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Chancen für die Weltgemeinschaft

Ein Kommentar von Michael P. Sommer, Direktor Auslandskunden der BANK IM BISTUM ESSEN eG

Mikrofinanz ist wichtiger denn je in einer Zeit, in der es offenkundig ist, dass die wirtschaftlichen Rückschläge durch eine Pandemie gerade auch die Kleinstunternehmer treffen und diejenigen, die sich gerade aus der größten Armut herausgearbeitet haben. Dabei ist es schon absurd, dass die Vernetzung der Welt, das „kleiner“ werden, das „Zusammenrücken“ der Völker gleichzeitig Kräfte freisetzt, die auf Abschottung und Vereinzelung abzielen. Wer die Weltgemeinschaft als Gemeinschaft ignoriert, denkt nicht nur ökonomisch rückwärtsgewandt, sondern gefährdet auch den Frieden.

Gemeinschaftliches Handeln mit und für den Anderen ist ein Beitrag zur Gerechtigkeit in der Welt. Gerechtigkeit schafft Frieden gehört deshalb mehr denn je zur Überzeugung der BIB für ein verantwortungsbewusstes unternehmerisches Tun. Dies wird umgesetzt in der Nachhaltigkeitsstrategie, die neben der finanziellen auch die soziale und ökologische Nachhaltigkeit umfasst. „FairBANKing“ ist dafür die Übersetzung in unserem Logo.

So verstehen wir auch unseren Geschäftsbereich Mikrofinanz. Glaubwürdig, weil wir eigenes Know-how aufgebaut haben, konsequent in der Finanzierung von Opportunitäten für ökonomisch arme Menschen und langfristig in unserer Unternehmensstrategie eingebunden schaffen wir Chancen für Hunderttausende Menschen weltweit, sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Dies bewirkt  Perspektiven für die Menschen und ihre Familien in ihrem eigenen Land, ihrem Umfeld und ihrer Heimat. Der Zugang zu Bildung, Gesundheit, beruflichen Chancen und gesellschaftlicher Teilhabe ist eine Grundvoraussetzung zu mehr Gerechtigkeit. Dies führt zu Entwicklung in benachteiligten Regionen und Strukturen – weshalb Mikrofinanz Teil der Entwicklungsfinanzierung ist. Entscheidend ist dabei die Tatsache, dass im Bereich der Mikrofinanz den Endkunden auf Augenhöhe begegnet wird, indem – sicher aufgrund von überprüften persönlichen Rahmenbedingungen – man ihnen den Willen und die Fähigkeit zu wirtschaftlichem Handeln zubilligt. Dies hat neben allem kreditmateriell notwendigen Prüfungshandeln auch etwas mit glauben und vertrauen zu tun – nicht umsonst kommt der Begriff Kredit von credere = glauben, vertrauen!

Den Menschen in einer Notlage solidarisch zu helfen, ist wichtig – notwendig ist es aber, ihnen ein Leben in Würde durch ihre eigene Arbeit zu ermöglichen. So hat es vor jetzt fünf Jahren Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si“ (Ziff. 128) beschrieben. Darum sind wir als BIB von dem gesellschaftlichen Mehrwert unserer Arbeit überzeugt. Gerechtigkeit schafft Frieden – nicht umsonst hat Mohamed Yunus für seine Mikrofinanzarbeit in Bangladesh den Friedensnobelpreis bekommen und nicht den Wirtschaftsnobelpreis. Man kann es auch in den heutigen politischen Sprachgebrauch übersetzen: Vor Ort im Bereich Entwicklung und Gerechtigkeit zu arbeiten ist im besten Sinne Fluchtursachenbekämpfung und auch hier zeigt sich, dass dies mit privatwirtschaftlichen Instrumenten und sozialer Verantwortung besser gelingt als durch entmündigende planwirtschaftliche Konzepte oder bloßer Staatsfinanzierung.

Dies ist aber nur möglich, wenn man die Welt als Gemeinschaft versteht. Selbstverständlich hat dies nichts mit sinnvollen Überlegungen im Hinblick auf Produktionsketten und Abhängigkeiten in bestimmten Bereichen zu tun.  Aber in Europa erleben wir derzeit die längste Friedenszeit unserer Geschichte – nicht, weil jeder nur auf sich selbst geschaut hat, sondern weil weitsichtige Menschen die Stärke eines gemeinschaftlichen Handelns sahen. Dies ist auch das Prinzip der Genossenschaft – womit wir bei der Rechtsform der BIB sind. Es passt zusammen: die Selbsthilfe in der Gemeinschaft und der Blick auf den Anderen schaffen wirtschaftlichen Erfolg und zugleich gesellschaftlichen Mehrwert. Deshalb ist die Finanzierung von Mikrofinanzinstituten auch ein Dienst an der Weltgemeinschaft, der neben dem finanziellen Ertrag auch Ausdruck von verantwortungsbewusstem gesellschaftlichen Handeln im In- und Ausland ist.

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