenen Ursprungs strukturell besonders stark von ökonomischer Armut und Ausgrenzung betroffen. Oftmals haben sie keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen wie Krediten oder Sparkonten, aufgrund mangelnder Sicherheiten oder rassistischer Vorurteile. Die indigene Spar- und Kreditgenossenschaft Daquilema in der Provinz Chimborazo bietet ihrer Kundschaft faire Finanzprodukte an – mit Erfolg. Sie verbindet dabei traditionelle Werte mit innovativen Dienstleistungen.

36 Prozent der Bevölkerung Ecuadors sind indigenen Ursprungs. Viele von ihnen leben in ländlichen und abgeschiedenen Gegenden. In der Andenprovinz Chimborazo machen Indigene sogar 65 Prozent der lokalen Bevölkerung aus. Die Mehrheit dieser heterogenen Bevölkerungsgruppe lebt in ökonomischer Armut mit mangelndem Zugang zu sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung, Elektrizität und sicheren Arbeitsplätzen. Auch der Zugang zu Finanzdienstleistungen bleibt indigenen Menschen häufig verwehrt, wenn sie keine materiellen Sicherheiten vorweisen können oder wenn sie mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert sind.

Der Hutmachermeister Segundo Vilema ist seit zehn Jahren Mitglied in der Cooperativa Daquilema. Die Basis für diese stabile Geschäftsbeziehung ist gegenseitiges Vertrauen und Zuverlässigkeit.

Während der Wirtschaftskrise in Ecuador zwischen den späten 1980er bis Mitte der 2000er Jahre gingen die meisten privaten Banken Bankrott. Wer einen Kredit brauchte, musste sich privat Geld leihen oder geriet an Geldverleiher, die horrende Zinsen verlangten. Zu dieser Zeit gründeten einige indigene Familien gemeinsam Spar- und Kreditgenossenschaften, indem sie untereinander Darlehen vergaben – zunächst im kleinen Kreis, der sich nach und nach ausweitete. So entstand auch die „Cooperativa de Ahorro y Crédito Daquilema“, kurz „Daquilema“. Benannt wurde die Organisation nach Fernando Daquilema, einem indigenen Volkshelden, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegen die spanische Kolonialmacht für Freiheit und Unabhängigkeit kämpfte und zu einer Symbolfigur des Widerstandes der indigenen Bevölkerung in der Region wurde.

Der Landwirt José Buñay ist sichtlich stolz auf das, was er erreicht hat: Er pachtete mit seinem ersten Daquilema-Kredit (2.000 US-Dollar) ein kleines Stück Ackerland und konnte seine Einnahmen in den vergangenen Jahren vervielfachen. Heute betreibt er auch eine ertragreiche Erdbeerplantage.

Heute zählt Daquilema über 60.000 Mitglieder, von denen viele zur einkommensschwachen Bevölkerung in ländlichen Gebieten gehören. Die Kooperative bietet ihnen unter anderem Mikrokredite für einkommensschaffende Tätigkeiten an, aber auch für den Erwerb von Häusern sowie für Güter und Dienste wie Bildung und Gesundheitsvorsorge. Die Kooperative erhielt von der internationalen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit bereits mehrere Darlehen zur Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit und zur Eröffnung weiterer Filialen im ländlichen Raum.
 

Der Daquilema-Mitarbeiter und der Landwirt José Buñay kennen sich schon aus Kindertagen und schätzen einander sehr.

Lokale Tracht und indigene Sprachen als Zeichen der Zusammengehörigkeit
Die indigenen Wurzeln der Kooperative Daquilema spielen eine wichtige Rolle für die Organisationskultur, aber auch für die Ansprache der Kundschaft und die Beziehungspflege zu den Mitgliedern. Die Zielsetzung von Daquilema geht über die Versorgung der Landbevölkerung mit fairen Finanzdienstleistungen hinaus. Ziel ist auch, das Selbstwertgefühl und den Stolz der indigenen Bevölkerung zu stärken. So sind etwa Solidarität, Austausch und Gemeinschaft lokale Werte, über die sich Daquilema definiert und die sie in ihre Geschäftspraktiken integriert. Alle Mitarbeiter tragen eine traditionelle Tracht. Die Männer kombinieren Anzughosen und Hemd mit einem traditionellen gestreiften Poncho. Frauen tragen Trachtenkleider mit Spitze und bunten Borten. Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen zudem neben der Amtssprache Spanisch auch indigene Sprachen wie Quichua. Auf diese Weise signalisiert die Kooperative bewusst an ihre Mitglieder: Wir gehören zu euch, wir sprechen eure Sprache, wir respektieren euch und vertrauen euch.

Digitale Zahlung in traditioneller Tracht: Ein Daquilema-Mitarbeiter trifft eine Klientin zur Rückzahlung. Die Kleinunternehmerin kann die Kreditraten direkt von ihrem Marktstand aus zahlen.

Kooperativen wie Daquilema sind nicht nur aufgrund traditioneller Werte erfolgreich. Ihr Geschäftsmodell ist auch sehr innovativ. So bietet die Genossenschaft ihrer Mikrofinanzkundschaft an, ihre Raten nicht – wie bei lokalen Banken üblich – am Bankschalter zurückzubezahlen. Stattdessen kommt der Schalter zu den Kunden: Mitarbeiter der Genossenschaft sammeln die Raten mobil mit modernen Zahlungsapparaten ein, vor Ort in den Geschäften und Werkstätten der Kunden. Für die Kleinunternehmerinnen und -unternehmer ist das sehr komfortabel; der Betrag wird direkt verbucht, sie erhalten eine Quittung und können ihre Daten jederzeit digital einsehen. Der Komfort der Kundinnen und Kunden spielt eine zunehmend wichtige Rolle in der Finanzbranche – und damit auch für indigene Kredit- und Spargenossenschaften wie Daquilema. Denn viele der Genossenschaftsmitglieder, die noch vor einigen Jahren als „nicht bankfähig“ galten und damit von Banken keinen Kredit bekommen hätten, sind heute auch bei den großen lokalen Geldinstituten Ecuadors eine gern gesehene Klientel, wenn sie sich erst einmal zu erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern entwickelt haben. Dennoch bleiben die meisten Mitglieder weiterhin bei den Kooperativen, zu denen sie über die Jahre der Zusammenarbeit gute Beziehungen aufgebaut haben und ihnen vertrauen.

Fotocopyright: Oikocredit

 

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