Green Microfinance

Green Microfinance

Green Microfinance ist eine weitere Ausprägung im Bereich Mikrofinanz. Dieses Gebiet der Mikrofinanz bezieht, mit dem Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit und der Ressourcenschonung, ökologische Effekte in ihr Tätigkeitsfeld mit ein.

Green Microfinance (dt. Grüne Mikrofinanz) gewährt Menschen, die traditionell vom Finanzsektor ausgeschlossen sind, zum einen Zugang zu finanziellen Dienstleistungen und fördert zugleich ökologisch nachhaltiges Wirtschaften. Als solche hat Green Microfinance das Potenzial zwei der dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit, die im Jahr 2000 auch als das erste bzw. siebte Millennium Development Goal (MDG) definiert wurden, aufzugreifen: Die Reduzierung von Armut und ökologische Nachhaltigkeit.

Auch Mikrofinanzinstitutionen können also bei der Antwort auf den Klimawandel in Entwicklungsländern eine zentrale Rolle spielen. Vor allem weil sich die Klimaerwärmung überproportional, in Form von Fluten und Dürren in tropischen bzw. subtropischen Gebieten und somit besonders in Entwicklungsländern, auswirken wird. Zudem decken die dort angesiedelten Menschen ihren Energiebedarf unmittelbar aus den lokal verfügbaren Energieressourcen, wie zum Beispiel Holz und anderen Arten von Biomasse. Maßnahmen der Adaption an die sich wandelnden Umweltbedingungen sind also von besonderer Notwendigkeit für Menschen, die in Entwicklungsländern leben.

Das Zielsystem von Unternehmen, die im Bereich Green Microfinance aktiv sind und zusätzlich die Erzielung von Gewinnen anstreben, wird auch häufig als die sogenannte „triple bottom line" bezeichnet. Sie besagt, dass erstens soziale Ziele, zweitens finanzielle sowie drittens ökologische Nachhaltigkeit erreicht werden sollen.

Ebenen der Green Microfinance

Green Microfinance kann auf verschiedenen Ebenen praktiziert werden. Zum einen auf der Institutionsebene, zum anderen auf der systemischen Ebene und nicht zuletzt auf der Kundenebene. Auf der Kundenebene liegt in diesem Artikel der Schwerpunkt. Besonders die für die Klienten wichtigen Energieprodukte wie beispielsweise Photovoltaik-Anlagen sollen hier näher erläutert werden.

Institutionsebene

Die Institutionsebene erfasst Handlungen, die sich auf die Funktionsweise und die Finanzierung der Mikrofinanzinstitutionen auswirken. Ein Beispiel ist hier der "Carbon Finance"-Ansatz, bei dem die Mikrofinanzinstitution eingesparte CO2 Emissionen im Rahmen des Clean Development Mechanisms (CDM) oder auf dem freiwilligen Markt verkaufen kann.

Systemische Ebene

Unter der systemischen Ebene werden Handlungen subsumiert, die sich in nationalem oder internationalem Umfeld abspielen. Zum Beispiel gehören hierunter die aktive Lobbyarbeit und der Beitrag der Mikrofinanzinstitution in der politischen Debatte zum Thema Klimawandel und Mikrofinanzierung.

Kunden-/Klientenebene

In die Kunden-/Klientenebene fallen Aktivitäten, welche die Menschen, in den Schwellen- und Entwicklungsländern direkt tangieren, wie das Angebot von Mikrokrediten für Energieprodukte wie Solar Panels oder verbesserte Öfen, Unterstützung von Aufforstungsprojekten sowie Vermittlung von Umweltbewusstsein und vielem mehr.

Nach Schätzungen der Internationalen Energie Agentur leben etwa 1.4 Milliarden Menschen auf der Welt ohne Zugang zu Elektrizität. Knapp 3 Milliarden Menschen decken ihren Bedarf zum Kochen und Heizen aus traditioneller Biomasse. Zum Großteil leben diese Menschen in Entwicklungsländern unter schlechten Infrastrukturellen Bedingungen, sind jedoch Klienten, bzw. potentielle Klienten, von Mikrofinanzinstitutionen. Die Mikrofinanzinstitutionen können diese Menschen also erreichen und mithelfen, deren Energiearmut und somit die unmittelbare Bedrohung ihrer ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Situation zu bekämpfen.

Die Versorgung dieser Menschen mit moderner, erneuerbarer und effizienter Energie kann aber auch für Mikrofinanzinstitutionen eine Chance darstellen. Insbesondere können die Menschen, mittels der ihnen neu zur Verfügung stehenden Energieformen, die Kreditrückzahlungsmöglichkeiten verbessern (Mobile Banking). Bis heute haben weltweit schätzungsweise 200-300 Mikrofinanzinstitutionen Energiekredite in ihre Portfolios aufgenommen und sind also im sogenannten Mikroenergiesektor tätig.

Grundlegendes Prinzip von Green Microfinance (auf Kundenebene)

Der Mikrofinanzierung von Energieprodukten liegt das Prinzip zu Grunde, dass das finanzierte Energieprodukt ein erhöhtes Einkommen erwirtschaftet, also mehr ökonomischen Freiraum bietet, mit dem die Rückzahlung des Mikrokredits möglich wird.

Im Falle des Energieprodukts entstehen diese Freiräume aus zwei Quellen: einerseits aus der Einsparung von Ressourcen, die bis dato für die Dienstleistung ausgegeben wurde, die das finanzierte Produkt nun leistet und andererseits aus der Schaffung von Produktivität.

Im Allgemeinen stellen die Kosten, die Menschen in Entwicklungsländern für die Deckung ihres Energiebedarfs aufbringen, einen sehr hohen Anteil ihrer Gesamtausgaben dar. Die Durchführung einer sehr gründlichen und sorgfältigen Analyse der Bedarfslage, des Verhaltens und des Energiekonsums des Kunden ist für Mikrofinanzinstitutionen Voraussetzung, um sich in der Finanzierung von Energieprodukten zu betätigen.

Nur wenn gesichert ist, dass durch das Produkt die notwendigen ökonomischen Freiräume geschaffen werden (durch Einsparung oder Produktivität), können beide Seiten, Kunde und Mikrofinanzinstitution, von diesem Geschäftsmodell profitieren. Für die Mikrofinanzinstitution bedeutet das normalerweise, dass die Rückzahlungsperiode der Kredite auf einen längeren Zeitraum angelegt sein muss und somit zusätzliche Herausforderungen an die Refinanzierung gemeistert werden müssen.

Welche Energieprodukte werden finanziert?

Finanzierte Energieprodukte reichen von der Produktgruppe Solar Photovoltaik Anlagen (hierzu gehören die Solar Home Systeme), über die Produktgruppe Mini-Grids (Kleinnetze) und Multifunktionsplattformen bis hin zu Anschlüssen an das nationale Stromnetz.

Weitere Produkte sind energieeffiziente Kochvorrichtungen (engl. improved cooking stoves) und spezialisierte Produkte, die auf die unterschiedlichen Bedarfslagen des produzierenden Sektors ausgerichtet sind. Hierzu zählen zum Beispiel solarbetriebene Trocknungsgeräte und Kleinbiogasanlagen für die Landwirtschaft oder effizientere Öfen für Bäckereien und Restaurants.

Im Folgenden wird näher auf die erwähnten Produktgruppen Solar Photovoltaik, Minigrids und Multifunktionsplattformen und Stromnetzanschlüsse eingegangen.

Produktgruppe Solar Photovoltaik

Das wohl bekannteste und meist diskutierte Beispiel für die Verbindung von Mikrofinanzierung und Solar Photovoltaik ist Grameen Shakti, ein in Bangladesh tätiges eigenständiges Tochterunternehmen der Grameen Bank. In den über 10 Jahren Unternehmensaktivität wurden 470.000 Solar Home Systeme erfolgreich verkauft. Um ländliche Gegenden auf Basis von erneuerbaren Energien zu elektrifizieren, nutzen die Menschen vor Ort sogenannte Solar Home Systeme, um ihre Energiesitutation zu verbessern. Die Kredite für diese Anlagen haben eine Laufzeit von 36 Monaten. Eine wichtige Charakteristik des Geschäftsmodells ist das sogenannte „One-Hand-Model", bei dem technische (zum Beispiel Installation und Reparatur) und finanzielle Dienstleistungen aus einer Hand, also einer Organisation, angeboten werden. Dieses Model wurde bis heute hauptsächlich in Bangladesh repliziert.

Ein Beispiel für das sogenannte „Two-Hand-Model" betreibt die Mikrofinanzinstitution FINCA Uganda. FINCA Uganda arbeitet mit verschiedenen Solar Photovoltaik Unternehmen zusammen und bietet ihren eigenen Klienten Energiedarlehen mit einer Laufzeit von 6 bis 12 Monaten an.

Besondere Herausforderungen und Verantwortungen müssen bei der Finanzierung von Solar Photovoltaik beachtet werden. Hierzu zählen insbesondere die Sicherstellung der Qualität des Produkts und der Dienstleistung, der Kapitalbedarf und das Politikumfeld.

In einem Markt, in dem Investitionen dieser Größenordnung eine große Belastung für Kreditnehmer darstellen, haben Fehlkonzeptionen von Produkten schwerwiegende Folgen für den Kunden und können zudem sehr schnell die Reputation der Mikrofinanzinstitution und den Markt für dieses Produkt zerstören. Insbesondere beim "Two-Hand-Model" ist hier der Zielkonflikt zwischen Solar Photovoltaik Unternehmen und Mikrofinanzinstitution zu lösen: der Mikrofinanzinstitution ist es daran gelegen, sicherzustellen, dass das Produkt zumindest über die Laufzeit des Kredits seinen Dienst leistet. Der Energieproduktanbieter schöpft jedoch in den häufigsten Fällen den Wert direkt beim Verkauf des Produkts ab, während die längerfristige Dienstleistung sich nur selten für ihn rentiert und daher vernachlässigt wird. Eine funktionierende Serviceinfrastruktur wird also benötigt, ist jedoch mit Kosten verbunden, die häufig unterschätzt werden.  

Was den Kapitalbedarf angeht, kann man sagen, dass dieser im Bereich der Energieproduktfinanzierung höher ist als bei der konventionellen Mikrofinanzierung. Mikrokredite im Energiebereich benötigen zudem häufig längere Laufzeiten, um für den Kunden tragbar zu sein. Der Geschäftsbereich Energie ist außerdem risikoreicher, da weniger Erfahrung vorhanden ist. Häufig macht nur der Zugang zu subventionierten Krediten und Garantien ein Geschäftsmodell finanziell durchführbar. Eine vielversprechende Finanzierungsquelle ist jedoch auch das sogenannte „Carbon Financing“.

Letztlich ist das politische Umfeld für den Bereich Solar Photovoltaik nicht unerheblich. Er kann für den Mikroenergiesektor sowohl förderlich als auch hinderlich wirken. Im Falle von Bangladesh und Grameen Shakti hat die staatliche Behörde IDCOL mit Subventionen und Standards ein Umfeld geschaffen, dass der Entwicklung des Geschäftsbereichs sehr zuträglich war. Subventionen im Mikroenergiesektor können jedoch auch ein Hindernis für eine marktbasierte Versorgung mit Energieprodukten darstellen. Dem Kunden kostenlos zur Verfügung gestellte Energieprodukte führen zu einem „Hold-up“ Problem beim Kunden: Anstatt das Produkt zu kaufen, wird auf die Bereitstellung durch den Staat gewartet. Dies ist beispielsweise in Peru der Fall, wo eine großangelegte staatliche Kampagne für verbesserte Kocher den Markt für dieses Produkt auflöst.

Produktgruppe Mini-Grids und Multifunktionsplattform

Multifunktionsplattformen produzieren Energie mithilfe eines Dieselgenerators, der durch Windkraftanlagen und Solarphotovoltaik-Zellen unterstützt werden kann. Um diese Plattformen oder auch Wasserkleinkraftwerke herum entsteht ein kleines autarkes Stromnetz (Mini-Grids), das zunächst abgetrennt vom nationalen Stromnetz die lokalen Haushalte und Unternehmen mit Elektrizität versorgt. Während oben beschriebene Mikroenergieprodukte, wie zum Beispiel Solar Home Systeme, eher für abgelegene Haushalte gedacht sind, werden Mini-Grids für den Einsatz in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte vorgesehen.

Die Rolle von Mikrofinanzinstitutionen bei der Finanzierung dieser Kleinkraftwerke ist wegen des hohen Bedarfs an Kapital beschränkt, wenn gleich es jedoch interessante Ansätze gibt. Verbreiteter ist das Engagement von Mikrofinanzinstitutionen in der Finanzierung von produktiver Aktivität, die um Multifunktionsplattformen herum entstehen. Ein Beispiel ist Résau des Caisse Populaires du Burkina, ein lokales Netzwerk von Kredit- und Sparkooperativen.

Produktgruppe Stromnetzanschluss

Aufgrund der Tatsache, dass die Kosten eines Anschlusses an ein nationales Stromnetz in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern so hoch sind, dass die Menschen diese Einmalzahlung nicht aufbringen können, haben sich einige Mikrofinanzinstitutionen dieser Problematik angenommen und vergeben spezielle Mikrokredite. Beispielsweise sind in Äthiopien 60 Prozent der Haushalte in städtischen Regionen nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft an das nationale Stromnetz anzuschließen, selbst wenn das Netz direkt hinter dem Haus liegt.

Für die Finanzierung von solchen Stromanschlüssen vergeben Mikrofinanzinstitutionen Mikrokredite mit Laufzeiten von 12, 24 oder 36 Monaten. In Kenia kooperiert beispielsweise der Energieversorger KPLC Kenya mit lokalen Mikrofinanzinstitutionen wie der Equity Bank, dem Kenya Women Finance Trust, der K-REP Bank und Faulu Kenya.

Dieser Artikel wurde in Kooperation mit MicroEnergy International verfasst.

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