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Oikocredit-Wissenschaftspreis: Interview mit den Gewinnern

Der Oikocredit-Wissenschaftspreis 2012 wurde an Dr. Fleur Wouterse (34) und Dr. Gian Nicola Francesconi (36) für ihre Studie zum Potential von Agrargenossenschaften und kleinbäuerlicher Landwirtschaft in Afrika verliehen.

Die Preisträger mit Jury-Mitgliedern in Berlin

Die Autoren erhielten die Auszeichnung für die beste wissenschaftliche Nachwuchsarbeit am 22. März im Rahmen der internationalen Tagung “Genossenschaftliche Antworten auf globale Herausforderungen” an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Konferenz zählt zu den wichtigsten akademischen Ereignissen im „Internationalen Jahr der Genossenschaften 2012“.

Die beiden Forscher aus den Niederlanden und Italien, die derzeit für das International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Dakar (Senegal) arbeiten, untersuchten 500 landwirtschaftliche Genossenschaften in Ghana speziell im Hinblick auf deren Führungsstrukturen.
Im Anschluss an die Preisvergabe interviewte Oikocredit die beiden Wissenschaftler:

Oikocredit: Können Sie bitte einige Kernaussagen Ihrer Studie benennen?

Gian Nicola Francesconi: Kleinbäuerliche Genossenschaften und Organisationen spielen eine entscheidende Rolle für die ländliche Entwicklung in weiten Teilen Afrikas. Doch wenig ist bisher darüber bekannt, wie sie funktionieren. Genossenschaften sind komplexe Organisationen, aber Leitung und Management werden oft von ländlichen Eliten und Bauern ausgeführt, denen die notwendigen Kenntnisse fehlen. Nur wenige dieser Genossenschaften erreichen daher ihre sozio-ökonomischen Ziele.
Fleur Wouterse: Wenn die Genossenschaften erfolgreich arbeiten und gemeinschaftliches Handeln voranbringen wollen, müssen auch die Mitgliederstruktur und die gemeinsamen Investitionen besser aufeinander abgestimmt sein.

O.: Welche Rolle kann eine internationale Kreditgenossenschaft wie Oikocredit spielen?

G. N. F.: Zunächst sollte sie Partnerorganisationen dabei begleiten, realistische Geschäftspläne zu erarbeiten, die auf den Bedürfnissen und Erwartungen der Kleinbauern beruhen. Außerdem haben wir eine Typologie mit vier Arten von Genossenschaften entwickelt, die auch dabei helfen kann, jene Partner zu finden, die wirklich Unterstützung benötigen.  

Fleur Wouterse: Marktzugang ist ein wichtiges Thema. Viele Kleinbauern verkaufen ihre Produkte direkt an Zwischenhändler, selbst wenn sie Mitglieder von Genossenschaften sind. Wenn Genossenschaften durch Kredite auch das Kapital für Vorfinanzierungen hätten, könnten sie leichter die Produkte ihrer Mitglieder ankaufen und dann gebündelt zu besseren Preisen und Konditionen auf den Markt bringen.

O.: Die Zusammenarbeit zwischen Oikocredit und den Projektpartnern beinhaltet auch die Möglichkeit zu Fortbildungen. Welche Rückschlüsse liefert Ihre Studie dazu?

F. W.: Es sollte einen Fokus auf effiziente Trainingsprogramme für Führungskräfte wie auch für Mitglieder von Genossenschaften geben. Konzentriert man sich nur auf die Führungskräfte, verfestigt man eher überkommene Machtstrukturen, statt die Mitglieder wirklich in die Mitgestaltung der Genossenschaft einzubeziehen. Außerdem sollte es neben technischen Themen wie Buchführung auch um Aspekte wie Motivation, Kommunikation und Transparenz gehen.
G.N.F.: Solche Ausbildungsprogramme und ihre weitere inhaltliche Ausgestaltung müssten längerfristig auch an afrikanischen Universitäten verankert werden.

O.: Wo werden Genossenschaften im ländlichen Afrika in fünf Jahren stehen?

F. W.: Wir sind davon überzeugt, dass strukturelle Veränderungen in Afrika auf der Weiterentwicklung des landwirtschaftlichen Sektors und Vertriebs beruhen müssen. Dabei werden Genossenschaften eine entscheidende Rolle spielen und Kleinbauern könnten so in diesen Umgestaltungsprozess einbezogen werden, an den Märkten teilhaben und Vorteile aus den Entwicklungen ziehen.
 
Interview: Karl Hildebrandt

 

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