Agent Banking

Agent Banking

Ein Weg um alle Menschen in formelle Finanzdienstleistungen einzubinden, also eine welweite Financial Inclusion zu erreichen, ist neben dem Mobiltelefon-Banking und den Mobilen Banken das sogenannte Agent Banking. Das Prinzip ist einfach: erledige deine Bankgeschäfte dort, wo du auch einkaufst. Dies kann eine Postfiliale, eine Tankstelle oder ein kleiner Kiosk sein. Damit kann auch den Ärmsten der Armen, die zumeist in ländlichen Gebieten jenseits der Hauptstädte leben, Zugang zu Finanzdienstleistungen wie Kredit- oder Sparmöglichkeiten (Überweisungen, Ein- und Auszahlungen, etc.) eröffnet werden.

Denn Geldautomaten oder Bankfilialen, gibt es aufgrund der hohen Kosten außerhalb städtischer Regionen kaum. Die Menschen auf dem Land sind meist Geringverdiener, so dass für die Banken der zu erzielende Gewinn in keinem Verhältnis zu dem entstehenden Kostenaufwand steht. Mindestens einen kleinen Kiosk gibt es aber in nahezu jedem Dorf. Das Agent Banking ist dank moderner Kommunikationstechnologien wesentlich günstiger als die Bereitstellung eigener Filialen. Personalkosten zum Beispiel entfallen komplett. Agent Banking schafft somit für kommerzielle Banken als auch Mikrofinanzinstitutionen den Anreiz, auch an abgelegenen Orten Sparkonten oder Kredite anzubieten. Ein Weg hin zur Financial Inclusion.

Den Menschen wird so ein – für sie kostspieliger – Weg zur nächsten Bankfiliale erspart, der oftmals mehrere Stunden Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bedeuten würde und vor allem aber auch, das Opfern wichtiger Arbeitszeit. In Anbetracht der geringen Sparsummen ist der mit den Fahrten verbundene Kostenaufwand für viele Menschen oftmals höher, als die zu verbuchenden Zinsen, so dass sich gegen ein Sparkonto entschieden wird, falls überhaupt eine Berechtigung dazu bestünde. Stattdessen wird das Geld zumeist in neues Vieh investiert, in der Erde vergraben oder im Reis versteckt. Jedoch bieten diese Sparmaßnahmen keinerlei Schutz vor Diebstahl und bringen rund 20 Prozent Verlust pro Jahr ein. Das mag zunächst paradox klingen, ist aber bittere Realität. Wenn ein Bauer sein Geld zum Beispiel in ein Schaf investiert hat, dann ist dieses Geld scheinbar gut angelegt. Er kann das Schaf nutzen, die Wolle weiterverarbeiten und die Milch trinken. Wenn er das Geld allerdings wieder benötigt, um Arztrechnungen oder Schulgebühren der Kinder zu bezahlen, dann kann er das Schaf meist nur mit Verlust verkaufen.

Agent Banking in der Praxis

In Teilen Lateinamerikas, besonders in Brasilien und Mexiko, ist das Konzept des Agent Banking bereits sehr erfolgreich umgesetzt worden und ermöglicht es, Angebote der Mikrofinanz noch mehr Menschen zugänglich zu machen. Die Händler (des Kiosks, der Tankstelle oder der Postfiliale, etc.) werden mit Bankkartenlesegeräten, Mobiltelefonen, Barcode Scannern und manchmal auch PCs ausgestattet, die mit dem Server der entsprechenden Bank verbunden sind. Sollte jedoch selbst diese Infrastruktur für den mobilen Service nicht vorhanden sein, gibt es noch zwei ganz praxisnahe Vorgehensweisen. Die erste Variante setzt vollständig auf das gute Verhältnis zwischen Händler und Kunden. Deshalb wird er auch „Know your customer“-Ansatz genannt. Dabei wird angenommen, dass sich beide Seiten im ländlichen Raum so gut kennen, dass sie einander ohne weitere Legitimation vertrauen können. Dies genügt vollkommen für die Überweisung von kleinen Beträgen.
Der zweite Ansatz sieht die Verantwortung für Überweisungen bei den Banken. Bevor sie einem Klienten Zugang zu einem Sparkonto oder einem Kredit gewähren, müssen die Banken erst einmal prüfen, wie vertrauenswürdig der Klient ist. Dieser Prozess ist sehr zeitaufwendig und auch kostenintensiv, da ein Mitarbeiter der Bank jeden einzelnen potenziellen Klienten überprüfen muss.


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