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Islamische Mikrofinanz in Kirgistan

In einem Interview mit Zamir Pusurov, dem Direktor von Kompanion Invest – einem islamischen Mikrofinanzinstitut (MFI) – werden die Herausforderungen dargestellt, denen sich eine Schariafreundliche MFI stellen muss, um als vollkommen Shari’a-treues Institut zu gelten. Außerdem schildert er die besondere Situation, der sich ein islamisches Finanzinstitut in Kirgistan stellen muss.

Mikrofinanz nach den Standards der Scharia

Da Kompanion Invest ein Tochterunternehmen der „Kompanion Financial Group“ ist, die keine muslimische Finanzwirtschaft betreibt, ist es besonders schwer für Kompanion Invest, sich als 100% Scharia konformes Mikrofinanzinstitut zu etablieren. In Kirgistan sind 95% der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Zamir Pusurov beschreibt, warum die Lage islamischer Finanzinstitute, und besonders die Lage von Kompanion Invest, in Kirgistan trotzdem sehr schwierig ist.

Kompanion Invest arbeitet im Rahmen der kirgisischen Regierung, um die Armut im Land zu bekämpfen. Im Unterschied zu herkömmlicher Mikrofinanz basiert das Wirtschaften auf den Prinzipien der Scharia. Diese Gesetze verbieten es zum Beispiel, dass sich die Menschen durch das Verleihen von Krediten bereichern und somit Geld durch Kapital verdienen, anstatt mit Arbeit im herkömmlichen Sinne. Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Finanzdienstleistungen auf Basis der Scharia Gesetze. Kompanion Invest arbeitet mit der Murabaha Finanzierung. Für die Alternative, Musharaka Finanzierung, benötigen die Kunden spezielle Schulungen, da es sich um ein recht kompliziertes Finanzkonzept handelt. Da der Kundenstamm von Kompanion Invest noch recht klein ist, wäre der Aufwand für Musharake Produkte zu groß und Kompanion Invest arbeitet vorerst nur mit Murabaha Produkten.

Islamische Finanzprodukte nicht nur für Muslime

Obwohl sich die Finanzprodukte von Kompanion Invest an Muslime richten, nehmen auch viele Menschen anderer Religionen die Produkte in Anspruch, da die Menschen oftmals schlechte Erfahrungen mit herkömmlichen Finanzinstituten gemacht haben. Somit ist das Verlangen nach einer moralverbundenen, ehrlichen Bank sehr groß, auch wenn sie sich unter die Prinzipien einer anderen Religion stellt. Die meisten Kunden nutzen die Kredite für geschäftliche Investitionen, als Kredite für kleine Geschäfte oder um Reparaturen an Haus oder Gerätschaften zu finanzieren. Kompanion Invest vergibt das Geld an Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau. Es ist nötig, so erklärt Pusurov, dass auch an Menschen mit mittlerem Einkommen Kredite vergeben werden, denn die Vergabe von sehr geringen Beträgen ist teurer und somit muss das MFI auch mit Menschen mit mittlerem Einkommen arbeiten, die nicht direkt von der Armut betroffen sind, um sich als Bank am Leben erhalten zu können.

Zwischen Scharia und säkularem Staat

Kompanion Invest hat gerade ein Abkommen mit der „Association of Muslim People“ unterzeichnet, indem sie sich verpflichten nur im Sinne der Scharia zu handeln. Auch die Nationalbank Kirgistans unterstützt sie bei diesem Vorhaben. Allerdings gehen damit auch neue Herausforderungen einher, wie das Finden geeigneter Investoren. Denn Kompanion Invest darf keine Gelder von den herkömmlichen Investoren annehmen. Dies entspräche nicht den Gesetzen der Scharia und so bleibt nur der Weg über die islamische Entwicklungsbank (IDB). Diese aber vergibt Investitionen nur an eindeutig Shari’a konforme Unternehmen. Dafür müssen allerdings gewisse Anforderungen erfüllt werden, zum Beispiel, dass die Mehrheit der Mitarbeiter muslimisch sein muss und auch die muslimischen Kleidungsvorschriften müssen eingehalten werden.

Nicht alle Bedingungen können von Kompanion Invest erfüllt werden. Aber Kompanion plant im nächsten Jahr mit der IDB zusammenzuarbeiten und sich so auch mehr von der Kompanion Finanzgruppe zu lösen, von denen sie zurzeit noch finanziert werden. Pusurov schätzt, dass Kompanion im Moment zu 95% Scharia konform ist. Der Ausbau ist zwar geplant, aber durch den säkularen Staat Kirgistan wird dem islamischen Mikrofinanzinstitut die Durchführung nicht unbedingt erleichtert.

Man sieht, die Nachfrage nach diesen Produkten ist groß und der Markt ausbaubar, allerdings müssen diese religiös motivierten Institute mit ganz anderen Herausforderungen umgehen können als die konventionellen Finanzinstitute. Dies bedeutet natürlich Einbußen in der Wettbewerbsfähigkeit, aber Pusurov sieht die Zukunft optimistisch, denn die Nachfrage nach moralisch vertretbaren Finanzgeschäften wächst stetig.
 

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