Mikrofinanzprojekt des Monats: Der DGRV unterstützt Spar- und Darlehensvereine in Uganda

Mikrofinanzprojekt des Monats: Der DGRV unterstützt Spar- und Darlehensvereine in Uganda

Organisation
DGRV – Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V.
Projektname
Spar- und Darlehensvereine in Uganda auf genossenschaftlichen Wegen
Projektland
Uganda
Projektbeschreibung
Der DGRV unterstützt in Kooperation mit lokalen NGOs den Aufbau (vor-)genossenschaftlicher Strukturen im Finanz- und Realsektor
Partner & Geber
Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) NRO Catholic Workers Movement (CWM)
Laufzeit
2013-2018

Der DGRV unterstützt seit 2012 den Aufbau (vor-)genossenschaftlicher Strukturen im Finanz- und Realsektor in ausgewählten Ländern Afrikas. Systeme der genossenschaftlichen Selbsthilfe entwickeln sich weiter und ermöglichen die Einbeziehung wirtschaftlich benachteiligter Gruppen in den Wirtschaftsprozess. Das Projekt leistet durch den Ansatz der organisierten Selbsthilfe einen Beitrag zur Verbesserung der Wirtschafts- und Sozialstrukturen und damit zur Minderung der Armut.

In Uganda fördert der DGRV in Kooperation mit der lokalen Nicht-Regierungs-Organisation (NRO) Catholic Workers Movement seit einigen Jahren sehr erfolgreich den Aufbau eines 3-stufigen, landesweiten Verbunds von Spar- und Darlehensvereinen. Diese Vereine schaffen für benachteiligte und marginalisierte Personengruppen, für die selbst Mikrofinanzinstitutionen unerreichbar sind, Zugang zu Sparmöglichkeiten und zu Kleinstkrediten. Mit Hilfe eines integrierten, weitestgehend automatisierten monatlichen Prüfprozesses innerhalb des Verbundes können selbst weit abgelegene Spar- und Darlehnsvereine kontinuierlich durch regionale Verbände begleitet und damit weiter gefördert werden. Die damit realisierte finanzielle Inklusion ist zugleich ein Schlüssel zur Ankurbelung lokaler Wirtschaftskreisläufe.

Gemeinsam stark: Verbund von Spar- und Darlehensvereinen der CWM Uganda
Die 1995 in der Diözese Masaka gegründete CWM Uganda operiert inzwischen in 12 von 19 Diözesen und hat zurzeit ca. 6.400 in Basisgruppen organisierte Mitglieder. Innerhalb dieser Basisgruppen bilden sich seit Beginn des DGRV Förderprogramms im September 2012 kontinuierlich Spar- und Darlehensvereine mit maximal je 20 Mitgliedern. Diese Selbsthilfegruppen (CW-SLA; Catholic Workers Savings and Loan Associations) ermöglichen ihren Mitgliedern, kleine Geldbeträge zu sparen und aus dem so selbst geschaffenen Fonds Kredite zu erhalten. Etwa 75% der Mitglieder leben unter dem Existenzminimum. Alle Spar- und Darlehensvereine einer Diözese sind in einem der 12 regionalen Verbände organisiert, die ihrerseits wiederum Mitglieder des nationalen Verbandes sind. Der DGRV unterstützt mit Mitteln des BMZ den Aufbau dieses landesweiten dreistufigen Verbunds (siehe Abbildung 1).

350
Dreistufiger Verbund in Analogie zur Genossenschaftsstruktur in Deutschland

Schlüssel zum Erfolg: Training
Im Vordergrund der Projektarbeit steht die gemeinsame Entwicklung eines geeigneten genossenschaftlich geprägten Modells für die Spar- und Darlehnsvereine und deren Verbundsystem. Dies beinhaltet u.a. Schulungen von lokalen Trainern und Prüfern. Trainingsinhalte sind die in den Vereinen angewandten Methoden, Prozesse und Instrumente sowie die Vermittlung von Fachkompetenz zur Etablierung und Anwendung von Prüfprozessen auf Primärebene sowie auf regionaler und nationaler Ebene als Dienstleistung zur Unterstützung der kleinen Spar- und Darlehensvereine. Wichtiges Element dabei ist die Ausbildung von Trainern. Die fähigsten Trainer aus den Regionen werden zu nationalen Trainern ausgebildet, die ihrerseits die nächsten Generationen von Trainern schulen, die sich aus interessierten Mitgliedern bereits etablierter Vereine rekrutieren.


 
Foto links: Ein nationaler Trainer schult die nächste Generation von Trainern    
Foto rechts: Gruppentreffen zum regelmäßigen Sparen und zur Kreditvergabe

 

Instrumente: Gut ist, was funktioniert
Um den kontinuierlichen Prüfungs- und Beratungsprozess auf regionaler und nationaler Ebene für die vielen, oft in abgelegenen ländlichen Gebieten gegründeten Vereine ohne ständige Besuche vor Ort überhaupt zu ermöglichen, wurde vom DGRV ein Prüfungstool entwickelt, das die maßgeschneiderte Prüfung und Beratung der Spar- und Darlehensvereine ermöglicht. Die vor Ort in ein einfaches Formblatt eingetragenen und monatlich an den regionalen Verband übermittelten Transaktionsdaten aller Gruppenmitglieder erlauben die meist rudimentär gehaltene Buchhaltung der Vereine automatisch zu vervollständigen. Methodische oder buchhalterische Inkonsistenzen oder Fehler werden markiert und können damit zeitnah korrigiert werden. Performance Indikatoren aller Gruppen stehen damit jederzeit zur Verfügung. Die zwölf regionalen Verbände senden nach erfolgreicher Prüfung ihre Ergebnisse regelmäßig an die nationale Ebene, die dadurch die Entwicklungen in den einzelnen Verbänden kontrollieren und weiter fördern kann.

Der Aufbau von Finanzdienstleistungen und Mikrokreditsystemen ist im Grundsatz nicht neu. Wesentlich und als Alleinstellungsmerkmal zu werten ist der Stellenwert der strukturierten, permanenten und engmaschigen Prüfung aller Abläufe im DGRV Modell und darauf aufbauend die Beratungsarbeit der Verbände. Die Rationale hierfür beruht darin, dass nur durch transparente Finanzabläufe Vertrauen bei Kleinanlegern geschaffen werden kann, welches wiederum die Grundlage für jede Art von genossenschaftlichen Finanzinstitutionen darstellt.


Unternehmerisch Denken und Handeln: Gemeinsam zum Erfolg
Ein ebenso mit Hilfe des DGRV eigens entwickeltes Finanzplanungsinstrument bietet den lokalen Spar- und Darlehensvereinen zusätzliche Hilfe bei der Analyse und Entscheidung über Finanzierungen von Geschäftsgründungen und/oder Geschäftserweiterungen. Die Gruppenmitglieder der Vereine helfen sich solidarisch bei der Anwendung dieses Instruments, mit dem durch leicht nachvollziehbare Berechnungen von Einnahmen sowie Kosten aller Geschäftsvorgänge über eine durchschnittliche Betriebsperiode (z.B. eine Anbauperiode) die Wirtschaftlichkeit ermittelt werden kann. Die Analyse zeigt, ob eine Geschäftsidee überhaupt profitabel ist und wenn ja, ob die Überschüsse erlauben, den beantragten Kredit zeitnah zurückzuzahlen. Für die Berechnung von Cashflows über mehrere Perioden steht darüber hinaus das elektronische Instrument auf Diözesanebene zur Verfügung. Die Vereine nutzten die generierten Informationen als Grundlage für ihre Kreditentscheidungen. Gleichzeitig bauen die Mitglieder dabei ein wachsendes unternehmerisches Verständnis auf.

Durchrechnen einer Geschäftsidee als Entscheidungshilfe für die Kreditgewährung

Nach innen verbunden - nach außen verknüpft: Linkage Banking
Bereits 2013 fanden Verhandlungen bezüglich eines „Linkage Banking“ zwischen dem als Genossenschaft („CW-Cooperative Savings and Credit Society“) registrierten nationalen Verband und der Centenary Bank statt. Seit 2014 werden nun nach und nach in allen Regionen (Diözesen) Vereinskonten unter dem dafür speziell entwickelten Produkt „CenteVSLA“ zu guten Konditionen, insbesondere ohne monatliche Gebühren, eröffnet. Mit Hilfe dieser Anbindung an das formelle Finanzsystem werden die Spar- und Kreditmöglichkeiten der Vereine wesentlich gestärkt und ihre Mitglieder werden an das für Mikrofinanzwesen spezifische Know-how herangeführt.
 

Was wurde erreicht – und warum?
Dank der Flexibilität und konstruktiven Zusammenarbeit aller Partner hat sich in Uganda ein eigenständiges, CWM induziertes Mikrofinanzsystem entwickelt mit standardisierten Prozessen, bei denen die Beteiligten die tragenden Rollen des Aufbaus dieses Spar- und Darlehnsverein-Programms selbst übernehmen. Die erfolgreichen Verhandlungen beim „Linkage Banking“ sowie die offizielle Registrierung als „CW-Cooperative Savings and Credit Society“ sollten die Nachhaltigkeit der Strukturen weiter fördern.
Die Anzahl der Gruppen und ihrer Mitglieder hat sich bislang sehr dynamisch entwickelt: Ende 2013 waren es 28 Gruppen mit 548 Mitgliedern; im Dezember 2014 gab es bereits 98 Gruppen mit 1.602 Mitgliedern und im Dezember 2015 146 Gruppen mit 2.499 Mitgliedern, davon waren 1.386 Frauen (55,5%). Es findet eine rege Kreditvergabe statt: Im Durchschnitt der Vereine haben mehr als die Hälfte der Mitglieder mindestens einen laufenden Kredit (vgl. Tabelle).
 

Ausschnitt aus dem nationalen Finanzbericht des CW-SLA Verbunds (Ersparnisse und Kredite sind angegeben in Uganda-Schilling)

Resümierend sind es vor allem folgende Faktoren, die zum Erfolg der Maßnahmen des DGRV zur Systembildung beigetragen haben bzw. beitragen:
• Sehr enges Mentoring des Partners,
• Stärkung eines bestehenden Netzwerkes durch maßgeschneiderte Trainings und Tools sowie die Anbindung der Strukturen an den formellen Finanzsektor und
• Orientierung der Arbeit an einigen zentralen genossenschaftlichen Erfolgsfaktoren aus Deutschland: (i) Aufbau dezentraler Strukturen auf mehreren Ebenen, (ii) Stärkung der unternehmerischen Orientierung, iii) Etablierung eines Prüfungs-, Beratungs- und Trainingsystems, iv) Verankerung der genossenschaftlichen Prinzipien in den Gruppen: Selbsthilfe, Selbstverwaltung, Selbstverantwortung.

Autoren:
Dr. Birgit Galemann, Kurzzeitexpertin des DGRV
Fedor Böhmert, Referent der Abteilung Internationale Beziehungen des DGRV

 

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