Zinsen

Zinsen

Die Vergabe von Mikrokrediten ist sehr teuer aufgrund der kleinen Kredithöhen, wegen der begleitenden Trainings und Schulungen und wegen der hohen Transportkosten in die ländlichen Gebiete.

Darüber hinaus müssen die laufenden Kosten der Mikrofinanzinstitutionen gedeckt werden. Die Institutionen sollten kostendeckend arbeiten, um wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu erreichen und langfristig arbeiten zu können. Allerdings ist die umfassende Betreuung, die Mikrofinanzinstitutionen ihren Klienten anbieten, sehr kostenintensiv. Im Optimalfall erhalten die Klienten eine intensive Betreuung und Schulungen. Diese sind notwendig, damit die Klienten mit ihrem Kredit nicht allein gelassen werden, sondern diesen bestmöglich nutzen können, um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Neben diesen Aspekten dienen die Zinsen dazu, eine Verzerrung des lokalen Marktes zu verhindern. Es werden marktübliche Zinsen erhoben, um das lokale Finanzwesen nicht zu untergraben. Deswegen werden die Zinsen an die lokalen Verhältnisse angepasst. Die Zinssätze bei der Mikrofinanzierung erscheinen auf den ersten Blick relativ hoch. Ein Grund dafür ist, dass die Verwaltungskosten für Mikrokredite zwangsläufig sehr viel höher sind als bei klassischen, großen Krediten. Für 1.000 Mikrokredite in Höhe von 100 Euro sind viel mehr Mitarbeiter (und damit Lohnkosten) notwendig, als für die Vergabe eines Einzelkredits mit der gleichen Gesamtsumme von 100.000 Euro. Die Kredithöhen in der Mikrofinanzierung sind sehr gering und führen damit zu höheren Kosten pro Kredit im Vergleich zu kommerziellen Krediten. Die höheren Kosten werden von den Kreditnehmern durch die Zinssätze gedeckt.

Die Kosten der Mikrofinanzierung müssen auch gegen die Kosten anderer Kreditverleihsysteme, vor allem gegenüber den lokalen, oftmals als Kredithaien bezeichneten Geldverleihern, abgewogen werden. Die meisten von Armut betroffenen Menschen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen. Somit ist Mikrofinanz die einzige Alternative zu informellen Geldverleihern und Kredithaien, die oft extrem hohe Zinsen nehmen und so ihre Kunden in die Abhängigkeit treiben.

Die scheinbar hohen Zinssätze bei der Mikrofinanzierung sind im Vergleich zu solchen Kredithaien also sehr viel niedriger. Die Kreditnehmer erhalten durch Mikrofinanzierung zudem Zugang zu weiteren formellen Finanzdienstleistungen und profitieren, im Falle von ganzheitlich ausgerichteten Mikrofinanzinstitutionen, außerdem von Schulungen und einer intensiven Betreuung, so dass sie ihren Kredit auch optimal für die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse einsetzen können.

Trotzdem muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Mikrofinanzinstitutionen oder Banken mitunter die Notlage der Kreditnehmer ausnutzen und 100 Prozent Zinsen p. a. erheben. Diese Institutionen gelten als die schwarzen Schafe der Branche. Muhammad Yunus, der Gründer der nobelpreisgekrönten Grameen Bank, meint dazu, dass wir diese Idee nicht entwickelt haben, damit in unserem Namen die Kredithaie durch die Hintertür wiederkommen. Gute Mikrofinanzinstitutionen nehmen einen marktüblichen Zins, der je nach Land variiert. Als Richtwert kann man festhalten, dass der Zins p. a. in etwa 10 Prozent über der Inflation liegen sollte.

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