Mikrosparen

Mikrosparen

Mikrosparen ist neben der Mikrokreditvergabe selbst, sowie neben dem Angebot von Versicherungen oder Schulungen eine weitere Finanzdienstleistung innerhalb der Mikrofinanz. Arme Menschen, denen der Zugang zu Finanzdienstleistungen und somit zu einem klassischen Sparkonto verwehrt ist, behelfen sich damit, auf informelle Weise zu sparen. Sie investieren in Güter wie Töpfe, Tiere oder Baumaterial, die man leicht wieder verkaufen und zu Bargeld machen kann oder verstecken ihre Ersparnisse. Diese Vorgehensweisen, um Geld anzulegen, bergen jedoch viele Risiken: Die Güter können an Wert verlieren Tiere können sterben und die Ersparnisse können gestohlen oder von anderen, z.B. von Familienmitgliedern, verwendet werden. Solche informellen Ersparnisse werden generell schneller ausgegeben, als Geld auf einem richtigen Konto.

Das sogenannte Mikrosparen ermöglicht es armen Menschen, einen kleinen Geldbetrag sicher zurückzulegen. Sparen ist wichtig, denn meist  reicht das  Einkommen der Menschen nicht aus, um unerwartete Krisen wie Krankheiten oder Naturkatastrophen zu bewältigen. Ohne Sparanlagen kann auch nicht weiter in die kleinen Unternehmen investiert werden.  Ausgaben wie Schulgebühren, Hochzeiten oder ein neues Dach lassen sich ebenfalls zumeist nur durch angespartes Kapital (Rücklagen) finanzieren.

Mikrofinanzinstitutionen wollen ihre Klienten deshalb verstärkt dazu ermutigen, einen Teil ihres kleinen Einkommens zu sparen. So können die Kunden auf finanzielle Rücklagen zurückgreifen, die sicher aufbewahrt und verzinst werden. Die Armen können stets auf ihr Konto und ihre Ersparnisse zugreifen. Ein Minimum eines Auszahlungsbetrags gibt es hier nicht, da die Klienten meist nur über geringe Summen verfügen.

Die Eröffnung eines Sparkontos wird unabhängig von der Vergabe eines Kleinkredites angeboten. Oftmals erfolgt jedoch mit der Vergabe eines Kleinkredites direkt die Eröffnung eines kleinen Sparkontos. Dabei wird der Klient dazu verpflichtet, einen gewissen Geldbetrag (in der Regel prozentual von der Kredithöhe abhängig) zu sparen. Diese Art des Mikrosparens hat den Vorteil, dass die Klienten den Wert des Sparens erkennen und im Fall von wirtschaftlichen Krisen finanziell abgesichert sind. Außerdem dienen die gesparten Erträge als Schuldensicherheit. Die Klienten erhalten nämlich erst Zugang zu ihren Ersparnissen, sobald sie ihren Kredit vollständig zurückgezahlt haben. Im Falle von Rückzahlungsausfällen können die Mikrofinanzbanken somit auf die Rücklagen zurückgreifen und vermeiden Verluste.

Des Weiteren haben Sparkonten den Vorteil, dass die Mikrofinanzinstitutionen durch die Sparanlagen der Klienten über Kapital verfügen, das sie als Kleinkredite an andere Klienten weitergeben können. Dadurch können die Mikrofinanzinstitutionen finanziell nachhaltiger wirtschaften und sind nach einer bestimmten Zeit nicht mehr auf externe Mittel zur Finanzierung, z.B. durch Spenden, angewiesen.

Doch nicht alle Mikrofinanzinstitutionen dürfen Sparanlagen annehmen. Mikrofinanzinstitutionen werden in vier verschiedene Kategorien unterteilt (Tier 1-4 Institutionen). Nur kommerzielle Banken (Tier-1 Institutionen), eingetragene Finanzinstitutionen (Tier-2 Institutionen) und „Microfinance Deposit-Taking Institutions“ (Tier-3 Institutionen) dürfen Sparkonten anbieten. Mikrofinanzorganisationen oder NGOs, die nicht von der Zentralbank reguliert werden (Tier-4 Institutionen), dürfen nur Kredite vergeben, aber keine Sparanlagen annehmen.

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