Implementierungsakteure
Die Mikrofinanzakteure in Entwicklungs- oder Schwellenländern werden als Implementierungsakteure bezeichnet. Sie arbeiten vor Ort direkt mit den Klienten zusammen. Daher beschäftigen Implementierungsakteure in der Regel einheimische Mitarbeiter, die zunächst ausgebildet werden müssen.
Die Arbeitsweise, der Ansatz, der Leistungsumfang und die Güte der Organisation unterscheiden sich letztlich von Akteur zu Akteur. So werden von Implementierungsakteuren zum Teil nur Mikrokredite vergeben, andere bieten auch die Möglichkeit zum Sparen und Mikroversicherungen an, manche vergeben nur Individualkredite, andere nur solche mit Gruppenhaftung. Arbeitet der Akteur nach einem ganzheitlichen Ansatz, werden auch Schulungen und Trainings angeboten, etwa um die Klienten beim Aufbau und bei der erfolgreichen Entwicklung ihrer kleinen Unternehmen zu unterstützen oder zu gesundheitlichen und sozialen Themen.
Gute Implementierungsakteure unterziehen sich einer Akkreditierung und arbeiten nach definierten und transparenten Standards. Den Implementierungsakteuren kommt hinsichtlich der Vergabe von Mikrokrediten eine besondere Bedeutung zu. Wie bei der Vergabe jedes Kredites kommt es darauf an, den richtigen Menschen Kredite für das richtige Vorhaben zu gewähren. Nur so lässt sich Überschuldung vermeiden. Besonders die Qualität der Loan Officer ist daher ein entscheidender Faktor für die Güte der Arbeit eines Implementierungsakteurs.
Non-Profit versus Profit-orientierte Mikrofinanzinstitutionen
Implementierungsakteure lassen sich hinsichtlich ihrer grundlegenden Ausrichtung in zwei Gruppen einteilen. Zum einen sind die sogenannten „non-profit“ Mikrofinanzinstitutionen zu nennen. Die Zielsetzung dieser Organisationen lautet nicht Gewinnmaximierung, sondern Kostendeckung. Finanzielle Nachhaltigkeit ist wichtig, damit die entstandenen Organisationen nicht fortlaufend auf Zuschüsse angewiesen sind. Entstehen bei non-profit Mikrofinanzinstitutionen Gewinne, werden diese in die Organisation reinvestiert oder an die Klienten in Form von verbesserten Konditionen zurückgegeben. Abhängig von Land und Rechtsform der non-profit Mikrofinanzinstitution sind gemeinnützigen Unternehmungen grundsätzlich die Einnahme von Gewinnen verboten. Oftmals werden solche non-profit Mikrofinanzinstitutionen daher durch Spenden mitfinanziert. Non-profit Mikrofinanzinstitutionen sind aufgrund der karitativen Widmung der ihr anvertrauter Mittel eher in der Lage Mittel für Schulungen und Ausbildungsprogramme zu verwenden.
Die zweite Gruppe der Implementierungsakteure sind die sogenannten kommerziellen Mikrofinanzinstitutionen. Hierbei handelt es sich im Kern um Unternehmen, die Mikrofinanz zu ihrem Geschäft gemacht haben. Dazu gehören unter anderem traditionelle Banken, die seit Beginn des 21. Jahrhunderts auf den Mikrofinanzmarkt drängen, aber auch etliche neu gegründete Mikrofinanzinstitutionen.
Weithin bekannte Beispiele für kommerzielle Mikrofinanzinstitutionen sind SKS Microfinance aus Indien und Compartamos aus Mexiko. Beide Unternehmen gingen an die Börse, SKS Microfinance erst Anfang des Jahres 2010. Beide Unternehmen befeuerten damit die Diskussion um die Kommerzialisierung der Mikrofinanz und lenkten die Aufmerksamkeit darauf, dass die Branche sich mittlerweile als Anlagefeld mit lockenden Renditen etabliert hat. Ein Grund dafür sind die hohen Rückzahlungsquoten.
Kommerzielle Mikrofinanzinstitute unterliegen wie alle Akteure am freien Markt spezifischen Zwängen. Einerseits ist dies die Tendenz zur Verbesserung der Einnahmenseite, auf der anderen Seite ist der Zwang Kosten zu drücken immanent. Zum Teil steht die Kritik im Raum, dass bei einigen kommerziellen Mikrofinanzinstituten das Geschäftsmodell zu ungunsten der Kreditnehmer gestaltet wurde.
In unserem kontinuerlich wachsendem Organisationsverzeichnis finden Sie viele internationale Implementierungsakteure.
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