Mikrofinanzprojekt des Monats: Die Organisation Bank im Bistum Essen eG unterstützt das Projekt

Mikrofinanzprojekt des Monats: Die Organisation Bank im Bistum Essen eG unterstützt das Projekt "Fundación de Apoyo Comuntario y Social del Ecuador" (FACES)

Organisation
Bank im Bistum Essen eG
Projektname
Fundación de Apoyo Comunitario y Social del Ecuador (FACES)
Projektland
Ecuador
Projektbeschreibung
Wer ein bestimmtes Alter erreicht hat, genießt hierzulande häufig den verdienten Ruhestand und die neu gewonnene Freiheit. Die Kinder sind aus dem Haus, sorgen für sich selbst und die familiäre Verantwortung wird weniger. Dank Sparguthaben und Versicherungen arbeiten viele Menschen gezielt auf den Rückzug aus dem Erwerbsleben hin, um »sich aufs Altenteil zurückziehen«. Anders sieht es in Schwellen- und Entwicklungsländern aus. Dort müssen alte Menschen bei abnehmender Leistungsfähigkeit weiterhin für ihr Auskommen sorgen. Immer wieder geraten alte Menschen in finanzielle Notlagen, da sie nicht auf Erspartes zurückgreifen können und Kredite nicht zur Verfügung stehen. Mikrofinanzinstitutionen können mit ihren Dienstleistungen einen Beitrag leisten, die Verwundbarkeit alter Menschen zu senken und deren Lebensumstände zu verbessern. Unter anderem dank der Mikrofinanzfonds der Bank im Bistum Essen kann die ecuadorianische MFI FACES entsprechende Angebote machen.
Partner & Geber
-
Laufzeit
vorraussichtlich bis 12/2018

 

Zentrale der Mikrofinanzinstitution FACES in Loja/Ecuador

Alte Menschen sind
verwundbarer und anfälliger für Krisensituationen, da sie ihre Arbeitsleistung nicht mehr ihrem Bedarf anpassen können und feste Anstellungen mit sicherem Einkommen in noch weitere Ferne rücken. Immer wieder sind alte Menschen durch hohe, unerwartete Kosten von Armut bedroht. Besonders Gesundheitskosten treffen alte Menschen unvorbereitet und plötzlich. Darüber hinaus übernehmen alte Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern enorme familiäre Verantwortung. Im Kontext von Arbeitsmigration, Urbanisierung, HIV und Vertreibung bleiben meist die Alten mit Frauen und Kindern zurück. Die Situation verlangt ihnen nicht selten einen hohen finanziellen Beitrag ab. Selbst Menschen, die zuvor oberhalb der Armutsgrenze lebten, drohen dauerhaft in die Armut abzugleiten. Nicht der Rückzug aus dem Erwerbsleben steht für alte Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern im Mittelpunkt, sondern die Diversifizierung ihrer Einkommensquellen: Staatliche Sozialleistungen, Unterstützung von Familie und Freunden, Ersparnissen und Vermögen, Einnahmen aus einem eigenen Mikrounternehmen sowie Gehalt aus abhängiger Beschäftigung ergeben oft gemeinsam das Haushaltseinkommen. Mikrofinanzinstitutionen können mit ihren Produkten dazu beitragen, Einkommensquellen optimal zu nutzen und die Resilienz des Kunden zu steigern. Spar- und Kreditprodukte sind dabei gleichermaßen wichtig. Menschen erhalten so die Möglichkeit, auch im Alter ihre Einnahmen und Ausgaben aktiv zu steuern.

Sparen

Sparen ist ein entscheidender Baustein der Alters- und Risikovorsorge. Unter armen Menschen ist es jedoch sehr viel weniger verbreitet, Geld zurückzulegen – unabhängig von ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit und ihrem Willen. Dafür verantwortlich ist die menschliche Psyche genauso wie der mangelnde Zugang zu Finanzdienstleistungen. Sparen erfordert Selbstdisziplin. Diese bringen Menschen umso leichter auf, desto positiver sie nach vorne blicken. Wer nichts von der Zukunft erwartet, hat es dagegen schwer. Gleichzeitig wird von Menschen ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen ein besonders hohes Maß an Selbstdisziplin verlangt. Vergegenwärtigt man sich, wie häufig Vermögenden Finanzentscheidungen abgenommen werden, wird das Dilemma deutlich: Entweder es besteht Sparzwang wie in der Rentenversicherung oder die Entscheidung reduziert sich auf ein einmaliges Treffen mit dem Kundenberater oder wenige Klicks im Online-Portal einer Bank der Wahl. Die Sparrate wird bequem vom Konto eingezogen, ohne erneute Nachfrage. Menschen, die keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, bleibt dieses Privileg vorenthalten. Sie müssen jeden Tag aufs Neue entscheiden, welcher Anteil ihres Einkommens und Vermögens sofort im Hier und Heute ausgegeben wird, und wie viel sie zurücklegen. Viele Mikrofinanzinstitutionen bieten Fort- und Weiterbildungen an, die eine Sparkultur fördern und den Sinn verschiedener Finanzprodukte zielgruppengerecht erläutern. Häufig hilft es, mit dem Kunden eine Zukunftsvision zu entwickeln. Eine Strategie mit finanzieller Planung kann dann unterstützen, diese umzusetzen.

Ein Loan Officer von FACES bei der Arbeit

Kredite

Alte Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern benötigen einerseits Kredite, um finanzielle Notlagen abzufedern. Andererseits wird Geld jedoch für Geschäftstätigkeiten benötigt, die selbst im hohen Alter eine wichtige Einnahmequelle sind. Gleichzeitig ist es üblich, vom Alter auf die Kreditwürdigkeit des Kunden zu schließen. Konnte bis ins hohe Alter keine Kredithistorie aufgebaut werden, gestaltet sich die Situation besonders schwierig. Einer Studie des Centers for Financial Inclusion zufolge liegt die Altersgrenze für einen Kredit im Schnitt 15 Jahre unterhalb der durchschnittlichen Lebenserwartung. Ein langer Zeitraum, in dem Menschen nicht nur keinen Zugang zu Krediten haben, sondern gleichzeitig ein erhebliches Kundenpotenzial brachliegt. Dabei lässt sich das Kundensegment gezielt erschließen: durch angepasste Produkte und Vertriebskanäle sowie geschultes Personal.

Praxisbeispiel aus Ecuador

Seit Juli 2017 unterstützt der Mikrofinanzfonds der BIB die Fundación de Apoyo Comunitario y Social del Ecuador (FACES). Die kleine Mikrofinanzinstitution konzentriert sich auf besonders marginalisierte Bevölkerungsgruppen in den ländlichen Provinzen im Süden Ecuadors. Mit 14 Filialen und 116 Mitarbeitern erreicht sie rund 14.600 Kunden. Ältere Mikrounternehmerinnen bilden dabei einen Schwerpunkt. Frauen betrifft die Altersproblematik besonders. Häufig sind sie schlechter ausgebildet, arbeiten häufiger im informellen Sektor und profitieren entsprechend seltener von Rentenversicherungen und Pensionskassen. Aufgrund der durchschnittlich höheren Lebenserwartung von Frauen überleben sie oft ihre Männer und müssen mehrere Jahre alleine für ihren Lebensunterhalt sorgen. Im Erbrecht, beispielsweise bei der Weitergabe von Landtiteln, werden sie nicht selten benachteiligt und können selbst nach dem Tod ihres Mannes nicht über das Familienvermögen verfügen.
Finanzdienstleistungen für ältere Frauen spielen daher für FACES eine besondere Rolle, um den sozialen Auftrag zu erfüllen.

Maria Jacoba Cruz Tamay Allaico in ihrem Geschäft in Catamayo/Ecuador

Maria Jacoba Cruz Tamay Allaico lebt in Catamayo und verkauft schon seit 50 Jahren ihre selbst zubereitete Fritada. Das frittierte Schweinefleisch verkaufte sie zunächst an einem Stand am Straßenrand doch nach und nach konnte sie ihr Geschäft ausbauen – unter anderem dank der Kredite der Mikrofinanzinstitution. Am Tag verkauft sie rund 25 Portionen der ecuadorianischen Spezialität für jeweils einen US-Dollar. Heute besitzt sie ein kleines Geschäft, in dem sie darüber hinaus viele Artikel des täglichen Bedarfs vertreibt. Ihr Erfolg erlaubt es ihr nun, mit über 70 Jahren, kürzerzutreten. Nur noch dreimal die Woche steht sie selbst im Laden. Keine Selbstverständlichkeit, denn ihr Mann, der als Polizist ein sicheres Einkommen mit nach Hause brachte, ist schon vor elf Jahren verstorben. Ihre acht Kinder sind zum Arbeiten in die Stadt gezogen. Sie können nur selten den Weg durch die Berge nehmen, um sie zu besuchen und zu unterstützen. So sagt sie, dass sie nicht nur wegen des Einkommens arbeitet, sondern auch für ihre Gemeinschaft. Denn wer soll sonst das Schweinefleisch, die Zwiebeln, den Mais und die Kartoffeln ihrer Nachbarn kaufen? Im Dorf hält man zusammen und bürgt, wenn nötig, füreinander. Mit günstigen Gruppenkrediten trägt FACES gezielt zum Gemeinschaftsgefüge bei und ermöglicht älteren Frauen ein Auskommen.

Über die Finanzdienstleistungen hinaus bietet FACES den Unternehmerinnen besonders betriebswirtschaftliche Fort- und Weiterbildung an, z.B. Kurse in Buchhaltung, Management und Führung, um das Mikrounternehmen erfolgreicher leiten zu können. Während solche Angebote den Kunden neue berufliche Perspektiven eröffnen, senken sie für die Mikrofinanzinstitution das Kreditausfallrisiko.

 

Weitere Mikrofinanzprojekte des Monats:

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