Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband untersützt die Förderung von KKMU durch gewerbliche Darlehen und MicroScore

Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband untersützt die Förderung von KKMU durch gewerbliche Darlehen und MicroScore

Organisation
DGRV – Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V.
Projektname
BMZ: Genossenschaftliche Ausbildung in Mexiko, El Salvador und Nicaragua
Projektland
El Salvador
Projektbeschreibung
In Mexiko, El Salvador und Nicaragua werden genossenschaftliche Strukturen im Finanz- und im realen Sektor gestärkt und die spezifischen Rahmenbedingungen verbessert. Integrierte Systeme der genossenschaftlichen Selbsthilfe werden weiterentwickelt und ermöglichen genossenschaftlich organisierten Zielgruppen die Teilhabe an der Wertschöpfung, am wirtschaftlichen Fortschritt und die Steigerung bzw. Absicherung von Einkommen sowie gesellschaftliche Teilhabe. Spar- und Kreditgenossenschaften sowie landwirtschaftliche Genossenschaften sollen breiten Bevölkerungsschichten Zugang zu Finanzdienstleistungen und Märkten des Realsektors eröffnen. Zu diesen gehören als Zielgruppen des Projektes insbesondere KKMU wie z. B. Handwerker, Gewerbetreibende und Bauern v. a. aus ärmeren Schichten in städtischen Randgebieten und ländlichen Regionen. Diese, durch fehlenden Zugang zu Bezugs- und Absatzmärkten und der nur geringen Teilhabe an der Wertschöpfung benachteiligten KKMU und Bauern sollen durch den Zusammen- schluss in Genossenschaften ihre Situation verbessern können und in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit gefördert werden. In der Projektregion tragen Frauen große wirtschaftliche Verant- wortung und sind überdurchschnittlich in Genossenschaften engagiert; ihre wirtschaftliche und soziale Kompetenz trägt in erheblichem Maße zu strukturellen Veränderungen bei.
Partner & Geber
Geber ist BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Mittler sind SKG, Bezugs- und Absatzgenossenschaften sowie sonstige Genossenschaften, die Teil realwirt- schaftlicher Wertschöpfungsketten sind und deren Sekundäreinrichtungen, Genossenschaftsverbände, überregionale Interessenvertretungen und weitere subsidiäre Unternehmen. Auch staatliche Organisationen, Behörden (z. B. Bankenaufsicht) sowie relevante politische Entscheidungsträger der einzelnen Projektländer sind Mittler. Wichtig für die Strukturentwicklung des Sektors sind auch Multiplikatoren, v.a. Dozenten und Berater.
Laufzeit
Seit 2000, aktuelle Laufzeit: 2014-2016

José Gilberto Rosales Mendoza, 53 Jahre alt, ist stolz auf seine Bäckerei, die er in 2. Generation von seinem Vater übernommen hat. Die Brötchen kommen seit 35 Jahren aus traditionell handwerklicher Herstellung. Der Besitzer der Kleinbäckerei in der salvadorianischen Stadt Santa Ana geht zum Holzofen und zeigt uns eines der 62 Bleche auf denen die Brötchen gebacken werden. „Wir fertigen täglich um die 1.500 Brötchen.“

José Gilberto ist bereits seit 12 Jahren Mitglied der Spar- und Kreditgenossenschaft (SKG) ACACI, da er vom Genossenschaftswesen überzeugt ist. Er wollte sich aktiver an den Entscheidungsprozessen beteiligen und aufgrund seines Engagements wählte ihn die Generalversammlung vor drei Monaten in den Aufsichtsrat. Als besondere Merkmale von ACACI nennt er den fairen und transparenten Zugang zu Finanzdienstleistungen, zu Aus- und Weiterbildungsprogrammen, die Möglichkeit der aktiven Teilnahme der Mitglieder am Genossenschaftsleben, sowie eine Krankenversicherung für Mitglieder. Die SKG gewährte seinem Betrieb einen Kredit über 2.000 US $ (Laufzeit 12 Monate, mtl. Zinssatz 2,83%), um Rohmaterialien für die Aufstockung seiner Produktion zu erwerben. Dies hört sich auf den ersten Blick unvorteilhaft an, jedoch sind die Zinssätze der Konkurrenz bedeutend höher. Auf die Frage, ob er bereit wäre einen weiteren Kredit aufzunehmen, antwortete er: „Ja, weil dieser mir die Möglichkeit bieten wird mein Geschäft noch weiter auszubauen.“

Die Genossenschaft ACACI ist in Santa Ana ansässig, der zweitwichtigsten Stadt im Norden El Salvadors mit ungefähr 250.000 Einwohnern. 1972 wurde die Genossenschaft wurde von 21 Mitgliedern gegründet und ist bis heute auf 6.200 Mitglieder, 23 Mitarbeiter und einer Zweigstelle angewachsen. Besonders bemerkenswert ist, dass 80% der Genossenschaftsmitglieder Frauen sind, die ihren Lebensunterhalt als Klein- bzw. Kleinstunternehmerinnen verdienen.

ACACI ist Mitglied des 1966 gegründeten Genossenschaftsverbandes FEDECACES. Dieser Partner des DGRV zeichnet sich durch ein strukturiertes Verbands- und Verbundsystem aus, dem 32 SKG mit 184.000 Mitgliedern angeschlossen sind. Durch den DGRV beraten, initiierte FEDECACES im Jahr 2013 ein Projekt zur Förderung von KKU durch Betriebsmittel und Investitionskredite unter Anwendung der DGRV-Software „MicroScore“. Das Programm berücksichtigt die speziellen Gegebenheiten von Kleinst- und Kleinunternehmern/-innen in El Salvador. Das Scoring-Modell ermöglicht es, die Prüfungsprozesse hinsichtlich der Kreditanträge effizienter und risikoorientierter zu gestalten. An diesem Projekt nehmen bisher sechs Genossenschaftsbanken, u.a. ACACI und ACECENTA, teil. Weitere vier werden demnächst hinzukommen. Im Oktober 2014 nahm die Geschäftsführerin von ACACI, Cecilia Salazar, eine umfangreiche Neustrukturierung der Kreditprodukte für KKU vor. Zuvor hatte die Genossenschaft, aufgrund von Defiziten in den Kreditprozessen (Mikrokredite wurden bisher nach den vereinfachten Regeln von Konsumentenkrediten vergeben und registriert, so dass auch keine kundenorientierte Betreuung der Kleinstunternehmer/-innen stattfand), mit hohen Rückzahlungsverzögerungen bzw. -ausfällen zu kämpfen und die Kunden mussten lange Bearbeitungszeiten hinnehmen. Die Genossenschaft bildete daher drei Kreditberater aus, ernannte eine Projektverantwortliche, initiierte Marketingmaßnahmen und legte den Fokus auf eine verbesserte Anwendung des DGRV Scoring-Modells Microscore. Der Kredit an einen Kleinunternehmer/-in beträgt durchschnittlich rund 2.500 US $. Als Resultat des Projektes nahmen die Darlehen an KKU im Jahr 2015 bei ACACI um 30 % zu, während sich das Kreditausfallrisiko deutlich reduzierte.  

Ein weiteres Mitglied der Genossenschaft ACACI ist Frau Candy Elizabeth Escalante Blanco. Die 33jährige Physiotherapeutin und ist seit fünf Jahren stolze Besitzerin ihrer eigenen Behandlungsräume CRISA (Centro de Rehabilitación integral de Santa Ana). Seit Januar 2015 ist sie Mitglied der Genossenschaft und bekam einen Kredit über 1.800 US $ mit einer Laufzeit von 10 Monaten. Von dem Darlehen schaffte sie Rollstühle, Massagegeräte und andere orthopädische Produkte an, um ihre Dienstleistungen zu verbessern. Elizabeth: „Dadurch stieg die Kundennachfrage deutlich an.“ Mittlerweile rechnet sie täglich mit vier bis acht Patienten und mit einem Ertrag zwischen 50 und 100 US $. Sie plant in Zukunft ihre kleine Klinik zu vergrößern und möchte dafür einen weiteren gewerblichen Kredit beantragen.

Die Genossenschaft ACECENTA befindet sich in Santa Tecla, einem Stadtteil der Hauptstadt San Salvador mit 1.8 Millionen Einwohnern. Vor mehr als 40 Jahren durchlief sie einen Transformationsprozess von einem Landwirtschaftszentrum mit 10 Mitgliedern zu einer SKG, die heute 9.000 Mitglieder, 72 Mitarbeiter und fünf Zweigstellen zählt. Im Dezember 2014 erfolgte auch hier eine Umstrukturierung im Bereich der Kreditvergabe für KKU. Jede Zweigstelle hat jetzt einen verantwortlichen Kreditberater, dem es Microscore ermöglicht, das Risiko der Kreditvergabe besser einzuschätzen. „Im Durchschnitt vergeben wir Kredite in Höhe von 3.000 US $“, erklärt uns Maria Elena Ramos, Verantwortliche für das KKU Programm. „Darüber hinaus integrierten wir das Angebot von Aus- und Weiterbildungsprogrammen für Klein- und Kleinstunternehmer/-innen als wesentlichen Bestandteil in unser Geschäftsmodell der Genossenschaft.“ 2015 nahmen bereits 600 Mitglieder an diesen Programmen teil.

Herr Edgoberto Antonio Segovia Solis, 50 Jahre alt, betreibt seit 30 Jahren eine Schreinerei in Santa Tecla, die er von seinem Vater übernommen hat. „Wir benutzen ausschließlich robustes Zedernholz für unsere Möbelstücke und fertigen für alle Wohnbereiche.“ Im Gegensatz zu anderen „Patrones“ zahlt er seinen drei Arbeitern ein festes Gehalt von 100 US $ pro Woche. Sein Umsatz beläuft sich auf durchschnittlich 400 bis 800 US $ in der Woche. Er erklärt, seine Kosten zu decken und einen kleinen Gewinn zu erwirtschaften. Edgoberto ist erst seit 6 Monaten Mitglied von ACECENTA. Durch einen Kredit von 1.000 US $ konnte er Rohmaterialien für den laufenden Geschäftsbetrieb kaufen. Er möchte Beratungs- und Schulungsangebote in Anspruch nehmen, um seine noch geringen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen auszuweiten.

In Lourdes, einer kleinen Stadt nahe San Salvador, hat Maria Jose Garay Meija, 29 Jahre alt, ihren kleinen Lebensmittelladen. Mit dem Ziel bessere Kreditkonditionen zu erhalten, trat sie vor fünf Monaten der Genossenschaft ACECENTA bei. Sie bekam einen Kredit von 5.100 US $ mit einer Laufzeit von 36 Monaten. Diesen nutzte sie für die Tilgung eines noch ausstehenden Kredits und für die Anschaffung neuer Produkte. Maria betreibt ihren Laden seit mehr als zwei Jahren und ihr durchschnittlicher Gewinn beläuft sich auf 500 US $ pro Monat. Hierfür verkauft sie im Laufe des Tages nicht nur ihre Produkte, sondern öffnet auch jeden Morgen pünktlich um 7 Uhr ihr Geschäft, um Frühstücks- und Lunchpakete anzubieten. Sie hat keine Angestellten, wird aber von ihrer Familie unterstützt.

In der kleinen Gemeinde Huizúcar in der Provinz La Libertad besuchen wir abschließend die Kleinstunternehmerfamilie Luz Garcia. Über einen kleinen Pfad, vorbei an Truthähnen, gelangt man zur einfachen Holzhütte der Familie. Näherkommend hört man das typische Klatschen der Hände zwischen denen die Maismasse für Tortillas flach geklopft wird. Tortillas sind Maisfladen, die in El Salvador bei keinem Essen fehlen, ähnlich wie bei uns das Brot. Die Familie Luz Garcia bereitet in ihrer Tortillería das Produkt noch traditionell von Hand und auf einem Comal genannten Holzofen zu. Während Maria Alba Tortillas fertigt, kümmert sich ihr Mann um deren Auslieferung. Sie sind seit zwei Monaten Mitglied der SKG ACECENTA und erhielten einen Betriebsmittelkredit über 600 US $.

Die Besuche bei Genossenschaftsmitgliedern in El Salvador ergaben ein sehr aufschlussreiches Bild über die positive Wirkung und das Potential der gewerblichen Kreditprodukte auf die Arbeits- und Lebenssituation der KKU Mitglieder von Genossenschaften. Die Klein- und Kleinstunternehmer/-innen erhalten durch das neue Programm verbesserten Zugang zum notwendigen Kapital zur Verbesserung bzw. zum Ausbau ihrer Betriebe. „Wir sehen in dieser neuen Kreditlinie großes Potential zur Förderung von KKU. Bei der nachhaltigen Verbreitung dieser Art von Kredit, ist uns MicroScore eine essentielle Hilfe“, erklärt Maria Elena Ramos, Verantwortliche für das KKU Programm bei ACECENTA.   

 

Weitere Mikrofinanzprojekte des Monats:
 

Opportunity International Deutschland unterstützt 300 Reisbäuerinnen in Ghana – Jedes Reiskorn zählt

C-QUADRAT Asset Management unterstützt Klein(st)unternehmer/innen im Kaukasus mittels der Mikrofinanzfonds “Dual Return - Vision Microfinance”

Die Bank im Bistum Essen unterstützt Klein- und Kleinstunternehmen in Ecuador durch die Vergabe von Krediten über die von der BIB gemanagten Mikrofinanzfonds an die Mikrofinanzinstitution Banco Solidario

World Vision unterstützt Familien in Myanmar mit Bildungskredit

Kleine Kredite für eine bessere Gesundheit: Oikocredit unterstützt den Bau von Sanitäranlagen in Indien

C-QUADRAT Asset Management unterstützt Klein(st)unternehmer in Zentralasien mittels der Mikrofinanzfonds “Dual Return - Vision Microfinance

Opportunity International Deutschland hilft mit Arbeit statt Flucht 1000 Handwerksunternehmen

World Vision unterstützt den Wiederaufbau auf den Philippinen

Was ein Mikrokredit ins Rollen bringen kann

Die Frankfurt School of Finance & Management unterstützt das Arabische Zentrum für landwirtschaftliche Entwicklung (ACAD)

World Vision unterstützt das Projekt Securing Africa's Future

Opportunity International Deutschland unterstützt Maniokbauern in Nicaragua

C-QUADRAT unterstützt Klein(st)unternehmer in El Salvador mittels Mikrofinanzfonds

Opportunity International Deutschland unterstützt Frauen in Indien

World Vision Deutschland verbessert Lebensgrundlagen für besonders benachteiligte Haushalte in Südäthiopien

Oikocredit unterstützt Kleinunternehmen im Senegal

Eisige Winter und schlechte Luft – Energieeffizienz in der Mongolei

World Vision Deutschland unterstützt Kleingewerbe in der Mongolei durch Mikrofinanzkredite

AFC Consultants International unterstützt die Gründung des Verbandes für Mikrofinanzinstitutionen in der DR Kongo

DGRV unterstützt Genossenschaften im Mikrofinanzsektor in Paraguay

Die Sparkassenstiftung unterstützt die Finanzsektorenentwicklung in Usbekistan

PlaNet Finance Deutschland fördert Frieden und Stabilität in Myanmar

Invest in Visions GmbH unterstützt Fundeser in Nicaragua

C-QUADRAT Asset Management unterstützt Klein(st)unternehmer in Lateinamerika

PlaNet Finance Deutschlands Mikrokreditprogramm für Sichelzellenanämie-Patienten und ihre Familien in Niger

Opportunity International unterstützt Sorghum-Farmer in Ghana mit Sozialer Mikrofinanz

Oikocredit unterstützt CRECER-Projekt "For a Better Life"

C-QUADRAT Asset Management unterstützt Klein(st)unternehmer in Armenien

Opportunity International Deutschland unterstützt die ländliche Bevölkerung Mosambiks durch Soziale Mikrofinanz

Aufbau und Stärkung genossenschaftlicher Strukturen in Lateinamerika durch den DGRV

Die Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) unterstützt das Mikrofinanznetzwerk SANABEL in Nahost und Nordafrika

Die Bank im Bistum Essen stärkt Familien in Ecuador

Kleingewerbeförderung für Erdbebenopfer auf Sumatra durch die Schmitz-Stiftungen

Hilfe zur Selbsthilfe für bedürftige Familien in King´Ori, Tansania durch World Vision.

Kreditvergabe an Finca MC in Kirgisistan durch Invest in Visions

Bank mit Herz, Opportunity International Deutschland

Mikrofinanzinitiative der laotischen Frauenunion durch die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation

Institutionelle Stärkung der Mikrofinanzinstitution ODEF in Honduras durch die Frankfurt School of Finance & Management

In Menschen investieren - bei Oikocredit!

Oikocredit unterstützt guatemaltekische Mikrofinanzinstitute

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Sheabutter aus Ghana, PlaNet Finance Deutschland e.V.

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Mikrofinanzprojekt des Monats: Die Frankfurt School unterstützt das
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