Mikrofinanz
Der Begriff Mikrofinanz beschreibt ein breites Spektrum an Finanzdienstleistungen, die sich vor allem an ärmere Bevölkerungsschichten in Schwellen- und Entwicklungsländer richten. Denn gerade diese armen Menschen, die einen Kapitalanschub am dringendsten benötigen, sind in den meisten Fällen vom klassischen Bankenwesen und damit von Finanzdienstleistungen ausgeschlossen. Für viele bieten lokale Geldverleiher, auch Kredithaie genannt, die einzige Möglichkeit, einen Kredit zu erhalten – zu extrem hohen Zinsen. Mittellose Menschen erhalten in der Regel keine Bankkredite, denn ihnen fehlen die für die klassischen Banken notwendigen Sicherheiten. Hier setzt Mikrofinanz an.
Mikrofinanz macht es den ärmeren Menschen möglich, durch Mikrokredite Geld zu erhalten und somit in ihre eigenen kleinen Unternehmen zu investieren. Auf diese Weise können sich die Menschen in Entwicklungsländern selbstständig eine Existenz aufbauen, in dem sie z.B. einen Handel betreiben oder Waren herstellen.
Aber: Zu Mikrofinanz gehören nicht nur Kredite. Mikrofinanz umfasst weitere Mikrofinanzdienstleistungen wie auch bedarfsgerechte Sparprodukte, Versicherungen und Überweisungen. Durch einen einfacheren Zugang zu Bank- und Finanzdienstleistungen können finanzschwache Personen ihre erwirtschafteten kleinen Beträge besser sparen, ihre Familien gegen Risiken versichern oder Geldüberweisungen von im Ausland lebenden Verwandten erhalten. Sie verfügen selten über Ersparnisse, die sie in ihre Zukunft investieren können, um aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen.
Die Nachfrage nach solchen Finanzdienstleistungen von armen Menschen ist immens. Fünfhundert Millionen Menschen, die momentan in Armut leben, könnten als Mikrofinanz-Klienten beispielsweise von einem Kleinkredit zum Aus- oder Aufbau eines Unternehmens profitieren; insgesamt hat derzeit nur ein Drittel der Weltbevölkerung überhaupt Zugang zu einem Bankkonto.
Die Weltbank schätzt, dass das Mikrofinanzwesen im subsaharischen Afrika nur einen kleinen Anteil der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung erreicht. In den ärmsten Ländern dieser Region haben weniger als 10 Prozent der Bevölkerung ein Konto bei einem Finanzinstitut.
Der Kundenstamm muss also weiter ausgedehnt werden. Dabei sollten sich die Mikrofinanzorganisationen auch weiterhin vor allem an die Menschen wenden, bei denen der größte Bedarf besteht: Menschen, die vertrieben wurden; die in ländlichen Gebieten leben; die noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben.
Wenn diese Ausrichtung beibehalten wird, kann das Mikrofinanzwesen einen wichtigen Beitrag leisten auf dem Weg in eine Welt, in der benachteiligte Menschen einen gerechten Zugang zu wirtschaftlichen Möglichkeiten erhalten und Hoffnung auf eine Zukunft ohne Armut haben können.
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