Opportunity International Deutschland: Jedes Reiskorn zählt

Opportunity International Deutschland: Jedes Reiskorn zählt

Organisation
Opportunity International Deutschland
Projektname
Jedes Reiskorn zählt
Projektland
Ghana, Upper East Region (Korania)
Projektbeschreibung
Opportunity International Deutschland unterstützt 300 Reisbäuerinnen in Ghana durch die Vergabe von Mikrokrediten und Schulungen.
Partner & Geber
Sinapi Aba Trust (Partner vor Ort)
Laufzeit
Juni 2015 bis Mai 2016

 

Die Ausgangslage

Im westafrikanischen Ghana, das zu den wenigen politisch stabilen Demokratien Afrikas gehört,  leben rund 25 Millionen Einwohner. Trotz positiver Entwicklungen in den letzten Jahren leben noch immer rund 25 Prozent der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Besonders von Armut betroffen sind die Menschen in ländlichen Gebieten, die zumeist in Subsistenzwirtschaft leben.
Obwohl der Agrarsektor den wichtigsten Beschäftigungszweig Ghanas darstellt, ist dessen Produktivität weiterhin gering. Häufig fehlt es den Kleinbauern an Möglichkeiten, ihre Ernteerträge zu erhöhen.
Die Upper East Region wird als „Brotkorb Ghanas“ bezeichnet. Über 80 Prozent der dort lebenden Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft, zum Beispiel mit dem Anbau von Mais, Reis, Kassawa und Gemüse.
Vielen Kleinbauern fehlt der Zugang zu finanziellen Mitteln, um ihre Produktivität im Feldanbau vollständig auszuschöpfen.
Insbesondere Frauen sind von diesem Missstand betroffen. Obwohl sie den Großteil der landwirtschaftlichen Aktivitäten verrichten, sind sie häufig von den profitablen Bereichen der Landwirtschaft ausgeschlossen. Erfahrungswerte zeigen, dass die Produktivität von Kleinbauern höher ist, als die von Kleinbäuerinnen. Dies lässt sich vor allem auf die ungleiche Behandlung von Frauen in Kleinbauernnetzwerken und dem erschwerten Zugang zu Finanzdienstleistungen, wie Mikrokredite und sonstige Sparangebote, zurückführen. Denn ohne finanzielle Unterstützung und sichere Absatzmöglichkeit sind die Frauen nicht in der Lage ihre Ernteerträge zu steigern und ihre Familien ausreichend zu versorgen.
Die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung, da sie die Felder bewirtschaften, während es die Männer auf der Suche nach Arbeit immer mehr in die Städte zieht.
Das Pilotprojekt in der Gemeinde Biu ermöglichte 400 Frauen ihren Reisanbau mit Hilfe von Krediten und Schulungen auszuweiten und so ihre Ernteerträge zu steigern. Durch den koordinierten Verkauf ihrer Ernte an einen direkten Abnehmer konnten die Frauen ihr Einkommen erhöhen.

Häufig besitzen die männlichen Familienmitglieder die Landtitel. Die Arbeit der Frauen bleibt im Zuge dessen allzu häufig unberücksichtigt.

Die Projektziele

Nach dem großen Erfolg des letztjährigen Projektes in der Gemeinde Biu und des dadurch gestiegenen Interesses von Reisbäuerinnen aus den Nachbargemeinden, entschieden Opportunity International Deutschland und Sinapi Aba Trust die Unterstützung von Reisbäuerinnen auszuweiten.
Mit diesem Projekt unterstützen die beiden Organisationen ab Juni 2015 weitere 300 Reisbäuerinnen in der Nachbargemeinde Korania.
Während der einjährigen Projektlaufzeit werden die Reisbäuerinnen mit landwirtschaftlichen Krediten unterstützt, die ihnen in Form von Saatgut, Düngemitteln, Arbeitsgeräten und der Übernahme der Bewässerungsgebühr während der zweiten Anbauphase ausgegeben werden. Zusätzlich erwerben die Frauen durch Beratung und Schulungen betriebswirtschaftliche Kenntnisse und zusätzliches Wissen über die Optimierung ihrer Anbaumethoden.
Die bereits durch das Vorgängerprojekt bestehende Kooperation mit zwei Reisverarbeitungsbetrieben garantiert den Frauen auch zukünftig den Verkauf ihrer Ernte zu stabilen Preisen.
Opportunitys Form der Unterstützung stärkt die soziale Position der Frauen in ihren Familien. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die wirtschaftliche Eigenständigkeit das Selbstbewusstsein der Frauen stärkt und sie ihr gestiegenes Einkommen dazu nutzen, ihre Familien besser zu versorgen. Neben dem Schwerpunkt der Förderung von Frauen, trägt das Projekt ebenfalls zur Armutsreduzierung, Ernährungssicherung und Stärkung der lokalen Wirtschaft bei.
Dabei belaufen sich die Gesamtkosten des Projektes auf 86.000 Euro. Durch den Rückfluss der Kredite ist eine Weiterführung der Aktivitäten auch nach Abschluss des Projektes sichergestellt und die Reisbäuerinnen können weitere Kreditzyklen durchlaufen.

Eine der zehn Solidargruppen

Der Ablauf im Detail

1. Vorbereitung

Die 300 Reisbäuerinnen aus der Gemeinde Korania nehmen anfangs an einer dreitätigen Orientierungsphase teil, während der sie Informationen über die Arbeitsweise von Sinapi und den Projektablauf erhalten. Dabei wird ihnen insbesondere das Solidaritätsprinzip der Gruppenkreditvergabe ausführlich erläutert – denn die 300 Frauen bilden zehn Solidargruppen. Des Weiteren werden sie  über die Rückzahlungsmodalitäten sowie ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt.

2. Kreditvergabe

Aufgrund der zwei Reisanbauphasen durchlaufen die Kleinbäuerinnen während der einjährigen Projektlaufzeit zwei Kreditzyklen. Der erste Kreditzyklus beginnt mit der Hauptanbausaison Ende Juni/Anfang Juli 2015. Basierend auf den Informationen hinsichtlich Feldgröße, Zahl der Familienmitglieder und weiterer Einkommensquellen errechnet der Betreuer  für jede Klientin die individuelle Kredithöhe. Die Frauen erhalten ihre Kredite in Form von Saatgut, Düngemitteln und gegebenenfalls Arbeitsgeräten, wie Hacken, Sicheln und Planen.  In der zweiten Anbauphase enthalten die Kredite zudem die Gebühr für die Feldbewässerung.

Beim Nassreisanbau werden die Felder unter Wasser gesetzt, bevor die Reissetzlinge eingepflanzt werden. Während der Trockenzeit werden die Felder über Kanäle zusätzlich bewässert.

3. Schulungen

Um den Reisanbau zu optimieren, erhalten die Frauen landwirtschaftliche Schulungen über die verschiedenen Reispflanzen und deren entsprechende Anbaumethode. Weitere Inhalte sind organische Düngermethoden und die Aufklärung und Anwendung von Diversifikation beim Anbau. Außerdem werden die Frauen in den verschiedenen Ernteabläufen und –methoden unterrichtet.
Die Kreditbetreuer stehen den Frauen während der gesamten Projektlaufzeit beratend zur Seite. Die Frauen erhalten von ihnen regelmäßig Schulungen in betriebswirtschaftlichen Grundlagen, Kalkulation, Sparmöglichkeiten und Kundenpflege. Des Weiteren führen sie auch Beratungen zu HIV/Aids-Prävention, Gesundheit, Ernährung und Hygiene durch. Das neu erworbene Wissen geben die Frauen als Multiplikatoren in ihre Familien und die Gemeinde weiter.

4. Aussaat und Ernte

Die Hauptanbausaison von Reis liegt in der Regenzeit von Juni bis Oktober. Während dieser Zeit benötigen die Felder keine zusätzliche Bewässerung. Durch den zweiten Kreditzyklus erhalten alle 300 Klientinnen die Möglichkeit, eine zusätzliche Anbauphase während der Trockenzeit von November bis März durchzuführen. Während dieses Anbauzyklus werden die Felder durch Kanäle mit Wasser aus dem nahegelegenen Damm gespeist.

5. Stabilisierung der Wertschöpfungskette

Unser ghanaischer Partner hat sich das Ziel gesetzt, den Kleinbäuerinnen den Zugang zu aufnahmefähigen Märkten zu erleichtern. Aus diesem Grund wurden im vorangegangen Projekt Kooperationen mit der „Sweet Rice Processing Company“ und mit „Kpasilpaga Enterprise“ eingegangen. Beide Unternehmen sind mittelständische Weiterverarbeitungsbetriebe, die den Reis schälen, waschen und dem regionalen Markt zuführen. Sie beliefern u. a. nationale Organisationen, die Schulen mit Mittagessen versorgen. Die Verträge mit den beiden Weiterverarbeitungsbetrieben garantieren den Reisbäuerinnen auch zukünftig die Abnahme ihrer gesamten Ernte.

6. Monitoring und Evaluierung

Das Managementteam von Sinapi ist für die Vorbereitung, die Umsetzung sowie für die Kontrolle und interne Auswertung des Projektes verantwortlich und leitet diese Ergebnisse an Opportunity International weiter. Opportunity nimmt während des Projektzeitraums einen Kontroll- und Evaluierungsbesuch vor und berichtet über die Fortschritte und Ergebnisse.
 

Die Auswirkungen

Direkte Wirkung

Das Projekt leistet mit seinen zwei ineinander greifenden Komponenten - der Vergabe landwirtschaftlicher Kredite mit begleitenden landwirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Schulungen - einen entscheidenden Beitrag zur ländlichen Entwicklung. Die Reisbäuerinnen sind dank der finanziellen Unterstützung in der Lage, einen zusätzlichen Anbauzyklus im Jahr zu durchlaufen. Durch die Verbesserung ihrer Anbaumethoden steigern sie ihre Produktivität und erzielen somit höhere Ernteerträge. Die Schaffung eines langfristigen Absatzmarktes garantiert ihnen auch in den nächsten Jahren den Verkauf ihrer Ernte zu stabilen Preisen.
Das Projekt stellt die Förderung der Frauen in den Mittelpunkt. Durch ihre Schlüsselrolle in der Familie hat die Weiterentwicklung der Frauen große Auswirkungen auf ihr Umfeld. Ihr erwirtschaftetes Einkommen setzen die Frauen direkt für die Versorgung der Familie ein. Somit werden bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von sechs Personen die Lebensverhältnisse von ca. 1800 Personen verbessert.

Indirekte Wirkung

Auch indirekt wirkt sich die Förderung der Reisbäuerinnen auf die Stärkung der lokalen Wirtschaft in der Upper East Region aus. Durch die erhöhte Produktion der Reisbäuerinnen werden zusätzlich saisonale Arbeitsplätze für Erntehelfer geschaffen.
Der von den Weiterverarbeitungsbetrieben aufgekaufte Reis wird u. a. auf dem inländischen Markt vertrieben und dient somit der Bedarfsdeckung und Ernährungssicherung in der Bevölkerung. Durch den entstandenen Kapitalfluss wird die Kaufkraft der Kleinbäuerinnen gestärkt, was wiederum den inländischen Wirtschaftsmarkt ankurbelt. So leistet dieses Projekt einen Beitrag zur Armutsreduzierung, Nahrungsmittelproduktion und zum nachhaltigen Wachstum der ghanaischen Wirtschaft.

Fazit

  1. Gesicherte Ernteerträge und gesteigerte Einkommen für 300 Reisbäuerinnen und ihre Familien – so erhalten 1.800 Menschen eine Chance, sich aus der Armut zu befreien.
  2. Steigerung der Wirtschaftlichkeit durch betriebs- und landwirtschaftliche Schulungen.
  3. Sicherung eines langfristigen Absatzmarktes durch die Erschließung neuer Wertschöpfungsketten.
  4. Stärkung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in den ländlichen Gemeinden der Upper East Region.

 

Copyright der Bilder: Opportunity International Deutschland

 

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