Zugang zu Mikrokrediten für „working poor“: Die AFOS-Stiftung fördert das Mikrofinanz-Netz in Nigeria

Zugang zu Mikrokrediten für „working poor“: Die AFOS-Stiftung fördert das Mikrofinanz-Netz in Nigeria

Organisation
AFOS-Stiftung für Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit
Projektname
Pilotprojekt AFOS-Stiftung in Zusammenarbeit mit der LAPO-Mikrofinanzbank
Projektland
Nigeria
Projektbeschreibung
Das Ziel des Projekts ist die Stärkung des nigerianischen Mikrofinanzbanken-Sektors zur Verbesserung des Zugangs zu bedarfsgerechten und günstigen Finanzdienstleistungen.
Partner & Geber
Unterstützender deutscher Verbandspartner: Bund Katholischer Unternehmer e.V. (BKU), Lokale Partner: Nigerianische Mikrofinanzplattform (NMP) und Mikrofinanzbanken ACCION MFB (Lagos), FORTIS MFB (Abuja), HASAL MFB (Abuja), LAPO MFB (Lift Above Poverty) Organization) MFB (Benin City und Lagos);
Laufzeit
2012-2015 und 2015-2019

 

Situation in Nigeria

In Nigeria, einem der bevölkerungsreichsten Länder Afrikas, leben mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in großer Armut. Das starke soziale und wirtschaftliche Ungleichgewicht ist zurückzuführen auf die langjährige Militärherrschaft und die einseitig ausgerichtete Wirtschaft, einschließlich der Jahrzehnte lang vernachlässigten Landwirtschaft. 

Das rohstoffreiche Land hat zwar seit einigen Jahren überwiegend stabiles Wirtschaftswachstum zu verzeichnen – davon profitiert jedoch nur eine kleine Elite, während mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in höchster Armut lebt. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit ca. 53 Jahren eine der niedrigsten der Welt; die Kindersterblichkeit überdurchschnittlich hoch. 

Durch Erdgas- und Erdöl-Exporte werden zwar hohe Einnahmen erzielt, die inländische Produktion und der Agrarbereich werden demgegenüber stark vernachlässigt. Es gibt daher kaum Arbeitsplätze für die stark wachsende Bevölkerung, weshalb die Jugendarbeitslosigkeit – vor allem in den ländlichen Gebieten – extrem hoch ist. Darüber hinaus ist die Demokratie nicht nur gefährdet durch starke Korruption, auch die grausame Terrorgruppe Boko Haram bringt seit Jahren große Unsicherheit ins Land. Dies alles sind Gründe für den starken Migrationsdruck, durch den sich insbesondere junge Männer auf der Suche nach einer Zukunftsperspektive auf die oft lebensgefährliche Reise nach Europa begeben. 

 

Wo ist ein Entwicklungsbeitrag nötig?

Aus Sicht einer Stiftung für unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit sieht AFOS-Stiftung die Notwendigkeit der Schaffung von Arbeitsplätzen - vor allem im benachteiligten, ländlichen Raum. Gleichzeitig müssen die Arbeitskräfte gut aus- und weitergebildet werden, denn eine motivierte und gut qualifizierte junge Bevölkerung ist der Motor für sozioökonomisches Wachstum. Um dies zu erreichen, ist ein notwendiger Faktor der Zugang zu geeigneten Finanzdienstleistungen sowie auch die professionelle Ausbildung von Führungskräften und Nachwuchsführungskräften im Mikrofinan-zen-Bereich.

Im nigerianischen Mikrofinanzsektor, der von 8 großen nationalen Mikrofinanzbanken dominiert wird, ist derzeit eine sehr geringe Kreditvergabe an die lokale Wirtschaft und die geringe Eigenkapitalbasis kleinerer Mikrofinanzbanken zu bemängeln. Außerdem gibt es kaum ausreichend günstige und kundenorientierte Produkte für kleine Unternehmen und dies bei extrem hohen Zinsen und mangelnder Transparenz.

Die Umsetzung eines auf kleinere Unternehmen Nigerias ausgerichteten Spar- und Kreditwesen-Projekts der AFOS Stiftung, ihr ‘Mikrofinanzbanken-Projekt‘, zielt auf die Verbesserung dieser Situation ab.

 

Ziele und Erfolge des AFOS Mikrofinanzbanken-Projekts 

Das Ziel dieses AFOS Projekts in Nigeria ist die Stärkung des nigerianischen Mikrofinanzbanken-Sektors zur Verbesserung des Zugangs zu bedarfsgerechten und günstigen Finanzdienstleistungen. Die End-Zielgruppe sind dabei Arme und sogenannte “working poor“ entlang der Agrarwertschöp-fungsketten;  das Projekt-Oberziel ist die Verbesserung der sozioökonomischen Lage von Familien mit geringem Einkommen sowie der Leistungsfähigkeit kleiner Unternehmen, insbesondere im ländlichen Raum, für Frauen und Jugendliche.

AFOS Stiftung arbeitet in diesem Projekt mit vier großen nigerianischen Mikrofinanzbanken zusammen: LAPO MFB (Lift Above Poverty Organization) in Benin City und Lagos, ACCION MFB in Lagos, sowie FORTIS MFB und HASAL MFB, beide in Abuja. Diese Banken sind Mitglieder der Nigerianischen Mikrofinanzplattform (NMP), die zusammen mit AFOS Stiftung im Rahmen des Projekts gegründet wurde. Die auf der Plattform erarbeiteten Ergebnisse werden dem gesamten Mikrofinanzbanken-Sektor zur Verfügung gestellt. Insgesamt betreut AFOS Stiftung bis zu sieben Mikrofinanzbanken, deren Kundenzahl innerhalb der Projektlaufzeit um 30% gesteigert werden konnte. Außerdem ist es bis Ende 2017 bereits gelungen, den Zinssatz für Mikrokredite von über 70% auf 40% zu senken, sodass Mikro-Kredite für kleine Unternehmen deutlich günstiger sind.  

Weiterhin werden intensive Qualifizierungsprogramme für Führungskräfte und Nachwuchsführungs-kräfte zur Managemententwicklung durchgeführt, wobei ein Schwerpunkt auf Internalisierung der Unternehmenswerte (Integrität, Kundenzentrierung, Exzellenz, Innovationskraft und Einfachheit) gelegt wird. In Arbeit ist außerdem die Gründung eines Microfinance Learning & Development Centres (MLDC) für den nigerianischen Mikrofinanzbanken-Sektor.  Das MLDC wird u. a. Ausbildungs-, Weiterbildungsschulungen anbieten und durchführen sowie die NMP organisieren. 

 
 
Das Titelbild zeigt:
Lagos – Während einer Sitzung der Credit-Union „Grace God“, die im Rahmen des AFOS-Projektes zur Organisation der Mikrokredit-Rückzahlungen mitermöglicht wurde

 


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