News

Arabische Mikrofinanz verfehlt Erwartungen

In einem Interview mit der libanesischen Ausgabe des Daily Star erzählte Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus im Zusammenhang mit dem arabischen Frühling dieses Jahr, Mikrofinanzfachmänner in der Arabischen Welt hätten die wahren Prinzipien des Systems „falsch gedeutet“.

Der Mikrokreditvergabe in diesen Ländern, von ihren Begründern dazu erschaffen den ‚Ärmsten der Armen’ Starthilfe zu geben und eine Lebensgrundlage zu schaffen, misslinge es die am wenigsten ermächtigten Menschen der Region zu erreichen. Dies liege hauptsächlich daran, dass die arabischen Mikrokreditgläubiger nicht selbst Finanzinstitutionen sind, was den Umfang des Kapitals, das von Gläubigern ausgegeben werden können, begrenze, erklärte Yunus.

Der als „Banker der Armen“ titulierte Yunus gründete 1983 in Dhaka, Bangladesch die erste Mikrokreditinstitution, die Grameen Bank. Die Bank wird als Höhepunkt des siebenjährigen Forschungsprojekts angesehen, in dem Yunus daran arbeitete ein Kreditsystem für die arme Landbevölkerung Bangladeschs zu kreieren.

„Mikrofinanz funktioniert. Und sie funktioniert so gut wie oder besser als andere Banksysteme“, sagte Yunus.

Er glaubt, dass das arabische Mikrofinanzsystem zwei Dinge benötigt: Erstens sollten die Gesetzgeber ein Bankgesetz für die Armen verabschieden, was die Mikrokreditvergabe von einer wohltätigkeitsähnlichen Angelegenheit zu einem Finanzsektor umgestaltet. Zweitens sollte die Regierung eine Mikrofinanz-Aufsichtsbehörde erschaffen, welche die Normen für Zinssätze und Standards für die Qualität des Services festlegt.

Tunesien, der wahre Geburtsort des Arabischen Frühlings, sei ein Beispiel von misslungenen arabischen Mikrokreditpraktiken. Obwohl der abgesetzte Alleinherrscher Zine al-Abidine Ben Ali Mikrofinanz durch die Banque Tunisienne du Solidarite formalisiert hat, finden laut Yunus die Transaktionen durch ein „Wohltätigkeits-Fenster“ statt, was die Gelder begrenze.

Eine Mikrofinanzinstitution, die als echte Bank fungiert, könne besser Kredite anbieten, weil sie ihre Gelder sich selbst erwirtschaften kann. Von Spendern abhängig zu sein bedeute umgekehrt, dass die Hilfsgelder nicht beständig sein können.

Während Tunesiens Mikrokredit-Programm, welches als das größte in der arabischen Welt angesehen werde, „nur einen Bruchteil“ der Armen unterstützen könne, versorgen Bangladeschs MFIs mehr als 80 Prozent der Armen dort.

Einige Mikrofinanz-Gurus haben mit etwas Ironie festgestellt, dass der arabische Frühling durch einen Mikro-Entrepreneur ausgelöst wurde: Mohamed Bouazizi, der tunesische Gemüseverkäufer, der sich selbst in Brand setzte nachdem er von der Polizei misshandelt wurde. Es wurde als ein Testament der Unzulänglichkeit der Mikrofinanz in diesem Land gesehen, welches weithin von der entwickelten Welt für seine liberalen wirtschaftlichen Modelle bejubelt wurde.

Yunus gibt zu, dass dieses Konzept „keine Patentlösung“ im Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit ist. Aber es sei ein mächtiges Instrument, mit ähnlichem Ausmaß wie die Informationstechnologie, die die Wut der Jugend auf ihre Herrscher entfesselte.

Yunus setzt mit einem Gleichnis fort: Mikrofinanz gebe südasiatischen Frauen, die darum kämpfen über die Runden zu kommen, die Selbstbestimmung über ihr eigenes Leben. IT habe die Jugend befähigt, von der strikten Überwachung der Regierung loszubrechen. Sie seien auf derselben Seite der Medaille.

„Diese Freiheit, dieses Abbrechen der Verbindung – der Nabelschnur – ist es, die entsteht, wenn Gesellschaft beginnt sich zu entwickeln, und das ist, was durch Mikrofinanz und IT geschieht.“

Und es wird von dem demokratischen Aufstand, den wir über die arabische Welt hinwegfegen sahen, einen großen wirtschaftlichen Lohn zu ernten geben, sagte Yunus.

„Es gibt ein fehlendes Verbindungsstück.“

Es ist eine rohstoffreiche Region, aber dennoch greift Armut um sich. Die Jugend könne dieses Missverhältnis durch demokratische Veränderungen korrigieren, äußerte er. Die arabische Geschichte, so Yunus, sei voller Beispiele sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungen. Die Jugend habe die Chance, die Vergangenheit wiederzubeleben.

Quelle: www.dailystar.com

Weitere News:


Mikrofinanzprojekt des Monats
Zugang zu Mikrokrediten für „working poor“: Die AFOS-Stiftung fördert das Mikrofinanz-Netz in Nigeria
Zugang zu Mikrokrediten für „working poor“: Die AFOS-Stiftung fördert das Mikrofinanz-Netz in Nigeria

Die AFOS-Stiftung unterstützt Mikrofinanzbanken in Nigeria, um eine langfristige positive Auswirkung im sozioökonomischen Sektor zu erlangen ...mehr

Mikrofinanz-News
15.05.2019 – Invest in Visions: Zwei Millionen Dollar für Mikrofinanzprojekte auf Haiti ...mehr
09.05.2019 – DEG unterstützt als neuer Anteilseigner das Mikrofinanzinstitut BRAC Uganda Microfinance Ltd. ...mehr
03.05.2019 – Der European Microfinance Award unterstützt Organisationen unter dem diesjährigen Thema „Strengthening Resilience to Climate Change“ ...mehr
24.04.2019 – Togo verzeichnet 2018 den höchsten Anstieg der Geldeinlagen bei Mikrofinanzinstituten innerhalb der UEMOA ...mehr
12.04.2019 – Invest in Visions: Nachhaltige Entwicklung und Riesen-Projekt „Neue Seidenstraße“ sollten Hand in Hand gehen ...mehr
Weitere News
Nächste Termine
30.05. - 31.05.19: MFC Annual Conference "Demystifying Digital in Microfinance" ...mehr
03.06. - 05.06.19: EUROPEAN RESEARCH CONFERENCE ON MICROFINANCE ...mehr
Weitere Termine