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Kann Mikrofinanzierung bei der Bewältigung sanitärer Probleme helfen?

Sanitäranlagen sind in Entwicklungsländern keine Selbstverständlichkeit. Zur Bewältigung von sanitären Problemen kann Mikrofinanzierung eine fundamentale Rolle spielen, wie der von Sophie Trémolet und Goufrane Mansour verfasste Beitrag auf theguardian.com berichtet.

Viele Haushalte in Entwicklungsländern haben keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zu Finanzdienstleistungen, sodass sie bei der Finanzierung einer hauseigenen Toilette häufig auf sich alleine gestellt sind. Wie kostspielig der Bau einer Toilette sein kann, zeigen Untersuchungen in Tansania, die aufzeigen, dass dieser 112% des jährlichen Einkommens eines armen Haushalts betragen kann. Dementsprechend ist es sehr wichtig, die Haushalte bei der Finanzierung durch Kredite zu unterstützen, um die Bewältigung sanitärer Probleme voranzutreiben.

Die Bestrebungen der Landesregierungen, die Haushalte zu Investitionen in sanitäre Anlagen zu bewegen, hatten in der Vergangenheit nur begrenzten Erfolg, da der mangelhafte Zugang zu finanziellen Ressourcen meist unberücksichtigt blieb. Im Zuge des Wettbewerbs zwischen den Anbietern von Mikrofinanzdienstleistungen sowie der Zunahme von mobilem Banking und digitalen Finanzangeboten, ist die Versorgung mit Finanzmitteln in Entwicklungsländern in den letzten Jahren verbessert worden. In den letzten sieben Jahren hat auf Basis einer verbesserten Dokumentation der sanitären Versorgung sowie eines erhöhten Interesses bezüglich dieser Thematik auch die Mikrofinanzierung von Projekten in dieser Branche zugenommen.

In diesem Zusammenhang fand eine Studie der Gates-Stiftung 2008 heraus, dass 125 Millionen Haushalte daran interessiert sind, einen Kredit für die Wasser- oder Sanitätsversorgung aufzunehmen. Auch zeigt die Studie, dass die Nachfrage nach Krediten für sanitäre Anlagen am Größten ist, wobei 70% dieser potentiellen Kreditnehmer aus ländlichen Gebieten Südasiens stammen. Obwohl Kredite für Sanitäranlagen in der Regel kein Einkommen für die Kreditnehmer generieren, können sie das vorhandene Einkommen signifikant erhöhen, da eine bessere sanitäre Versorgung die Kosten für die medizinische Versorgung sowie die durch Krankheit verlorenen Arbeitstage reduziert und die Arbeitsproduktivität erhöht.

Auch zeigen die von den Autoren durchgeführten Untersuchungen, dass kleine Subventionen als Lösungsansatz dazu dienen können, das Interesse und die Kapazitäten der Mikrofinanzorganisationen im Bereich von Sanitäranlagen zu erhöhen. Für eine langfristige Zunahme solcher Aktivitäten ist allerdings Unterstützung vonnöten. Diese könnte in den Bereichen Marktforschung, Entwicklung günstiger Regulierungssysteme oder der Bereitstellung von Finanzierungskapital zur Förderung der Kreditvergabe stattfinden. Die Studien zeigen darüber hinaus, dass kein allgemeingültiger Ansatz existiert, die sanitäre Versorgung durch Mikrofinanzierung zu unterstützen, da jede Mikrofinanzinstitution diese Branche auf eine andere Art und Weise erreicht. Die Mikrofinanzinstitute müssen diesbezüglich eigene Strategien entwickeln, welche die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Länder berücksichtigen. Die Autoren empfehlen eine schrittweise Vorgehensweise, um den Markt besser verstehen zu können und zu ermitteln, wie sie die Kunden zielgerichteter unterstützen können.

Um die Mikrofinanzierung im Bereich der sanitären Versorgung weiter voranzutreiben, muss insbesondere die Auswirkung der Kredite auf die Verbraucher verstanden werden. Darüber hinaus muss herausgefunden werden, wer solche Kredite bezieht: Werden die ärmsten Haushalte einbezogen oder sind diese von der Kreditvergabe ausgeschlossen?

Mikrofinanzierung ist nicht die einzige Antwort für eine Verbesserung der sanitären Situation in Entwicklungsländern, kann allerdings einen Lösungsansatz zur finanziellen Unterstützung von Haushalten darstellen. Hierzu müssen Wirkungsmechanismen verstanden und Kredite zielgerichtet eingesetzt werden.
 

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