Soziale Effekte durch Mikrofinanz

Soziale Effekte durch Mikrofinanz

Der Zugang zu Mikrofinanzen kann mögliche positive Auswirkungen auf das Haushaltseinkommen von Armut betroffener Familien haben und kann sie in Krisensituationen absichern. Darüber hinaus wird angenommen, dass durch den Zugang zu Finanzdienstleistungen auch weitere positive soziale Effekte möglich sind.

Die Millennium-Entwicklungsziele wurden von den Vereinten Nationen im Jahr 2000 verabschiedet und haben zum Ziel die extreme Armut bis 2015 zu halbieren. Sie bilden bis heute eine der wichtigsten Grundlagen der Entwicklungszusammenarbeit.

Mikrofinanzen können bei der Erreichung dieser Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) einen entscheidenden Beitrag liefern.

MDG-Ziel 1: Extreme Armut und Hunger beseitigen
Möglicher Effekt durch Mikrofinanz: Durch Investitionen in geschäftliche Tätigkeiten können Kleinunternehmen das Haushaltseinkommen erhöhen und werden befähigt, die wirtschaftliche Situation ihrer Familien zu verbessern. Der Zugang zu Sparmöglichkeiten, Krediten und Mikroversicherungen verringert die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks, wie Krankheit oder Ernteausfälle und kann somit das Abrutschen in tiefere Armut verhindern.

MDG-Ziel 2: Grundschulausbildung für alle Kinder gewährleisten
Möglicher Effekt durch Mikrofinanz
: Eine Erhöhung des Einkommens ermöglicht es Familien die Kosten für eine schulische Ausbildung, wie Schulgebühren, Bücher etc. der Kinder, zu bezahlen. Bei einigen Mikrofinanzinstitutionen, wie der Grameen Bank in Bangladesch, ist die schulische Ausbildung der Kinder eine Grundvoraussetzung damit Eltern einen Kredit erhalten können. Darüber hinaus werden mitunter spezielle Bildungskredite angeboten, die direkt zur Finanzierung der Schulbildung konzipiert wurden.
 
MDG-Ziel 3: Gleichstellung und größeren Einfluss der Frauen fördern
Möglicher Effekt durch Mikrofinanz:
Die Mehrheit aller Mikrofinanzkunden sind Frauen, da sie zum einen stärker von Armut betroffen sind als Männer und zum anderen die Verantwortung für das Wohlbefinden der Familie tragen. Man nimmt an, dass der Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ökonomischen Empowerment von Frauen führen kann. Unter Empowerment versteht man dabei die Ermächtigung zu eigenverantwortlichem Handeln. Ökonomisches Empowerment kann ebenfalls zu einer verbesserten Verhandlungsmacht innerhalb der Familie sowie einem verbesserten Selbstbewusstsein führen. Im Idealfall resultiert dies in einer Verbesserung des Status der Frau in der Gemeinschaft sowie in einer größeren politischen Teilhabe.

MDG-Ziele 4, 5 und 6: Die Kindersterblichkeit senken / Die Gesundheit der Mütter verbessern /  HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen
Möglicher Effekt durch Mikrofinanz
: Armut und Krankheit sind interdependent, d.h. dass Krankheit oftmals zu Armut führt, da beispielsweise der Brotverdiener der Familie ausfällt. Im Gegenzug dazu begünstigt Armut das Auftreten von Krankheiten, da ohne finanzielle Mittel eine medizinische Versorgung oder Präventionsmaßnahmen oftmals nicht möglich sind. Der Zugang zu Krediten und Sparmöglichkeiten ermöglicht Menschen lebensnotwendige Medikamente zu erwerben bzw. Phasen der Erwerbslosigkeit durch Krankheit besser zu überstehen. Darüber hinaus besteht in Entwicklungs- und Schwellenländern eine steigende Nachfrage nach Mikro-Versicherungen zur gesundheitlichen Absicherung.

MDG-Ziel 7: Eine nachhaltige Umwelt gewährleisten
Möglicher Effekt durch Mikrofinanz:
Mikrofinanzen bieten Menschen die Möglichkeit neue geschäftliche Tätigkeiten aufzunehmen und/oder zu diversifizieren, wodurch eine Übernutzung von Ressourcen vermieden werden kann. Des Weiteren bieten viele Mikrofinanzinstitutionen mittlerweile angepasste Kredite zur Finanzierung regenerativer Energiequellen, wie Solarlampen etc., die die Umwelt weniger belasten, Kosten sparen  und gesundheitliche Risiken, beispielsweise durch das Verbrennen von Kerosin, verringern.

MDG-Ziel 8: Eine globale Partnerschaft im Dienst der Entwicklung schaffen
Möglicher Effekt durch Mikrofinanz:
Für private Unternehmen ergeben sich in Entwicklungs- und Schwellenländern interessante neue Geschäftsfelder, die durch den Einsatz von Mikrofinanzen erschlossen werden können. Mit Hilfe von Mikrofinanzen können Menschen beispielsweise Medikamente erwerben (durch Sparen oder Kredite), die normalerweise nicht bezahlbar wären. Unternehmen, wie Pharmahersteller, können daher zu erschwinglichen Preisen, lebensnotwendige Medikamente besser zur Verfügung stellen

Inwieweit Mikrofinanzen positive soziale Auswirkungen besitzen, ist stark davon abhängig ob Mikrofinanzinstitutionen einen minimalistischen oder integrierten bzw. ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Bei einem minimalistischen Ansatz liegt der Fokus auf dem Erreichen finanzieller Zielstellungen, also Mikrofinanzdienstleistungen finanziell nachhaltig anzubieten und einer Vergrößerung der Reichweite. Das Angebot beschränkt sich dabei auf rein finanzielle Dienstleistungen.

Bei einem integrierten bzw. ganzheitlichen Ansatz hingegen werden zusätzliche Entwicklungsmaßnahmen hinsichtlich Gender und Empowerment, Gesundheit, Bildung, Energieversorgung sowie Umweltschutz in das Mikrofinanzprogramm integriert. Ein erweiterter Ansatz, oftmals auch als „Microfinance Plus“ bezeichnet, kann der Multi-Dimensionalität von Armut besser gerecht werden. Allerdings kann die finanzielle Nachhaltigkeit von Mikrofinanzinstitutionen beeinträchtigt werden, wenn zusätzliche Angebote nicht kostendeckend angeboten werden können. Die Vorteile von „Microfinance Plus“ wurden inzwischen von vielen Mikrofinanzinstitutionen, Geberagenturen sowie Hilfsorganisationen erkannt. Dies führt zu verstärkten Bemühungen im Bereich Forschung und Produktinnovationen.

In den letzten Jahren wurden vermehrt kritische Stimmen laut, die die positiven sozialen Auswirkungen von Mikrofinanzprogrammen in Frage stellen. Es wurde ein mission drift einiger Mikrofinanzinstitutionen erkannt, der dazu führte, das soziale Zielstellungen zu Gunsten finanzieller Ziele in den Hintergrund traten. Daher wurden Versuche unternommen die sozialen Auswirkungen von Mikrofinanzprogrammen zu messen sowie zu verbessern. Neue Management-Ansätze wie Social Performance Management sollen die soziale Fokussierung von Mikrofinanzinstitutionen fördern und bei der Umsetzung sozialer Zielstellungen in die Praxis behilflich sein.

Einen Überblick über die aktuellsten Entwicklungen im Bereich „Microfinance Plus“ liefert der Workshop Report von „University Meets Microfinance (UMM)“ "Microfinance Plus - The Potential of Linking Microfinance with Programmes in Health, Education, Environment and Value Chain Development". Nähere Informationen zur Messung sozialer Auswirkungen finden Sie im UMM-Workshop Report „Measuring the Impact and Social Performance of Microfinance“ .
 
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