Social Performance Management

Social Performance Management

Mit dem schnellen Wachstum des Mikrofinanzsektors in den letzten zwanzig Jahren und der einherschreitenden Kommerzialisierung wurden zunehmend auch kritische Stimmen laut: Skeptiker bezweifeln, dass der Zugang zu Finanzdienstleistungen tatsächlich einen positiven Einfluss auf Einkommen und Wohlstand hat und fordern Beweise. Andere mahnen, dass mit dem verstärkten Fokus auf Profitabilität Mikrofinanzinstitutionen ihre ursprüngliche ‚Social Mission‘ aus den Augen verlören. Experten aus der Forschung und Praxis  begegnen der Kritik, indem sie verbesserte Methoden der Wirkungsanalyse entwickeln und Managementansätze implementieren, die darauf abzielen ‚Financial Performance‘ und ‚Social Performance‘ im Gleichgewicht zu halten.

Unter Social Performance versteht man hierbei die direkte Übersetzung der ‚Social Mission‘ einer Institution in die Praxis. Die Mission kann dabei verschiedene Ziele beinhalten z.B. nachhaltig eine wachsende Anzahl von armen und vom Finanzsystem ausgeschlossener Menschen zu bedienen und die ökonomischen und sozialen Bedingungen, unter denen sie leben, zu verbessern. Andere Ziele wären Finanzdienstleistungen an die Bedürfnisse Minderbemittelter anzupassen oder soziale Verantwortung Kunden und Arbeitnehmern gegenüber zu bewahren (frei nach Social Performance Task Force, 2007).

Um die Social Mission erfolgreich in die Realität umsetzen zu können, sollte eine Mikrofinanzinstitution, dem Social Performance Ansatz zufolge, ihre sozialen Ziele genau definieren und durch messbare Indikatoren bestimmen. Produkte und Leistungen sollten nach diesen Indikatoren bewertet und angepasst werden. Bei der Analyse von Social Performance (Social Performance Assessment) geht es zuvorderst darum zu bewerten, inwiefern die Aktivitäten einer Mikrofinanzinstitution ihre sozialen Ziele widerspiegeln. Anstatt also erst die Wirkung der Aktivitäten zu untersuchen (wie bei einer Impact-Analyse) setzt der Prozess weiter vorne an und versucht die Elemente zu identifizieren, die eine mögliche Wirkung beeinflussen.



Social Performance Management (SPM) bezieht sich auf das gesamte System, mit Hilfe dessen eine Mikrofinanzinstitution die Entwicklung ihrer  Social Performance verfolgen und verbessern kann. Es handelt sich hierbei um einen breiten Management-Ansatz, der verschiedene Abteilungen und Stakeholders der Mikrofinanzinstitution mit einbezieht und jeweils an den Kontext der Mikrofinanzinstitution angepasst wird.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Methoden und konkrete Instrumente entwickelt, die die Ein- und Durchführung eines solchen Ansatzes erleichtern können. So können Mikrofinanzinstitutionen mit Hilfe von Social Performance Indicators (SPI) von CERISE (Indikatoren, die auf Basis eines umfangreichen Fragebogens berechnet und visualisiert werden) analysieren, inwieweit ihre bestehende Unternehmensstruktur und Aktivitäten zum Erreichen ihrer sozialen Ziele dienlich sind.

Um das Armutsniveau der Kunden zu ermitteln und Leistungen dahingehend anpassen zu können, wurden diverse sogenannte Poverty Assessment Tools entwickelt, die standardisiert oder kontextspezifisch der Mikrofinanzinstitution ermöglichen ohne viel Aufwand und Kosten die Armut ihrer Kunden zu messen, unabhängig von konkreten Einkommens- und Ausgabeninformationen. Ein Beispiel ist der PPI, Progress-out-of-Poverty Index, ein länderspezifischer Armutsindex, dessen Entwicklung u.a. von der GrameenFoundation und CGAP vorangetrieben wird.

Mit einem Social Rating kann eine Mikrofinanzinstitution ihre Social Performance nach außen hin kommunizieren und sich so von Wettbewerbern differenzieren. Diese Ratings werden wie auch die Financial Ratings von unabhängigen Ratingagenturen durchgeführt, wie z.B. Mcril oder PlaNet Rating.

Um den Mikrofinanzinstituten einen weiteren Anreiz zu bieten, ihre Social Performance zu stärken, lobten im Jahr 2009 das Mikrofinanzforschungsinstitut MIX, CGAP, die Ford Stiftung und die Michael und Susan Dell Stiftung den Social Performance Reporting Award aus. Mit diesem Preis ehren die Initiatoren Akteure (Mikrofinanzinstitute, Netzwerke und Investoren), die sich für Transparenz und soziale Verantwortung des Sektors einsetzen.

Wichtige Akteure

  • Social Performance Task Force – Offenes Netzwerk mit über 350 Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der Mikrofinanz; gegründet 2005 von CGAP, der ArgidiusFoundation und der Ford Foundation mit dem Ziel allgemein gültige Richtlinien zu  Social Performance zu entwickeln und den Austausch zu fördern.
  • CERISE – Netzwerk für Mikrofinanzexperten aus der Praxis zum Austausch von Wissen und Information. Erste Organisation, die sich aktiv mit Social Performance Management befasst hat; veröffentlichten 2001 die erste Version der sogenannten Social Performance Indicators – Indikatoren, auf Basis eines umfangreichen Fragebogens berechnet und visualisiert, die aufzeigen, inwieweit eine Mikrofinanzinstitution ihre sozialen Ziele konsistent verfolgt.
  • ImpAct-Consortium – Entstanden aus einem „Action-Research-Programm“ finanziert von der Ford Foundation, das ursprünglich zum Ziel hatte anwendungsbezogene Impact Assessment Tools zu entwickeln. Heute: Globales anwendungsbezogenes Forschungsprogramm, das zu Social Performance Management forscht, die Implementierung unterstützt und Trainer ausbildet. Zusammenarbeit von Mikrofinanzexperten aus der Praxis, nationalen und internationalen Netzwerken und Akademikern.

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