Ökonomische Effekte durch Mikrofinanz

Ökonomische Effekte durch Mikrofinanz

Die Mikrokreditbewegung wird nun schon seit über zwanzig Jahren auf ihre Wirksamkeit hin überprüft, eine Vielzahl sogenannter Impact Assessments wurden unternommen. Dabei sind die ökonomischen Effekte der Mikrofinanz ein komplexes Thema, das kontrovers diskutiert wird. Einerseits konnten in Studien positive Effekte auf die wirtschaftliche Situation der Kreditnehmer nachgewiesen werden. Andererseits muss auch klar gestellt sein, dass Mikrokredite kein „Allheilmittel“ gegen die weltweite Armut sein können. Zusätzlich bedarf es immer flankierender Maßnahmen in Bildung, Infrastruktur, Gesundheitsvorsorge usw. Es steht jedoch fest, dass Mikrofinanz einen wichtigen Beitrag zur Armutsminderung leisten kann. Kleininvestitionen werden so gefördert und die Produktivität armer, wirtschaftlich aktiver Menschen wird gesteigert. Erfolgreiche Kleinunternehmer können Arbeitplätze schaffen und so anderen armen Menschen in ihrer Umgebung eine wirtschaftliche Perspektive bieten.

Mikrofinanz kann zur Armutsminderung beitragen, da sie sich positiv auf das Einkommen der Kreditnehmer auswirkt. Die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit hat einen positiven Einfluss auf das Einkommen des Kreditnehmers und dessen Familie. In so gut wie allen Studien konnte eine Erhöhung des Einkommens durch Investitionen in ein eigenes Kleinunternehmen festgestellt werden. Da die Klienten durch einen Kredit langfristig planen können, wirkt sich der Mikrokredit auch auf die Stabilität des Einkommens aus.

Beobachtet man Klienten über einen längeren Zeitraum, lassen sich verschiedene positive Effekte erkennen, die sich aus der veränderten individuellen ökonomischen Situation der Klienten ergeben. Die Klienten verbessern ihre Lebenssituation ganz konkret, indem sie aus den zumeist sehr einfachen Hütten - aus Blech oder Holz - ein kleines solides Haus aus Stein bauen können. Des Weiteren verbessert sich oft die Ernährungssituation, auch gerade der Kinder, sowie die Gesundheitsvorsorge-Möglichkeiten. Krankheiten, wie etwa Malaria, kann vorgebeugt werden oder sie werden behandelt. Die Kinder können in die Schule geschickt werden, da die Schulgebühren nun bezahlt werden können - eine Ausbildung wird ermöglicht.

Ein großer Teil der Mikrokredite wird an Frauen vergeben. Dadurch wird das Familieneinkommen aufgebessert. Frauen achten meist sehr darauf, dass das zusätzliche Einkommen ihren Kindern und vor allem deren Schulbildung zugute kommt. Außerdem können durch das höhere Einkommen Rücklagen gebildet und Vermögensvorleistungen getroffen werden.

Mikrofinanz wirkt sich auch auf das Konsumverhalten der Kreditnehmerhaushalte aus. In vielen Studien konnte eine Erhöhung der Pro-Kopf-Konsumausgaben festgestellt werden. Die Kaufkraft der Kreditnehmer wird durch Mikrofinanz gestärkt. Je länger eine Person an einem Mikrokreditprogramm teilgenommen hat, desto stärker waren die durch den Mikrokredit hervorgerufenen positiven Effekte.

Viele Kritiker der Mikrofinanz sehen vor allem in solchen Mikrofinanzinstitutionen eine Gefahr, die sich rein auf die Vergabe von Krediten konzentrieren, und die Kreditnehmer mit der neuen Situation alleine lassen, d.h. ihnen keine Zusatzserviceleistungen wie Unternehmenstrainings anbieten. Die Wirksamkeit von Mikrofinanzierungsprogrammen hinsichtlich der Verbesserung der ökonomischen Situation wird oft durch dieses fehlende Eingehen auf die Bedürfnisse der Kreditnehmer eingeschränkt. Diese zusätzlichen Serviceleistungen sind mitunter sogar wertvoller für die Klienten als die eigentlichen Kredite und sollten möglichst von allen Mikrofinanzinstituten angeboten werden.

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