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The microfinance delusion: who really wins?

Titel
The microfinance delusion: who really wins?
Autor
Hickel, Jason
Beitragsart
Online-Artikel
Medium
theguardian
Thema
Kritik; Mikrofinanzierung; Kommerzialisierung; Wirkung/Effekte; Überschuldung
Jahr
2015
Inhalt

Der Beitrag “The microfinance delusion: who really wins?” stellt eine kritische Stellungnahme des Anthropologe Jason Hickel über Mikrofinanzierung vor. Laut Hickel gehen Wahrnehmung und Realität der Mikrofinanzierung weit auseinander, da die Realität nicht dem weitverbreiteten positiven Meinungsbild gerecht wird. Dabei hat Hickel die Ansicht, dass Mikrofinanzierung häufig gegensätzlich wirkt und die Armut der Kreditnehmer oft durch wachsende Verschuldung gesteigert wird. So werde ein Großteil der Mikrokredite für den privaten Konsum genutzt und beruhe auf keiner nachhaltigen Grundlage. Beispielsweise werden in Südafrika 94% der Mikrokredite in Konsumgüter investiert und nicht in nachhaltige Zwecke, wie der Gründung oder Ausbau eines Unternehmens.

Hickel findet, dass der achtenswerte Ursprungsgedanke der Mikrofinanzierung von der Profitgier der Kreditanbieter überschattet wird. Mit Jahreszinsen im Bereich von bis zu 200 Prozent, sind häufig die Kreditinstitute die einzigen Gewinner. Früher gebrandmarkt als Kredithaie, dürfen sich diese Unternehmen unter dem Deckmantel der Mikrofinanzierung verstecken und ein Image genießen, welches der Wirklichkeit widerspricht. Auf der Seite der Kreditnehmer hingegen sieht die Realität weitaus dunkler aus. Aufgrund mangelnder Nachhaltigkeit und Erfahrung müssen diese häufig weitere Kredite aufnehmen, um ihre bestehenden Zahlungsforderungen begleichen zu können, ein Teufelskreislauf entsteht.

Dass dennoch eine überwiegend positive Meinung über Mikrofinanzierung existiert sieht Hickel im Trugschluss begründet, dass beide Akteure (Kreditnehmer und Geber) einen Mehrwert durch Mikrofinanzierung erhalten würden. Er bezeichnet die Annahme, armen Menschen mit Kleinkrediten zu helfen und dabei selbst eine kleine Rendite einzustreichen, für nicht mehr als ein wohlklingendes Märchen.

Für den Autor ist es daher wichtig, dass sich diese fehlerhafte Vorstellung der Realität anpasst und die Mikrofinanzierung nicht als Allheilmittel gegen Armut verstanden wird. Viel wichtiger ist, fundamentale Strukturprobleme der Armut direkt anzugehen. So können Subventionen und andere staatliche Unterstützungen ein Schritt in die richtige Richtung darstellen.

Die effektivste Lösung sieht der Anthropologe darin, armen Menschen Geld frei von Verbindlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Beispiele in Namibia, Mexico, Südafrika oder Indonesien haben in diesem Kontext gezeigt, dass diese Maßnahme den Konsum nachhaltig fördert und das Aufkommen neuer Geschäfte begünstigt.
 

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