Financial Inclusion

Financial Inclusion

Unter dem Motto „Financial Inclusion“ versteht man das Bestreben allen Menschen Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. Denn obwohl wir in den Industriestaaten den Zugang zu Sparkonten oder Krediten für selbstverständlich halten, sind weltweit noch immer mehr als zwei Milliarden Menschen ohne Zugang zu formellen Finanzdienstleist-ungen.

Vor allem in Afrika südlich der Sahara müssen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung auf solche Angebote verzichten. Allerdings ist der Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen für die Verbesserung der persönlichen Lebenssituation und den ökonomischen Aufstieg unentbehrlich. Und ohne Finanzdienstleistungen wie Versicherungen oder Sparkonten können sich arme Menschen nur schwer gegen Schicksalsschläge wie Krankheiten oder Ernteausfälle wappnen. Die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen ist enorm und wird, im Falle von Kleinkrediten, oftmals nur von sogenannten Kredithaien bedient. Diese veranschlagen Wucherzinsen wodurch sich die Klienten überschulden und ihre Lebenssituation dadurch gravierend verschlimmert wird. Deshalb haben es sich die Mikrofinanzakteure zur Aufgabe gemacht, allen Menschen diese Dienstleistungen zu fairen Bedingungen zugänglich zu machen.

Financial Inclusion vs. Financial Exclusion

Die von den formellen Banken verursachte „Financial Exclusion“ geschieht mitunter auch aufgrund einer existenten soziale Außgrenzung der Menschen. Sozial ausgegrenzten Menschen kann es u.U. besonders schwer fallen, sich eine unternehmerische Existenz aufzubauen. Den Mikrofinanzakteuren ist es deshalb ein Anliegen auch diese Menschen mit einzubeziehen und passende Mikrofinanzprodukte anzubieten. Die Lebenssituation der Menschen wird vorab geprüft und dann berücksichtigt. Viele der Kreditnehmer geben an, dass ihnen die Schulungen besonders gut geholfen haben, manchmal mehr als der eigentliche Kredit. Erst mit diesem Verständnis können die Mikrofinanzinstitutionen entsprechende Pakete schnüren, die die Kredite sowie Schulungen zu entsprechenden Themen beinhalten und zum Erfolg führen.

Lösungen zur Financial Inclusion

Um eine "Financial Inclusion" und damit einen gesamtgesellschaftlichen Wandel zu erzielen, setzt die Branche aber nicht nur auf Mikrokredite und Schulungen, sondern auch auf Dienstleistungen wie Sparkonten, Versicherungen und Überweisungsmöglichkeiten. Ohne diese Dienstleistungen ist es für bedürftige Menschen schwierig, sich aus der Armut zu befreien. Um wirklich jeden Menschen zu erreichen, setzen Mikrofinanzinstitute neben dem Aufbau von Bankfilialen gerade in den ländlichen Regionen auf innovative Lösungen wie das Mobiltelefon-Banking, das Agent Banking und Mobile Banken.

Mobiltelefon-Banking

In Schwellenländern entfällt auf 10.000 Bewohner gerade einmal ein einziger Geldautomat – dagegen besitzen bereits mehr als die Hälfte der Menschen ein Mobiltelefon. Die weite Verbreitung von Mobiltelefonen ermöglicht es den Mikrofinanzkunden, Bankgeschäfte per SMS abzuwickeln: Geld überweisen, Geld sparen oder den Kontostand abfragen – beim Mobiltelefon-Banking ist vieles möglich.

Agent Banking

Eine andere Möglichkeit den Kontakt zwischen Bank und Kunde herzustellen, bietet sich durch das sogenannte Agent Banking. Nach dem Motto „Banking where you shop“ gehen Banken Partnerschaften mit lokalen Händlern, Tankstellenbetreibern oder der Post ein. Bei diesen Partnern kann man dann nicht nur seine Einkäufe erledigen oder Briefe aufgeben, sondern ganz nebenbei auch noch Geld einzahlen beziehungsweise abheben.

Mobile Banken

Die Mobilen Banken sind umgebaute Transporter mit den nötigsten technischen Geräten, durch die auch Klienten in abgelegenen Gebieten mit Bankdienstleistungen bedient werden können. Mit den Lastwagen werden zentrale Standorte auf den Marktplätzen kleiner Ortschaften oder sogar einzelne abgelegene Hütten angefahren. In den Mobilen Banken werden Kleinkredite, Mikrosparkonten, Mikroversicherungen und Beratungen angeboten.

Regulierung des Mikrofinanzsektors

Um jedoch wirklich einen Unterschied zu Kredithaien darzustellen, ist eine Regulierung des Mikrofinanzsektors notwendig. Wie wichtig Regeln sind, zeigt eine UN-Richtlinie zu diesem Thema, speziell für Investoren. Der Schwerpunkt der Richtlinie liegt auf dem Thema Transparenz und dem Klientenschutz innerhalb des Mikrofinanzwesens. Investoren sollten sich nicht nur auf den finanziellen Erlös fokussieren, sondern auch die soziale Rendite ihres Engagements anstreben, also eine Soziale Mikrofinanz präferieren.

 

zum Forum

Mikrofinanzprojekt des Monats
Mikrofinanzprojekt des Monats: Programm für Beschäftigung und soziale Innovation (EaSI)
Mikrofinanzprojekt des Monats: Programm für Beschäftigung und soziale Innovation (EaSI)

Durch das EaSI Programm soll das Niveau und die Qualität nachhaltiger Beschäftigung gefördert, Sozialschutz garantiert und der Zugang zu Mikrofinanzprodukten ermöglicht werden. ...mehr

Mikrofinanz-News
27.04.2017 – Global Micro Initiative e.V.: Messbare Erfolge ...mehr
24.04.2017 – AFC's Finanzsektor unterstützt Aktivitäten in Uganda ...mehr
18.04.2017 – Zwei Kampagnen für den Einsatz in Entwicklungsländern in Münster vorgestellt ...mehr
13.04.2017 – Stellenausschreibung Sparkassenstiftung: BeraterInnen in Namibia und Sambia ...mehr
07.04.2017 – The European Microfinance Award 2017 ...mehr
Weitere News
Nächste Termine
01.04. - 30.04.17: Month of microfinance 2017 ...mehr
12.06. - 14.06.17: 5th European Microfinance Research Conference ...mehr
Weitere Termine