Mobiltelefon-Banking

Mobiltelefon-Banking

Das Mobiltelefon-Banking (auch Mobile Banking oder Mobile Money) ist eine relativ neue Entwicklung, die in den vergangenen Jahren überwiegend in Entwicklungsländern entstanden ist. Es handelt sich dabei um finanzielle Tranksaktionen, die über das Handy abgewickelt werden können, in manchen Fällen sogar ohne, dass dazu ein reguläres Bankkonto benötigt wird. Das Mobiltelefon-Banking trägt genau wie das Agent Banking und die Mobilen Banken als innovative Lösung wesentlich zur Erreichung einer Financial Inclusion bei.

In vielen von Armut betroffenen Regionen, insbesondere in den Schwellenländern Asiens und Afrikas, ist die Verbreitung von Mobiltelefon-Nutzung und damit der Ausbau des Mobilfunknetzen in den letzten Jahren enorm gestiegen, obwohl die restliche Infrastruktur der Länder sich oftmals nur wenig verbessert hat. Daher schafft diese neue Form der Finanzdienstleistung wichtige Möglichkeiten für Menschen, die in abgelegenen und oftmals nur schwer zugänglichen Gegenden leben und daher nur bedingt in größere Städte kommen.

In Bezug auf Mikrokredite bietet diese neue Art des Bankings beispielsweise einfachere Wege, um die Kreditraten zurückzuzahlen. Das wiederum fördert Verlässlichkeit und Pünktlichkeit. Weiterhin vereinfacht es die Verwaltung, sodass die dadurch gewonnene Zeit in andere Aktivitäten investiert werden kann und somit effizienter gearbeitet werden kann. Da es sich um eine relativ neue Entwicklung handelt, ist der Markt noch sehr dynamisch und von ständigen Innovationen und Veränderungen geprägt.

Formen von Mobiltelefon-Banking

Vor allem in Südafrika, auf den Philippinen und in Kenia konnte sich Mobiltelefon-Banking bisher erfolgreich etablieren. Allerdings gibt es teilweise erhebliche Unterschiede in der Form und Ausführung.

  • Das in Südafrika verbreitete Modell ist an ein Bankkonto gekoppelt und lässt alle gängigen Transaktionen per Mobiltelefon zu. Diese Dienstleistung wird von dem südafrikanischen Finanzunternehmen "WIZZIT" angeboten. Das Unternehmen selbst betreibt keine eigenen Bankfilialen, sondern nutzt bereits existierende Infrastrukturen der Südafrikanischen Post und der größten Bankengruppe Südafrikas, der Absa Group. In jeder dieser Post- oder Bankfilialen können WIZZIT-Kunden Geld einzahlen oder abheben, auch wenn keine Bankautomaten zur Verfügung stehen.
  • Kein Bankkonto benötigen Klienten des philippinischen Modells "SMART money", einer Initiative der Telefongesellschaft SMART Communications. Hier können Handybesitzer eine Prepaid-Debitkarte erwerben, die als Kontoersatz gilt. Geld kann in allen SMART Filialen aufgeladen und abgehoben werden. Da SMART der größte Mobilfunkanbieter auf den Philippinen ist, verfügt das Unternehmen über eine dementsprechend gut ausgebaute Infrastruktur und macht somit „SMART-money“ Kunden in allen Teilen des Landes zugänglich. Überweisungen von und auf die Prepaid-Debitkarte können dann wiederum über das Handy getätigt werden.
  • Die dritte und mobilste Art des Mobiltelefon-Bankings wird von "M-PESA", einem vom Kommunikationsunternehmen Vodafone in Kooperation mit dem kenianischen Mobilfunkanbieter Safaricom entwickeltem Mobile-Banking System betrieben. Es ist das derzeit erfolgreichste Mobiltelefon-Banking-Konzept, was nicht zuletzt an dessen Simplizität und Effizienz liegen dürfte. Um "M-Pesa" nutzen zu können, benötigt man lediglich ein funktionsfähiges Mobiltelefon mit einer entsprechenden Simcard. Ein reguläres Konto bei einer Bank ist nicht nötig. Nach einer kurzen Registrierung kann der Klient den Mobile-Banking-Dienst bereits uneingeschränkt und grundgebührenfrei nutzen. Bei einem der zahlreichen Agenten kann der Kunde Geld in sein „M-Pesa“-Konto einzahlen und per Knopfdruck mit Hilfe des Mobiltelefons verschicken bzw. überweisen. Der Empfänger erhält dann eine Kurzmitteilung und kann gegen Vorzeigen der Kurzmitteilung in Verbindung mit einem persönlichen PIN das Geld bei einem Agenten in seiner Nähe abholen. Da die Agenten überall über das Land verteilt sind, ist die Nutzung von „M-Pesa“ auch in abgelegenen Landesteilen  möglich. In Kenia hat diese Art des Mobiltelefon-Bankings den Finanzsektor nachhaltig verändert und das Leben für viele Kenianer erheblich erleichtert. Besonders während der Unruhen nach den Wahlen im Jahr 2008, als die Mobilität im Land erheblich eingeschränkt war und viele Kenianer aufgrund von massiven Ausschreitungen wochenlang ihre Wohnorte nicht verlassen konnten, wurde „M-Pesa“ stark genutzt und wuchs seitdem rasant. Inzwischen bietet „M-Pesa“ vergleichbare Dienste auch in Afghanistan, Indien, Südafrika und Tanzania an.  



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