Klienten

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Mikrokredite geben mittellosen Menschen Kapital, um ein Kleinst- oder Kleinunternehmen aufzubauen. Kommerzielle Banken schlossen insbesondere mittellose Menschen aufgrund fehlender Sicherheiten bisher von der Kreditvergabe aus. Gerade den Ärmsten der Armen ist es nahezu unmöglich, Kapital durch Sparen für Investitionen aufzubauen. So bleibt ihnen die Möglichkeit verwehrt, durch effizienteres unternehmerisches Handeln ein höheres Einkommen zu generieren. Mikrokredite bieten exakt diese Chance. Häufig flankieren zudem Schulungen und Mikroversicherungen sowie die Möglichkeit des Mikrosparens die Kreditvergabe und vergrößern die Chancen auf unternehmerischen Erfolg. Da die Kreditnehmer also in vielen Fällen nicht nur reine Kreditempfänger sind, sondern auch an anderen Finanzdienstleistungen partizipieren, wird oftmals nicht von Kreditnehmern, sondern von Klienten gesprochen. Auch innerhalb dieses Portals sprechen wir von Klienten.

Der Begriff „Unternehmen“ soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten potentiellen Klienten im informellen Sektor tätig sind, etwa im Kleinhandel, dem Überschussverkauf aus der Subsistenzlandwirtschaft oder der Produktion einfacher Erzeugnisse wie etwa Schilfmatten oder Bastkörben. Aber selbst dieses basale wirtschaftliche Handeln setzt Kapital voraus.

Fehlen Mikrofinanzinstitutionen, führt der Weg zum Produktionskapital zumeist über den lokalen Geldverleiher. Durch die extremen Zinssätze geraten die Menschen in eine Abhängigkeit, da sie sich immer wieder neu bei diesen sogenannten Kredithaien verschulden, um den alten Kredit zu tilgen. Nur allzu oft wird diese Abhängigkeit schamlos ausgenutzt. Erwirtschaftet der Klient Gewinne, werden diese durch den Geldverleiher abgeschöpft. Diese Kredithaie waren bis zum Einsatz der formellen Mikrokredite die einzige Möglichkeit der Armen, überhaupt an Kapital zu gelangen.  

Abhängigkeit wird auch von Zwischenhändlern aufgebaut, etwa wenn benötigte Rohstoffe auf Kredit und nur in kleiner Menge abgegeben werden. Die Folge für unternehmerisch aktive Arme sind sehr geringe Margen, die kaum zum Leben reichen. Gelegentlich verlangen die Zwischenhändler zudem ein Vorkaufsrecht auf das hergestellte Produkt, wobei der gebotene Preis oftmals weit unter dem normalen Marktpreis liegt. Mikrokredite können hier das notwendige Kapital bereitstellen, Rohstoffe in größerer Menge und zu besseren Konditionen einzukaufen. So werden höhere Gewinnmargen möglich, Vorkaufsrechte umgangen und höhere Verkaufspreise realisierbar.

Potentiellen Klienten mangelt es häufig an Bildung. Oftmals mussten sie ihre Schullaufbahn vorzeitig beenden, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Ausbildung und ein Beruf mit formalem Zugang blieben ihnen so verwehrt. Mangelhafte Bildung bedeutet aber häufig auch mangelhaftes betriebswirtschaftliches Wissen. Deswegen wird die Vergabe eines Mikrokredits bei gut gemachten Programmen an Schulungen gekoppelt, die auch für Analphabeten verständlich sind und einfache Regeln guter Unternehmensführung vermitteln. Gerade in ländlichen Regionen sind dafür die Wege weit und Transportmittel teuer. Deswegen werden die Klienten häufig von Mitarbeitern der Mikrofinanzinstitutionen selbst besucht, auch um eine Alternative zu den lokalen Geldanbietern sichtbar zu machen. Vor allem auf dem Land werden die Klienten der Zukunft zu finden sein.

An die Vergabe eines Mikrokredits sind in der Regel spezielle Anforderungen gekoppelt: Die Klienten müssen vor allem eine realisierbare und erfolgversprechende unternehmerische Idee verfolgen oder ausüben. Häufig werden die ersten Darlehen als Gruppenkredite vergeben. Hierfür werden mehrere Klienten in eine Gruppe zusammengefasst. Die Mitglieder bürgen gegenseitig für etwaige Rückzahlungsausfälle und unterstützen, aber kontrollieren sich auch wechselseitig. Diese soziale Kontrolle wirkt positiv auf die Rückzahlungsquote der Kredite, die ein Indikator für den Erfolg der Klienten sind. Aber auch Individualkredite erzielen hohe Rückzahlungsquoten. Sie werden häufig an Klienten vergeben, die schon mehrere Kredite innerhalb von Gruppen erfolgreich zurückgezahlt haben. Mehr dazu finden Sie unter den Punkten Mikrokredit, Gruppenmodell und Rückzahlungsquote.

Weltweit sind hauptsächlich Frauen Empfänger von Mikrokrediten. Es gibt zwar regionale Unterschiede, der Fokus der Kreditvergabe liegt aber aus einer Reihe von Gründen auf ihnen. Zum einen haben Frauen auf Grund eines im Schnitt niedrigeren Bildungsniveaus, geringerer Ausstattung mit materiellen Sicherheiten und gesellschaftlicher Marginalisierung in vielen Regionen der Welt wesentlich geringere Chancen auf die Gewährung eines klassischen Kredits als Männer. Durch Mikrofinanzprogramme werden Frauen somit gezielt gestärkt und ein Schritt hin zur Geschlechtergerechtigkeit wird getan. Der Hauptgrund dürfte aber die Erfahrung sein, dass Frauen Rückzahlungen pünktlicher und zuverlässiger leisten, als ihre Ehemänner.

Ein weiterer Aspekt spricht für die Vergabe von Mikrokrediten an Frauen: Die größte Chance auf eine Unterbrechung des Kreislaufs extremer Armut liegt in der gezielten Förderung von weiblichen Unternehmerinnen. Wenn Frauen ihre Lebensverhältnisse verbessern, verbessern sie  auch das Leben ihrer Kinder. Durch Investitionen in Nahrung und Bildung ermöglichen sie sowohl ihren Kindern als auch ihren Gemeinschaften eine bessere Zukunft. Somit erreicht man mit der Vergabe von Krediten an Frauen mehr Menschen, erzielt bei gleichem Mitteleinsatz also eine größere positive Wirkung.

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