Problematik Armut

Problematik Armut

Menschen, die weniger als den Gegenwert eines US-Dollars am Tag zur Verfügung haben, gelten nach der Definition der Weltbank als extrem arm. Sie können ihre Grundbedürfnisse zum Überleben nicht befriedigen. Extrem Arme leben am Existenzminimum. Sie haben nicht genug zu Essen, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und können sich keine medizinische Versorgung leisten. Wenn die Grundbedürfnisse nur knapp gedeckt sind, spricht man von gemäßigter Armut. Laut Definition der Weltbank lebt ein Mensch in gemäßigter Armut, wenn er nur den Gegenwert von 1-2 US-Dollar am Tag zur Verfügung hat. Unter dieser Armutsgrenze leben insgesamt 40 Prozent der Weltbevölkerung. Frauen und Kinder sind besonders stark von Armut betroffen.

Ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen können sich arme Menschen kaum aus eigener Kraft aus der Armutsfalle befreien. Sie haben oft nur ihre Arbeitskraft und gute Ideen, aber es fehlt ihnen das Geld und das Know-how, um diese umzusetzen und unternehmerisch tätig zu werden. Da sie bei normalen Banken als nicht kreditwürdig gelten, sind sie auf private Geldverleiher angewiesen. Diese sogenannten Kredithaie nehmen oft Wucherzinsen, so dass die Klienten in eine Schuldenfalle geraten. Ohne Zugang zu Sparkonten können Arme auch keine Rücklagen bilden. Außerdem sind sie bei Ernteausfällen und Naturkatastrophen besonders stark betroffen, da sie keinen Zugang zu Versicherungen haben.

Für Arme in Entwicklungsländern ist der Zugang zu Finanzdienstleistungen stark eingeschränkt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sind für die Aufnahme von Krediten üblicherweise Sicherheiten notwendig. Arme Menschen, die wegen ihres geringen Einkommens keine Möglichkeiten haben, solche finanziellen Rücklagen aufzubauen, sind somit von der Aufnahme eines Kredites ausgeschlossen. Außerdem können viele arme Menschen ihr Haus oder ihr Grundstück nicht als Sicherheit für einen Kredit einsetzen, wenn sie z.B. in illegalen Slums leben, wo die Eigentumsverhältnisse nicht nachweisbar sind.

Des Weiteren ist für die Eröffnung eines Kontos oder den Erhalt eines Kredites üblicherweise ein rechtsgültiger Ausweis notwendig. In vielen Entwicklungsländern ist der Besitz eines Ausweises jedoch nicht selbstverständlich. So wird ein großer Teil der Bevölkerung von grundlegenden Finanzdienstleistungen ausgeschlossen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Beträge, die Arme sparen, überweisen oder als Kredit aufnehmen wollen, so niedrig sind, dass normale Banken diese aufgrund der hohen Betriebskosten nicht bearbeiten. Aus dem gleichen Grund müssen bei vielen Banken Mindestumsätze gemacht werden, um überhaupt ein Girokonto eröffnen zu können. Da arme Menschen aber meistens nur sehr kleine Beträge einzahlen, abheben oder überweisen, wird durch Mindestumsätze verhindert, dass sie ein Girokonto führen können.

Normale Banken vergeben auch keine Kleinkredite an Arme, da die Verwaltungskosten dafür sehr hoch sind. Für einen großen Kredit muss der Verwaltungsaufwand nur einmal aufgebracht werden. Wenn man die gleiche Menge Geld in Form von vielen Kleinkrediten verleiht, werden für jeden einzelnen Kleinkredit Verwaltungskosten fällig. Deshalb können Banken mit einem großen Kredit mehr Geld verdienen als mit vielen Mikrokrediten. Folglich werden Arme von der Kreditvergabe ausgeschlossen.

Doch nicht nur die Diskriminierung der Armen durch die Banken führt dazu, dass viele arme Menschen keine Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen können. Da die meisten Armen keinerlei Kenntnisse über Sparkonten, Versicherungen und Kredite haben, werden diese Dienstleistungen von ihnen überhaupt nicht nachgefragt. Viele Arme schrecken davor zurück, Finanzprodukte in Anspruch zu nehmen, die sie nicht verstehen. Außerdem werden Bankdienstleistungen von ihnen häufig als ein Privileg wohlhabender Menschen angesehen. In repräsentativen Bankgebäuden sind Arme oft nur ungern gesehen.

Auch die schwierigen geographischen Gegebenheiten in vielen Entwicklungsländern sind eine Ursache dafür, dass Arme keinen Zugang zu Bankdienstleistungen haben. Vor allem in ländlichen Gebieten fehlt es oft an der notwendigen technischen Infrastruktur, um Bankdienstleistungen anbieten zu können. Bankfilialen lohnen sich zumeist nur in Ballungsräumen, in denen eine große Nachfrage herrscht. In ländlichen Gebieten gibt es im Einzugsgebiet einer Filiale meist nur wenige vermögende Kunden, sodass sich diese nicht rechnet. Deshalb ist der Weg zur nächsten Bankfiliale in Entwicklungsländern, wegen schlecht ausgebauter Verkehrsnetze, lang, umständlich und teuer. Aus diesem Grund können viele potentielle Kunden das Angebot nicht wahrnehmen. Diese Einschränkungen kann man durch die sogenannten mobilen Banken jedoch weitgehend umgehen. Dabei werden abgelegene Orte regelmäßig von Mikrofinanzinstitutionen mit Lastwagen angefahren, die als mobile Bankfilialen dienen.

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